Paderborn. Und Arbeit lohnt sich doch. Jedenfalls wenn man Willi Ernst ist, schon Mitte der achtziger Jahre an die Kraft der Sonne geglaubt hat - und dann 10.000 Mark Startkapital von einem Onkel erbte. 25 Jahre später und nicht nur um viele Erfahrungen reicher, gründen der "Biohaus"-Unternehmer und seine Ehefrau Dagmar Schmidt-Gold eine gemeinnützige Stiftung.
Klingt nach Steuersparmodell, ist es aber nicht - jedenfalls nicht aus dem Motiv, das Millionäre Geld in die Schweiz schaffen lässt. "Natürlich wollen wir auch in zehn Jahren nicht auf Hartz IV angewiesen sein," sagt der 55-jährige Paderborner, der kein nagelneues Auto fährt und auch sonst keinen Grund sieht, sich oder seinen Lebensstil zu ändern. "Aber schon bei der Übergabe der Biohaus GmbH im Jahr 2006 an die Centrosolar AG war uns klar, dass die dabei erzielten Gewinne auch in die Gesellschaft zurückfließen sollen," sagt der erfolgreiche Unternehmer.
"Ein hoher einstelliger Millionenbetrag"
Rein rechnerisch wurde Willi Ernst, gleichzeitig als Ur-Gestein der Paderborner alternativen Szene bekannt, vor vier Jahren tatsächlich zum mehrfachen Millionär. Die Biohaus GmbH hatte er zu einem Unternehmen mit 40 Mitarbeitern gemacht, das der Centrosolar AG - für die Centrosolar Holding ist Ernst heute noch als Beirat aktiv - einen Batzen Bargeld und ein dickes Aktienpaket Wert war. Aber was damit tun?
Die Frage beantworten Willi Ernst und seine Frau jetzt mit der Gründung der "Biohaus Stiftung für Umwelt und Gerechtigkeit", in die große Teile des Erlöses aus dem Verkauf der Biohaus GmbH nach und nach einfließen sollen. Da es sich zu einem großen Teil dabei aber um im Wert schwankende Aktien handelt, fällt es den beiden schwer zu sagen, über wie viel die Stiftung in Zukunft tatsächlich verfügen wird. Willi Ernst: "Aber ein hoher einstelliger Millionen-Betrag wird es schon sein."
Die Stiftung will regenerative Energien in nachhaltigen Projekten fördern und gleichzeitig damit für mehr Gerechtigkeit sorgen. Dabei liegt Dagmar Schmidt-Gold vor allem die Förderung von Frauen und Kindern am Herzen - egal ob in Paderborn oder in Afrika. Die Paderbornerin: "In der Frauen- und Kinderarbeit bin ich schon seit langen Jahren aktiv, insofern ist der Stiftungszweck jetzt tatsächlich eine Herzenssache für uns beide."
Willi Ernst nennt ein Beispiel für eines der ersten Projekte, die die Stiftung demnächst unterstützen könnte: "Mit der Errichtung von Solar-Brunnen in Afrika erspart man gerade den Frauen dort viel Arbeit, die diese Zeit besser für sich nutzen können."
Vorbildlich findet Ernst deshalb Projekte in Bangla-Desh, wo Frauen dafür ausgebildet werden, Solaranlagen auf den Häusern zu installieren.
Bis die neue Stiftung ihr erstes eigenes Projekt unterstützt, wird jedoch noch Zeit ins Land gehen. Willi Ernst: "Vom Stiftungsrecht her brauchen wir erst nach zwei Jahren aktiv sein. Das ist auch realistisch, denn die Projekte müssen auf sicheren Füßen stehen." Entsprechend rechnet Willi Ernst mit einem ersten Kooperationsprojekt vielleicht noch in diesem Jahr und frühestens im nächsten mit dem ersten eigenen.
Unterdessen sollen nicht Willi Ernst und seine Frau, die den Stiftungsvorstand bilden, sondern ein Beirat darüber entscheiden, welche Projekte die Stiftung fördert. Dafür wünschen sich die beiden kompetente Mitstreiter. Denn, so Willi Ernst: "Das soll keine Stiftung im kleinen Kreis bleiben."
Beginnt so das Alterswerk eines nimmer müden Welt-Verbesserers? "So hab’ ich das noch gar nicht gesehen," runzelt der Solarenergie-Pionier lange die Stirn. Bis ihm seine Frau beisteht: "Nein, das klingt denn doch zu groß."