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03.03.2010
DELBRÜCK/PADERBORN
Polizist klagt gegen Tempolimit
Leiter des Paderborner Verkehrsdienstes geht gegen 70er-Zone vor
VON JULIA RENNER UND RALPH MEYER

Kreisstraße als Zankapfel | FOTO: RALPH MEYER

Paderborn. Bei Anwohnern ist die Kreisstraße zwischen den Delbrücker Ortsteilen Lippling und Ostenland (Kreis Paderborn) als Todesstrecke bekannt. Mehrere Menschen starben bereits auf dem vier Kilometer langen Teilstück. Die Bürger setzten vor Jahren eine 70-Zone dort durch, dagegen klagt nun ein Polizist. Sowohl der Paderborner Landrat Manfred Müller als auch Polizeidirektorin Ursula Wichmann gehen mittlerweile auf Distanz zu dem Beamten.

Karl Kröger geht zwar als Privatmann gegen das Tempolimit vor, durch seine berufliche Funktion ist das dennoch mit einem Beigeschmack verbunden. Kröger leitet im Hauptberuf den Verkehrsdienst der Kreispolizeibehörde Paderborn. Einen Widerspruch darin sieht er nicht. Sollte eine Anordnung wie eine Tempobeschränkung getroffen werden, müssten auch Voraussetzungen gegeben sein. "Und das ist hier nicht der Fall", betont Kröger gegenüber nw-news.de.

Die Kreispolizeibehörde hatte vor Jahren eine Temporeduzierung aus polizeilicher Sicht als nicht notwendig eingestuft. Über das Vorgehen von Kröger sagte Landrat Müller am Mittwoch: "Ob das so geschickt war, bleibt dahin gestellt." Wichmann betonte, dass Kröger sein Recht ausgeübt habe, betonte aber: "Ich stehe dem kritisch gegenüber."

Übermäßig viele Unfälle, so der Beamte, würden auf der Strecke nicht passieren, rechtfertigt Kröger seine Klage. "Ich bin der letzte, der sagt: Ich lasse Unfälle zu. Aber an den harten Zahlen kommen wir nicht vorbei." Und die würden zeigen, dass es an der Strecke keinen Unfallschwerpunkt gebe. Runterspielen wolle er die Situation damit aber nicht.

Anwohner sorgen sich um Kinder

Dass seit der Einführung der 70er-Zone weniger Unfälle passiert seien, glaubt Kröger nicht und spricht von einer Pseudo-Sicherheit. Auch dies begründet er mit Zahlen. Bevor die 70-Zone eingerichtet wurde, seien Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt worden. Eine Woche lang. Diese hätten ergeben, dass die Autos dort ungefähr mit 68 bis 78 Stundenkilometern unterwegs sind. Also sei ohnehin kaum jemand 100 km/h auf der Strecke gefahren.

Die Bürger wundern sich über das Engagement des Ersten Polizeihauptkommissars. Sie sorgen sich um die Sicherheit, vor allem um die der Kinder, sobald wieder schneller gefahren wird. Zwischen 1996 und 2006 sind dort fünf Menschen gestorben, viele wurden zum Teil schwer verletzt.

Karte

Bei Motorradfahrern ist die Strecke wegen der vielen Kurven beliebt. Über die würden sich auch besonders viele Anwohner ärgern. Der Polizeihauptkommissar selbst fährt kein Motorrad mehr: "Die Zeiten sind vorbei."

Beim Verwaltungsgericht in Minden ist diese Klage mittlerweile anhängig, am Dienstag gab es einen Ortstermin. Eine Entscheidung wurde dort aber noch nicht gefällt. Nun haben die Beteiligten 14 Tage Zeit, noch einmal Stellung zu beziehen, bevor ein Urteil gefällt werden soll.


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Kommentare
Ich kann nur jedem empfehlen sich an einem sonnigen Sonntag Nachmittag einmal selber ein Bild von der Strecke und dem Verhalten der Verkehrsteilnehmer, vor allem aber der Motorradfahrer zu machen. Wer dann noch etwas Nervenkitzel haben möchte, der fährt die vielen dort liegenden Hofeinfahrten rein und vor allem wieder raus. Ich hoffe nur, dass alles dabei gut geht. Wenn fünf Unfalltote kein Unfallschwerpunkt sind, möchte ich mal gerne erfahren ab wann das denn der Fall ist. Vielleicht kann man den Hinterbliebenen der Opfer das dann ja erklären. Die haben dafür sicher Verständnis. Kann man es wirklich befürworten, weitere Unfallopfer zu verantworten, nur um 30 km/h schneller fahren zu dürfen?

Im Prinzip hat der Polizist Recht. Aber warum wird er hier namentlich schräng von hinten angeschossen? Gibt es da Animositäten von der NW gegen diesen Polizisten?

Herr Kröger hat völlig Recht. Er kann doch nur anhand von Fakten = Zahlen entscheiden. Der Landrat ist kritisch (nach dem Motto: wenn was in Zukunft passiert:"ich hab´s ja gleich gesagt"). Der Name des Polizisten Kröger wird von dem Redakteur doch klar deshalb genannt um mehr Druck aufzubauen. Das ist nun mal in der Presse so. Es werden Personen angegriffen. Da sollte man mal alle Artikel raussuchen, die dieser Redakteur geschrieben hat und dann behaupten, daß die NW nur deshalb so schlecht ist, weil der Redakteur so viel Mist geschrieben hat - dann gäbe es aber ein Geschrei! Ohne Unterstützung der Polizei sind wir bald in eienm rechtlosen Staat. Ich bin übrigens kein Polizist und habe schon etliche Knöllchen (wutenetbrannt , aber zu recht) bekommen.

Es gibt wenige Polizeibeamte, denen man uneingeschränkt Lob und Anerkennung aussprechen kann. Noch weniger Beamte gibt es, die den Mut haben, Unsinn als Unsinn zu bezeichnen und Klage zu erheben. Deshalb schlage ich vor, Herrn Kröger das Bundesverdienstkreuz zu verleihen.

Über das professionelle Selbstverständnis dieses Stastsdieners muß man sich schon wundern. Raser reiben sich verwundert die Augen, ein Polizist auf Ihrer Seite (freie Fahrt für freie Bürger). An die Eltern und Kinder verschwendét natürlich keiner der selbsternannten Spitzenmotorrad- und autofahrer einen Gedanken, Hauptsache man zieht Selbstbefriedigung aus dem Geschwindigkeitsrausch. Arme Gesellschaft!!!



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