Kreis Paderborn. Vor den Toren Paderborns, so hieß es, gingen angeblich die Lichter aus, der Immobilienmarkt im Kreis stehe vor einem Kollaps. Die Negativ-Prognosen, die unlängst aus Makler-Kreisen verbreitet wurden, waren aus Sicht von Johannes Leßmann und Axel Gurok nichts anderes als "Horrorszenarien".
Die beiden Vorsitzenden der Gutachterausschüsse für Grundstückswerte in Stadt und Kreis zogen gestern - erstmals gemeinsam - Bilanz des heimischen Grundstücksmarktes im Jahre 2009. Und dieser Markt war alles andere als tot. In den Marktspiegel sind alle Preise aus notariell beglaubigten Immobilienverträgen eingeflossen.
Sowohl in der Stadt (167) als auch im Kreis (180) wurden 2009 mehr Baugrundstücke für Ein- und Zweifamilienhäuser veräußert als 2008. In Paderborn stammte jedes dritte Grundstück aus kommunaler Hand, im Kreisgebiet waren dies zwei von drei Grundstücken.
Im Stadtgebiet lag der Preisrückgang bei 3,5, im übrigen Kreisgebiet bei rund 5 Prozent. Das bedeutet laut Leßmann und Gurok "keinerlei Gefahr für den Grundstücksmarkt". Bei den Rückgängen oder der Stagnation handelt es sich nach ihrer Bewertung um die Abkühlung einer überhitzten Preisentwicklung früherer Jahre.
Im Stadtgebiet bewegte sich das Preisniveau in Elsen, Wewer und Benhausen am stärksten nach unten. Allein Sennelager erwies sich als Hort der Stabilität. Im Kreisgebiet verzeichnet Bad Lippspringe mit konstantem Preisniveau eine Ausnahme. In den Ortskernen von Hövelhof, Delbrück, Salzkotten, Borchen, Altenbeken, Büren, Bad Wünnenberg und Lichtenau sanken die Bodenrichtwerte um 5 bis 15 Euro pro Quadratmeter. Die Ortsteile schnitten mit einem Minus bis 5 Euro günstiger ab.
Gewerbebauland war 2009 kaum gefragt. Nur noch vier Verkäufe im Stadtgebiet - bei sinkenden Preisen - bedeuten einen Tiefpunkt der letzten zehn Jahre. Bei landwirtschaftlichen Flächen gab es kreisweit einen leichten Preisanstieg. Den führt Axel Gurok nicht zuletzt auf den Vormarsch von Biogasanlagen zurück.
In der Paderborner City flossen in die Grundstückswerte erstmals auch die im Erdgeschoss erzielbaren Mieten ein. Spitzenwert in der besten Lage der Westernstraße ist ein Quadratmeterpreis von 1.550 Euro. Nicht weit entfernt, an der Franziskaner-, Jesuiten- oder Busdorfmauer sind es nur noch 330 Euro.
Bei den bebauten Ein- und Zweifamilienhaus-Grundstücken gab es bei steigenden Umsatzzahlen (Paderborn 345, übriges Kreisgebiet 463 Kauffälle) eine uneinheitliche Preisentwicklung. Bei Reihenhäusern und Doppelhaushälften bewegten sich die Preise nach unten. Die Energieeffizienz von Gebäuden spielt nach Beobachtung der Gutachterausschüsse eine immer größere Rolle. Mit der Folge, dass ältere Gebäude stärker an Wert verlieren, während Häuser ab Baujahr 1980 an Wert gewinnen. Bei diesen Objekten wurde daher der Preisrückgang zum Teil gestoppt.
Das in der Stadt Paderborn bereits 2008 beobachtete Umsatzplus bei Eigentumswohnungen setzte sich fort. 639 Kauffälle bedeuten den höchsten Umsatz seit einem Jahrzehnt und seit 2007 beinahe eine Umsatzverdopplung. In 84 Prozent der Fälle wechselten gebrauchte Wohnungen den Eigentümer.
Neue Eigentumswohnungen verteuerten sich nach Angaben von Johannes Leßmann um 10 Prozent. Der Umkreis des Brüderkrankenhauses schnitt bei den Preissteigerungen am besten ab. Hier, in sehr guten Wohnlagen, hat Leßmann in punkto Preisniveau Paderborns "goldene Triangel" ausgemacht.