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01.02.2010
PADERBORN
Wenn Toleranz Angst macht
Muslime und Deutsche diskutieren in Paderborn über Minarettbauten
VON ANDREAS GÖTTE

Integration statt Assimilation | FOTO: ANDREA S GÖTTE

Paderborn. Eigentlich sollte das Minarettverbot in der Schweiz diskutiert werden - durch den geplanten Bau eines Minaretts in Bad Lippspringe (die NW berichtete) bekam die Diskussionsveranstaltung des Arabisch-Deutschen Freundeskreises und der Deutsch-Türkischen Gesellschaft in der Kulturwerkstatt am Freitagabend eine ganz aktuelle Note.

Eines wurde schnell klar: Ein Mix aus Ängsten, Vorurteilen und Halbwissen hilft nicht weiter und kocht im Gegenteil die Emotionen eher hoch.

Referent Gerhard Duncker, Kirchenrat der Evangelischen Kirche in Westfalen, steht der Haltung der Schweizer ablehnend gegenüber. "Wir halten uns hier an den Rechtstaat und haben Religionsfreiheit. Wenn das Baurecht eingehalten wird, ist dagegen erstmal nichts einzuwenden", führte der Gast aus Bielefeld aus. Es müsse jedoch im Einzelfall nach Lösungen gesucht werden, mit denen alle leben könnten.

Situation für Christen im Islam verbessern

Dennoch könne er auf der anderen Seite die Ängste der Deutschen verstehen. Wegen negativer Schlagzeilen in den Medien habe der Islam ein schlechtes Image. "Und das macht den Menschen Angst", betonte Duncker, der seine vier Jahre in der Türkei als "schön und glücklich" bezeichnete. Er habe allerdings nur vorübergehend dort gelebt und sich dabei - durch den diplomatischen Dienst - eher in einem geschützten Raum bewegt. Nach Meinung Dunckers könnte eine Verbesserung der Situation von Christen in islamischen Ländern für den Umgang miteinander in Deutschland hilfreich sein. Das würde die Integration vereinfachen. Die vielen Muslime unter den rund hundert Zuhörern wollten im Verlauf des Abends vor allem mehr über die Ängste der Deutschen erfahren.

Doch Moderatorin Susanne Stork (Radio Hochstift) hatte vor allem muslimische Gäste vor ihrem Mikrophon. Die Einheimischen hielten sich vornehm zurück - vielleicht aus eben dieser vielzitierten Angst, die Wolfgang Weigel zu konkretisieren versuchte. "Es ist die Angst der Deutschen vor einem politischen Islam, vor einer Verschmelzung von Staat und Kirche", erklärte der Vorsitzende der Deutsch-Türkischen Gesellschaft. Er forderte die hier lebenden Muslime auf, sich an der Demokratie zu beteiligen, damit sie nicht nur als Repräsentanten der Religion gesehen würden. Eine gute Möglichkeit dazu sei beispielsweise die Wahl zum Integrationsrat in Paderborn am 7. Februar.

Ömer Karaca, Sprecher der ins Rampenlicht geratenen Moschee in Bad Lippspringe, betonte, nicht brachial das Recht durchsetzen zu wollen, sondern mit den Kirchen und der Politik zu reden. Ein Minarett sei kein Machtsymbol. "Ich frage mich nur, ob bei den Deutschen auch die Bereitschaft zur Integration da ist", so der Sprecher. Diese Vermutung wies Duncker zurück. An Tagen der offenen Tür würden fünf Mal mehr Christen in die Moschee gehen als Muslime in die Kirchen. Das Exekutivkomitee-Mitglied der Mitte-Ost-Kommission der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) macht sich deshalb auch für islamisch-theologische Fakultäten und mehr Lehrer für islamische Religion an öffentlichen Schulen und Universitäten stark.

Religion ist wieder präsent

Ein Gutes hat aber auf jeden Fall die Diskussion um den Minarettbau in Bad Lippspringe - und darin waren sich alle Beteiligten einig - das Thema Religion ist wieder öffentlich präsent und bekommt dadurch eine neue Chance. Denn eines macht auch Gerhard Duncker Angst und nennt es die "negative Religionsfreiheit": "Viele verstehen unter der Religionsfreiheit, dass Religion aus der Öffentlichkeit verschwindet", so der evangelische Theologe.


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Kommentare
Einer geht durch die Stadt: Wir hatten eigentlich nicht die Absicht die Minarette an der Seite oder sonstwo zu bauen. Es sollte vorne gebaut werden...und der Kompromiß kam von unserer Seite und nicht von anderer Stelle....Machen wir ein Kompromiß, wird es nicht angenommen...normalerweise brauchten wir diesen gar nicht...baurechtlich haben wir weniger probleme, wenn der turm vorne gebaut würde...wir gehen den schwierigen weg, nur um der bevölkerung entgegenzukommen...und das meine ich auch so...keine Taktik, wie viele denken... die minarette kann hinten nicht gebaut werden...es hat zwei gründe: 1. Parkplatz wäre nicht voll nutzbar 2. dort müßten 3 Nachbarn ihre Zustimmung geben...was die Zukunft bringt, wissen wir heute nicht..jedenfalls kommt der hintere Bereich nicht in Frage. Wir wollen, das die Ersichtlichkeit gegeben ist...was haben wir dann, wenn es hinten gebaut werden soll. Von Vorderflöß aus haben wir eine wunderbare Aussicht von der Moschee...Dann lieber gar nicht bauen...ich denke, daß der seitliche Bau der Minarette die beste Lösung ist... Schöne Grüße Ömer Karaca....Sprecher der Moschee

um die genehmigung zum bau einer minarette zu erhalten, sind herr karaca und der architekt, herr centitas, sehr geschickt vorgegangen. zuerst den turm in front der moschee beantragen, dann aber schnell, als kompromiß, diesen seitlich zu platzieren. selbstverständlich nach einigung mit dem grundstücksnachbarn und einer gegenseitigen baulast. bei einer minaretthöhe von 15 meter betrüge der grenzabstand (multiplikator 0,4) genau 6 meter. die hinteren grundstücksflächen, übrigens ideal als standort für die minarette, ist der gemeinde wohl zu wertvoll. man will sich für evtl. spätere bauvorhaben reserven erhalten. das ganze hat m.e. mit religion und integration nichts zu tun. mit frdl. grüßen

Sehr geehrter Herr Mertens, wir führen seit mehreren Jahren gemeinsam mit der evangelischen und katholischen Gemeinde Dialoggespräche...gerne würden wir uns auch mit Ihnen treffen.. Ich bin unter folgendem Telefonnummer zu erreichen: (...)..Bitte rufen Sie mich an...Ich möchte ohne Erlaubnis der geistlichen der Gemeinden hier keinen Namen nennen.. Vielleicht können wir beim nächsten Gespräch sie in unseren Reihen begrüßen... Ömer Karaca (Sprecher der islamischen Gemeinde zu Bad Lippspringe)

@Ömer Karaca: Kurze Rückmeldung zu Ihrem Kommentar - in der aktuellen Form der Minarettsdiskussion in BaLi betreiben Sie ja ausgiebige Öffentlichkeitsarbeit - Ihr Gemeinde ist doch in aller Munde - wenn Sie dieses möchten haben Sie Ihr Ziel ja erreicht...

...kurz vorab: ich bin ein NICHT EINGEBÜRGERTER AUSLÄNDER und katholisch. (..was ja nichts verwerfliches ist!) Integration hin oder her ... ich finde, die Diskussion wird durch die pauschale Verwendund des Wortes "Integration" in die falsche Richtung geleitet. Persönlich habe ich nichts gegen Muslime und deren Moscheen und deren "Ausübung" Ihrer Religion, SOLANGE ABER GEWÄHRLEISTET IST, DAS DORT IN DEN MOSCHEEN KEIN UNFUG BETRIEBEN WIRD! DAFÜR MÜSSEN DIE MUSLIME ABER SELBST SORGEN! ..allen voran die eingebürgerten Muslime! Minaretten widerum haben m.E. nach primär einen "baulichen/optischen" Störgrund. Solange aber die Minarett "klein" und evtl "unscheinbar" bleibt, sollte diese noch tolerierbar sein. Die größte Gefahr sehe ich jedoch darin, daß früher oder später ein Muezin von dieser Minarett bzw. durch einen Lautsprecher auf dieser Minarett zum Gebet ruft! Dies wäre eine Lärmbelästigung und ist NICHT mit Glocken einer christlichen Kirche vergleichbar, DA WIR IN EINEM CHRISTLICHEN LAND LEBEN! Und das Deutschland ein christliches Land ist müssen die Muslime akzeptieren und tolerieren! (...es verbietet Ihnen ja keiner, ein Moslem zu sein und zu beten!) ...sonst wird das nie etwas mit einem "friedlichen Gemeinsam"!



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