Paderborn. Stellen Sie sich vor, Paderborn spielt in der ersten Bundesliga und gehört zu den drei besten Vereinen. Stellen Sie sich weiter vor, dass die Öffentlichkeit von dem Erfolg in der Sportstadt Paderborn nichts mitbekommen hat. Kaum vorstellbar?
Für das Rollhockey-Damenteam des TV 1875 Paderborn ist dieses Szenario bittere Realität. Drei Mädels wollen das jetzt ändern. Inga Ortmann (22), Carolin Klan (25) und Nadine Fasser (21) möchten die Bekanntheit des erfolgreichen Bundesligateams erhöhen und dadurch auch gleich die Nachwuchssorgen der Truppe lösen.
Im Rahmen eines Seminars an der Universität sind die drei Studentinnen der Sportwissenschaft auf die Idee gekommen, dem Rollhockeyteam unter die Arme zu greifen. Derzeit gleiten 16 Spieler auf ihren Rollschuhen durch die Neuhäuser Merschweghalle. "Im Moment sind das genug", erklärt Carolin Klan (25). Doch in den nächsten Jahren zeichnen sich viele Abgänge ab. "Es ist jetzt schon abzusehen, dass der Kader zu klein für die Bundesliga wird." Nachwuchs muss her.
Deshalb haben die jungen Frauen gleich ein ganzes Bündel von Maßnahmen geplant. Unter anderem möchten sie künftig an Schulen für den Rollhockeysport werben. Außerdem sollen Eintrittskarten für ausgewählte Heimspiele kostenlos verteilt werden. Zudem ist ein neuer Internetauftritt der Erstliga-Mannschaft geplant.
"Uns ist natürlich klar. dass wir nicht sofort ausgebildete Rollhockeyspieler für die erste Liga auftreiben werden", meint Nadine Fasser (25). Aber wer wirklich Interesse an der Sportart zeige, dem biete der Verein ein kostenloses Grundlagentraining an: Rollschuhlaufen wird ebenso trainiert wie der Umgang mit dem Hockeyschläger. Beides sind Voraussetzungen dafür, dass die erfolgreiche Equipe sich auch in Zukunft mit den Besten des Landes messen kann. "Es wäre schade, wenn es uns nicht gelingen würde, die Zukunft der Mannschaft zu sichern", sagt Inga Ortmann. "Denn das Team spielt einfach zu gut."
Am Ende muss das Team auch bei der Rettungsaktion mitspielen. "Wir können den Stein für eine erfolgreiche Mitgliederwerbung eigentlich nur ins Rollen bringen - der Rest muss von der Mannschaft kommen." Diese Aufgabe muss aber - trotz des Steins - keine Sisyphosarbeit werden. Wenn sich Neumitglieder melden, ist die Zukunft der Mannschaft gesichert.
"Wenn nur drei neue Spieler mitmachen, könnte man unsere Arbeit als Erfolg werten."