Paderborn. Sie sind klein und sollen das Studium erleichtern – die Netbooks der Universität Paderborn für alle Studierenden im ersten Semester. Jetzt wird die Aktion wiederholt, mit der die Uni im vergangenen Oktober bundesweit für Furore gesorgt hatte – und auch eine Menge Kritik einstecken musste.
Offensiv hatte die Hochschule das Begrüßungsgeschenk als Hilfe fürs Studium an der "Universität der Informationsgesellschaft" beworben. Darauf hatten sich 3.000 angehende Akademiker neu eingeschrieben – was in den ersten Wochen zu überfüllten Hörsälen und chaotischen Zuständen führte (die NW berichtete).
Dicht gedrängt standen die Uni-Neulinge auch gestern im fünften Geschoss des N-Gebäudes. Ins Schwitzen kam vor allem Martin Effertz vom Zentrum für Informations- und Medientechnologien (IMT), der die Kartons mit den Netbooks ausgab. Mit denen die Studierenden flugs wieder verschwanden.
Ärger der älteren Semester
Von der damaligen Unruhe habe sie nichts gehört, sagt Rebecca Mars (22) aus Recklinghausen, als sie an diesem Morgen erfährt, dass vor einem Jahr öffentlich debattiert wurde. Damals ging es darum, wie die Uni die Netbooks finanziere und, möglicherweise, so wurde spekuliert, locke die Uni junge Leute mit Technik, die mit deren eigenen Studiengebühren finanziert würden. Zusätzlich hieß es, dass sich manche Studierende in höheren Semestern über das Gratis-Netbook für die Erstsemester aufregten.
"Ich wusste schon, dass es große Diskussionen gab", sagt Carla Löhr (20). Zugleich sei es sicher auch für die ärgerlich, die bereits studierten und leer ausgingen. Es sei halt immer gut für diejenigen, mit denen eine Aktion starte. Löhr hat zwar schon einen Laptop, "aber das kleine Netbook ist doch praktischer".
Kathrin Westen kann die Aufregung einerseits verstehen – und dass Studierende mangelnde Transparenz bei den Sponsoren ebenso bemängelt haben wie den Umstand, dass nur Erstsemester ein kostenloses Netbook in die Hand gedrückt bekommen. Dennoch nimmt es die 19-Jährige – sie ist aus Schwalmtal nach Paderborn gezogen, um hier Grundschullehrerin zu werden – gerne mit.
Zurückhaltende PR
Anders als im Wintersemester, als die Hochschule die Netbooks offensiv fürs Marketing nutzte, entschied sich die Uni-Leitung diesmal für die defensivere Variante. Man habe sich bewusst zurückgehalten, so Sprecher Tibor Szolnoki. Die genaue Zahl derer, die diesmal ein Netbook bekommen – alle die erstmals ein grundständiges Studium" aufnehmen, wie es offiziell heißt – ist noch unklar. "Wir gehen von 400 aus", so Szolnoki.
Erst vor 14 Tagen informierte die Uni darüber, dass der Versuch ein Jahr laufe und auch die aktuellen Einsteiger die technische Studienhilfe erhalten.
Was Alina Sliwa zugleich erfreut und etwas ärgert. Ich habe mir gerade vor drei Wochen ein Notebook gekauft", sagt die 20-Jährige. "Da stand es noch nicht auf der Homepage." In der WG der fürs Grundschullehramtsstudium aus Duisburg nach Paderborn gezogenen Sliwa gibt es nun bereits drei Netbooks. "Zwei Mitbewohner haben es schon Wintersemester bekommen", sagt sie.
Zur Lockkraft des Netbooks wird es demnächst eine Studie geben. Doch wohl niemand hat sich nur von dem mehr als 300 Euro teuren Rechner für die Tasche ködern lassen. "Ich wäre nicht traurig gewesen, wenn es das nicht gegeben hätte", sagt Marten Denicken (23). "Ich wäre auch sonst hierher gekommen." Allerdings wohnt er auch im Ortsteil Elsen – da war Paderborn ein naheliegender Studienort fürs Grundschullehramt.