Paderborn. Nichts wächst in Paderborn so ungestüm wie die Hochschule: Neue Hörsäle, Labors und Seminargebäude stehen auch für die nächsten Jahre ganz oben auf der Prioritätenliste. Weil der Platz dafür aber beschränkt ist und jeder Neubau zusätzliche Fakten schafft, zapft die Uni-Leitung nun den geballten Verstand professioneller Kreativer an. Gestern startete eine fünftägige Ideenwerkstatt.
Daran beteiligen sich vier Architekturbüros und mit ihnen zusammen arbeitende Landschaftsplaner, darunter das Paderborner Büro Matern und Wäschle. Den Workshop lässt sich der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, formal Eigentümer der Hochschule, 60.000 Euro Honorar kosten. BLB-Niederlassungsleiter Heinrich Micus: "Es geht dabei nicht um Planungs- oder Bauaufträge – nur um Konzepte. Wir haben die vier Büros ausgesucht, weil wir von allen vier wissen, dass sie besonders gut mit den speziellen Voraussetzungen hier vor Ort umgehen können." Dazu zählt Micus insbesondere die gewachsene, heterogene Struktur des Campus an der Warburger Straße, die Fähigkeit der Planungsbüros, Bestands- und Neubauten zu verbinden sowie auch multifunktional zu denken. Micus: "Es wird auf eine Planung in Bausteinen hinauslaufen. Dabei soll aber keiner der Bausteine nur ein Provisorium darstellen."
Inklusive einer Reihe von laufenden Sanierungsmaßnahmen und Neubauten – der letzte Baubeginn für das Gebäude "O" liegt erst zwei Monate zurück – sollen bis 2013 über 100 Millionen Euro in die bauliche Entwicklung der Universität gesteckt werden. 12.600 Quadratmeter Gebäudefläche und zusätzliche Parkplätze müssen kurzfristig realisiert werden; weitere 22.000 Quadratmeter Brutto-Gebäudefläche werden mittel-bis langfristig benötigt, so die Uni-Leitung, die langfristig von mindestens 15.000 Studierenden in Paderborn ausgeht, im Zweifel sogar mehr.
Haupteingang mehr betonen
Herzstück des dafür gemachten Masterplans ist ein 7.000 Quadratmeter großes Ersatzgebäude (für den später zu renovierenden Uni-Teil "P"), das die Uni auch nach außen markant darstellen soll. Unter anderem dafür sollen die Planer einen geeigneten Standort finden, ohne aber zu viel Grünflächen zu opfern. Kanzler Jürgen Plato: "Die Uni darf auf keinen Fall wie zubetoniert wirken." Ebenso dringlich ist für die Uni-Leitung eine optische Betonung des Haupteingangs an der Warburger Straße, der zwar zentral zwischen Mensa, Bibliothek, Hörsälen und Verwaltung liegt, den aber ortsunkundige Besucher nur mühsam finden. Ebenfalls kurzfristig umgesetzt werden soll ein Parkdeck mit 400 Stellplätzen. Diese sollen die Summe der vorhandenen 2.000 Stellplätzen auf die Dauer nicht erhöhen, jedoch Raum für neue Planungen schaffen.
Weiter sollen sich die Planer bis Freitag überlegen, wie man mittelfristig die Uni-Bibliothek um 2.000 Quadratmeter und die Mensa um 600 Quadratmeter vergrößern kann. Weitere Zukunftsmusik sind drei bis vier zusätzliche Institutsgebäude mit rund 5.400 Quadratmetern für neue, sich in den nächsten zehn Jahren ergebende Schwerpunktaktivitäten.
Die Ergebnisse des Workshops sollen am Freitag Mittag vorgestellt werden. Danach macht sich eine Empfehlungskommission aus Städteplanern, Vertretern des Innovations- und des Bauministeriums NRW, der Uni, des BLB und der Stadt Paderborn – darunter auch Bürgermeister Heinz Paus sowie der Technische Dezernent Martin Lürwer, an die Arbeit, die Vorschläge zu werten. Das Planungsbüro, dessen Vorschlag die Empfehlungskommission für den besten hält, bekommt 5.000 Euro Preisgeld.
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