Paderborn. Die Nachricht von der Schließung der Redaktion der Bistumszeitung Der Dom drei Tage vor Heiligabend (wir berichteten) überraschte nicht nur die Betroffenen, sondern gestern auch das Kirchenvolk. Kritische Stimmen bangen um die Zukunft ihrer Kirchenzeitung überhaupt. Mancher sieht sich auch mal wieder außen vor in wichtigen, die katholische Kirche insgesamt betreffenden Fragen.
Unterdessen bekräftigten gestern die Geschäftsführer des Bonifatius-Verlages, Rainer Beseler und Gerd Gellner, im Gespräch mit der NW, es habe keine wirkliche Alternative zu dem Konzept gegeben, wonach die Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) ab dem kommenden Jahr die Redaktion für die Kirchenzeitung übernimmt. Ob einige der fünf Redakteure, denen zum 30. Juni 2010 gekündigt werden soll, von KNA zwecks Berichterstattung aus dem Bistum für ein Paderborner Büro übernommen würden, sei allein Sache der Bonner.
Zu besten Zeiten druckte der Bonifatius Verlag mehr als 100.000 Exemplare der seit 1946 wöchentlich erscheinenden Kirchenzeitung des Erzbistums. Doch konfessionelle Zeitschriftentitel sind seit Jahrzehnten bundesweit in der Krise. Aktuell sackte nach Verlagsangaben die Auflage auf 39.000 Exemplare, nachdem sie vor fünf Jahren noch bei 55.000 gelegen habe. Dass nun KNA erstmals die Redaktion einer der allesamt hoch defizitären Bistumszeitungen übernehme, werde in der Szene der Kirchenblätter durchaus interessiert aufgenommen. Es gelte als Modell, so Bonifatius-Geschäftsführer Beseler. Generalvikar Alfons Hardt hatte gar von einem "Glück" gesprochen.
"Dabei hat sich der Dom zuletzt gut entwickelt, optisch und inhaltlich," äußerte sich gestern Ansgar Kaufmann, Vorsitzender des Diözesankomitees, besorgt. "Unabhängig davon, dass man sich sicher überlegen muss, wie man mehr junge Leser erreicht, finde ich es bedauerlich, dass wir so etwas aus der Presse erfahren. Auch vermisse ich die Verantwortung des Bistums gegenüber langjährigen Mitarbeitern."
Kaufmanns Vorgänger Hans Georg Hunstig äußerte Unverständnis: "Ich halte das für falsch und kann mir kaum vorstellen, wie nun annähernd viel Lokalkolorit in die Bistumszeitung kommen soll. Zu Weihnachten völlig überraschend mit der Kündigung zu kommen, ist schlechter Stil." Wie Hunstig hätte sich auch Matthias Schmidt, Diözesanvorsitzender des Bundes der katholischen Jugend, vorstellen können, den Dom mit dem Osnabrücker Verbund von Kirchenzeitungen zu verquicken. Leserbriefe