Paderborn. Bei Anwohnern ist die Kreisstraße zwischen den Delbrücker Ortsteilen Lippling und Ostenland (Kreis Paderborn) als Todesstrecke bekannt. Mehrere Menschen starben bereits auf dem vier Kilometer langen Teilstück. Die Bürger setzten vor Jahren eine 70-Zone dort durch, dagegen klagt nun ein Polizist. Sowohl der Paderborner Landrat Manfred Müller als auch Polizeidirektorin Ursula Wichmann gehen mittlerweile auf Distanz zu dem Beamten.
Karl Kröger geht zwar als Privatmann gegen das Tempolimit vor, durch seine berufliche Funktion ist das dennoch mit einem Beigeschmack verbunden. Kröger leitet im Hauptberuf den Verkehrsdienst der Kreispolizeibehörde Paderborn. Einen Widerspruch darin sieht er nicht. Sollte eine Anordnung wie eine Tempobeschränkung getroffen werden, müssten auch Voraussetzungen gegeben sein. "Und das ist hier nicht der Fall", betont Kröger gegenüber nw-news.de.
Die Kreispolizeibehörde hatte vor Jahren eine Temporeduzierung aus polizeilicher Sicht als nicht notwendig eingestuft. Über das Vorgehen von Kröger sagte Landrat Müller am Mittwoch: "Ob das so geschickt war, bleibt dahin gestellt." Wichmann betonte, dass Kröger sein Recht ausgeübt habe, betonte aber: "Ich stehe dem kritisch gegenüber."
Übermäßig viele Unfälle, so der Beamte, würden auf der Strecke nicht passieren, rechtfertigt Kröger seine Klage. "Ich bin der letzte, der sagt: Ich lasse Unfälle zu. Aber an den harten Zahlen kommen wir nicht vorbei." Und die würden zeigen, dass es an der Strecke keinen Unfallschwerpunkt gebe. Runterspielen wolle er die Situation damit aber nicht.
Anwohner sorgen sich um Kinder
Dass seit der Einführung der 70er-Zone weniger Unfälle passiert seien, glaubt Kröger nicht und spricht von einer Pseudo-Sicherheit. Auch dies begründet er mit Zahlen. Bevor die 70-Zone eingerichtet wurde, seien Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt worden. Eine Woche lang. Diese hätten ergeben, dass die Autos dort ungefähr mit 68 bis 78 Stundenkilometern unterwegs sind. Also sei ohnehin kaum jemand 100 km/h auf der Strecke gefahren.
Die Bürger wundern sich über das Engagement des Ersten Polizeihauptkommissars. Sie sorgen sich um die Sicherheit, vor allem um die der Kinder, sobald wieder schneller gefahren wird. Zwischen 1996 und 2006 sind dort fünf Menschen gestorben, viele wurden zum Teil schwer verletzt.
Bei Motorradfahrern ist die Strecke wegen der vielen Kurven beliebt. Über die würden sich auch besonders viele Anwohner ärgern. Der Polizeihauptkommissar selbst fährt kein Motorrad mehr: "Die Zeiten sind vorbei."
Beim Verwaltungsgericht in Minden ist diese Klage mittlerweile anhängig, am Dienstag gab es einen Ortstermin. Eine Entscheidung wurde dort aber noch nicht gefällt. Nun haben die Beteiligten 14 Tage Zeit, noch einmal Stellung zu beziehen, bevor ein Urteil gefällt werden soll.