Neues Großgerät verbessert Therapie für Krebspatienten im Brüderkrankenhaus St. Josef
Paderborn. Dr. Horst Keller ist stolz auf die jüngste technische Errungenschaft, die Einzug ins zweite Untergeschoss des Brüderkrankenhauses St. Josef an der Husener Straße gehalten hat. "Wir können jetzt im menschlichen Körper um die Kurve bestrahlen", erläutert der ärztliche Direktor und Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie die Möglichkeiten des neuen Großgerätes.
Viele Krebspatienten werden von der kostspieligen Anschaffung profitieren. Der Beschleuniger der neuesten Generation, der ein Gerät aus dem Jahre 1992 ablöst, erlaube eine Krebstherapie, die "so schonend wie möglich und zugleich so effektiv wie möglich" sei, betonte Keller bei der Vorstellung des neuen Linearbeschleunigers.
1,8 Millionen Euro hat das Brüderkrankenhaus St. Josef investiert. Allein der Umbau der Räumlichkeiten im zweiten Untergeschoss hat eine halbe Million Euro verschlungen. Die Heinz-Nixdorf-Stiftung, die dieses Krankenhaus seit langem unterstützt, habe für das hochtechnische Gerät "kräftig ins Rad gegriffen" und dafür eine Million Euro gespendet, stellte Siegfried Rörig, der kaufmännische Direktor von St. Josef, heraus. Dort bildet die Versorgung von Menschen mit gut- und bösartigen Tumorerkrankungen einen Schwerpunkt.
Nach Rörigs Worten arbeitet die Strahlentherapie des Brüderkrankenhauses, in der zwei Linearbeschleuniger im Einsatz sind, "auf universitärem Standard". Jährlich werden an der Husener Straße rund 1.000 neue Patienten behandelt. Der Einzugsbereich der Strahlentherapie reicht über die Hochstiftkreise Paderborn und Höxter hinaus.
Der im Dezember installierte neue Linearbeschleuniger soll am 24. März offiziell eingeweiht werden. Dann sollen den niedergelassenen Ärzten der Region die Möglichkeiten dieser Neuanschaffung vorgestellt werden.
Derzeit werden täglich fünf oder sechs Patienten mit diesem Gerät bestrahlt. Horst Keller schätzt, dass der Linearbeschleuniger auf Dauer in der Therapie von 10 bis 20 Prozent der Patienten eingesetzt wird. Keller hat die Möglichkeiten des Gerätes in der kurzen Zeit seit der Inbetriebnahme bereits mächtig schätzengelernt.
"Um die Nebenwirkungen der Strahlung möglichst gering zu halten, müssen die empfindlichen Organe in der Nähe eines Tumors möglichst geschont werden", erläutert er die Vorteile der neuen Technik. Dies werde durch eine "intensitätsmodulierte Bestrahlung" erreicht. Bei diesem sehr aufwendigen Verfahren werde die Form und Dosis der Strahlung den besonders kritischen Bereichen des menschlichen Körpers – Kopf- und Halsbereich oder Becken – individuell angepasst. Das erfordere einen fünf- bis zehnmal höheren Planungsaufwand als bei bisherigen Therapien. Es ist Arbeit, die von einem Strahlenphysiker geleistet wird.
Mit dem neuen Linearbeschleuniger hielt auch die sogenannte bildgeführte Strahlentherapie Einzug ins Brüderkrankenhaus. Sie ortet vor jeder Bestrahlung per Röntgendiagnostik die genaue Lage der Organe und eines Tumors im Körper, die sich von Tag zu Tag geringfügig verändern kann, und ermöglicht für die Behandlung eine millimetergenaue Positionierung des Patienten.
Die auf diese Weise wesentlich verfeinerte Strahlentherapie führe zu einer deutlichen Verringerung der Nebenwirkungen und "zu einer eindeutigen Verbesserung" der Heilungsraten verschiedener Tumoren, verspricht Horst Keller. Dazu zählt der Chefarzt insbesondere den Prostata-, Enddarm- und Gebärmutterhalskrebs, aber auch Krebs im Mund- und Rachenbereich.