50 Mitarbeiter betroffen / Paderborn bleibt "Herz der weltweiten Entwicklung" des Unternehmens
Paderborn. Ostwestfalen-Lippes wichtigster Standort der Informationstechnologie verliert einen nicht ganz unbedeutenden Firmensitz: Die an der Riemekestraße 160 ansässige Sagem Orga GmbH, einer der vier größten Chipkartenhersteller der Welt, verlegt ihre Zentrale ins schleswig-holsteinische Flintbek. 50 der 190 Paderborner Mitarbeiter sind davon betroffen.
Sie und ihr Betriebsrat wurden am Donnerstag von der Firmenleitung über die Umstrukturierungspläne informiert und müssen nun entscheiden, ob sie mit der Zentrale umziehen und - vermutlich im Sommer - den Möbelwagen in Richtung Norden ordern. Betroffen sind unter anderem Mitarbeiter der Geschäftsführung, der Finanzabteilung, des Controlling, des Vertriebs und der Sparte Kommunikation.
Paderborn soll mit 140 Mitarbeitern und dem hier über Jahrzehnte gewachsenen Know-How "das Herz der weltweiten Sagem-Orga-Entwicklung" bleiben, denn das sitze in Paderborn "an der richtigen Stelle", betonten Alexandre Ariztegui, der Personalchef der Unternehmensgruppe, und der Entwicklungschef der Sparte Telekommunikation, Jürgen Günther, gestern vor der Presse. Von Paderborn aus werde auch künftig die weltweite Entwicklungsarbeit des Unternehmens gesteuert, die in Zentren in Frankreich (Osny), Indien (Noida), Russland (Zelenograd), Singapur und Brasilien (Taubaté) sowie im größten Entwicklungszentrum in Paderborn geleistet wird.
Sowohl in Flintbek, wo Sagem Orga seit 1992 produziert, als auch in Paderborn sei das Unternehmen durch langfristige, teure Leasingverträge an die heute genutzten Immobilien gebunden. In Flintbek habe sich die Gelegenheit ergeben, die dortigen Firmengebäude zum 1. Januar 2010 durch Sagem-Orga zu erwerben. Dies sei der Auslöser, nun den Firmensitz nach Flintbek zu verlegen und die Verwaltung, die in Flintbek bislang 94 Mitarbeiter zählt, dort zu konzentrieren. "Eine schwierige Entscheidung. Es hätte auch Paderborn sein können", deuteten Ariztegui und Günther an, dass bei einer anderen Lösung der Gebäudefrage der Firmensitz durchaus weiter hätte Paderborn heißen können. An der Zusammenarbeit mit der Universität Paderborn, aus der schon 1984 die weltweit erste Ein-Chip-Prozessor-Karte hervorgegangen ist, will der deutsch-französische Konzern festhalten.
In Flintbek sorgte die Aussicht, bald Sitz des global operierenden Unternehmens Sagem Orga zu sein, nicht nur Begeisterung aus. Denn die Umstrukturierung sei dort neben den erfreulichen Folgen auch mit "massivven negativen" Auswirkungen verbunden, meldeten gestern die Kieler Nachrichten.Aus Kostengründen soll von dort bis 2011 der größte Teil der Produktion von SIM-Karten für Mobiltelefone ins Ausland verlagert werden, was den Verlust von 35 der heutigen 355 Arbeitsplätze in Flintbek zur Folge hat.
Derweil sorgt die von der schwarz-gelben Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag zwecks weiterer Prüfung erst einmal auf Eis gelegte elektronische Gesundheitskarte bei Sagem Orga weiter für Ungewissheit. Das Unternehmen habe Aufträge zur Herstellung dieser Karte, die einem 35-prozentigem Marktanteil in Deutschland entsprächen, sagte Firmensprecherin Sonja Risse. "Wir sind bereit, mit der Herstellung zu beginnen. Die Politik muss nur grünes Licht geben."