Paderborn (ig). Die Schließung der Redaktion der Kirchenzeitung Der Dom des Erzbistums Paderborn zum 30. Juni 2010 mit der Kündigung sämtlicher fest angestellten sechs Mitarbeiter hat ein gerichtliches Nachspiel: Am kommenden Freitag beschäftigt sich das Paderborner Arbeitsgericht damit, ob der Bonifatius-Verlag formal auf dem eingeschlagenen Weg mit der Kündigung der kompletten Redaktion durchkommt oder vorher den Betriebsrat des Gesamtunternehmens hätte beteiligen müssen. So argumentiert nämlich der Anwalt der Dom-Mitarbeiter, Dr. André Pleßner.
Doch nicht nur der eigene Betriebsrat wurde umgangen, als die Redaktion drei Tage vor Weihnachten im Rahmen einer kurzfristig anberaumten Mitarbeiterversammlung von ihrer eigenen Auflösung erfuhr. Auch der eigentliche Eigentümer wusste von nichts.
Einziger Gesellschafter der Bonifatius GmbH ist nämlich die Franz-von-Sales- Stiftung. Deren Vorsitzender ist Prof. Dr. Werner Schmeken. Der Jurist und frühere Paderborner Stadtdirektor soll ganz und gar nicht erfreut gewesen sein, als er durch Presseveröffentlichungen vom Vorgehen der Bonifatius-Geschäftsführung erfuhr und sich inzwischen auch schriftlich eingeschaltet haben. Schmeken auf Anfrage der Neuen Westfälischen: "Tatsächlich mussten wir als Stiftung kirchlichen Rechts nicht um Erlaubnis gebeten werden, weil es dafür den Aufsichtsrat der Bonifatius GmbH als Zwischen-Institution gibt."
Dieser Aufsichtsrat, dem der Vorstandsvorsitzende der Bank für Kirche und Caritas, Dr. Richard Böger, vorsitzt, gab jedenfalls nach dem den gekündigten Mitarbeitern vorliegenden Ablaufplan der Ereignisse schon am 8. Dezember grünes Licht für den am Tag vorher von der Geschäftsführung der Bonifatius GmbH beschlossenen Plan, den Dom in Zukunft maßgeblich von der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) gestalten zu lassen. Auch das Generalvikariat des Erzbistums gab dazu formal schon am 10. Dezember seine Zustimmung - immer noch elf Tage, bevor die Mitarbeiter selbst unterrichtet wurden. Denn die, so vermuten sie selbst, sollten ja nicht ausgerechnet bei der Arbeit für die Weihnachtsausgabe der Wochenzeitschrift gestört werden.
Insgesamt vergingen also 13 Tage, in denen der Aufsichtsrat der Bonifatius GmbH den eigentlichen Eigentümer des Verlages nicht über eine so wichtige Entscheidung wie die Aufgabe der eigenen Redaktion für die eigene, traditionsreiche Bistumszeitung unterrichtete. Formal kein Verstoß gegen die Statuten - doch deswegen noch lange nicht unumstritten. Und darüber wird man sich intern auch noch unterhalten. Weswegen der Stiftungsvorsitzende Werner Schmeken denn auch jetzt gegenüber der NW sich nur sehr zurückhaltend äußern mochte.
Unterdessen haben nicht nur der Deutsche Journalistenverband (djv) und die "Gesellschaft katholischer Publizisten" (GKP) die Entscheidung des Bonifatius-Verlages sowohl aus publizistischen wies aus menschlichen Gründen kritisiert. Auch die unabhängige katholische Zeitung Die Tagespost (Würzburg) hält den Schritt für "fragwürdig". Dort wird dagegen gehalten, dass die Bistumsleitungen allgemein ihrer Verantwortung den Kirchenblättern gegenüber nicht gerecht würden und lieber auf externe Unternehmensberater vertrauten als auf die Kompetenz der Redaktionen vor Ort, auch wenn es um Sanierungskonzepte gehe. Zudem hätten Kirchenzeitungen sogar "angeschlossene defizitäre Druckereien und Buchbindereien quersubventioniert".
Auch die Bonifatius GmbH hatte, wie Geschäftsführer Rainer Beseler gegenüber der Neuen Westfälischen (wir berichteten) sagte, andere Zukunftskonzepte für den Dom geprüft. Darunter sei auch das vom Bistum Osnabrück ausgehende Modell gewesen, in einer gemeinsamen Verlagsgruppe mehrere Bistumsblätter zu bündeln. Dies sei aus wirtschaftlichen Gründen verworfen worden, so Beseler.
Der DJV richtete gestern eine Internet-Plattform ein, auf der alle Informationen rund um den Rauswurf der Paderborner Kollegen dokumentiert werden. Versammelt sind dort auch Leserzuschriften.
Ein Blog lädt zu weiteren Kommentaren und Diskussionen ein. www.dom-protest.de


















