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13.04.2010
PADERBORN
Ausgabe der Erstsemester-Computer hat begonnen
Was neue Paderborner Studierende über die Kritik an den Gratis-Netbooks wissen
VON HOLGER KOSBAB

Eins für jeden | FOTO: HOLGER KOSBAB

Paderborn. Sie sind klein und sollen das Studium erleichtern – die Netbooks der Universität Paderborn für alle Studierenden im ersten Semester. Jetzt wird die Aktion wiederholt, mit der die Uni im vergangenen Oktober bundesweit für Furore gesorgt hatte – und auch eine Menge Kritik einstecken musste.

Offensiv hatte die Hochschule das Begrüßungsgeschenk als Hilfe fürs Studium an der "Universität der Informationsgesellschaft" beworben. Darauf hatten sich 3.000 angehende Akademiker neu eingeschrieben – was in den ersten Wochen zu überfüllten Hörsälen und chaotischen Zuständen führte (die NW berichtete).

Dicht gedrängt standen die Uni-Neulinge auch gestern im fünften Geschoss des N-Gebäudes. Ins Schwitzen kam vor allem Martin Effertz vom Zentrum für Informations- und Medientechnologien (IMT), der die Kartons mit den Netbooks ausgab. Mit denen die Studierenden flugs wieder verschwanden.

Ärger der älteren Semester

Von der damaligen Unruhe habe sie nichts gehört, sagt Rebecca Mars (22) aus Recklinghausen, als sie an diesem Morgen erfährt, dass vor einem Jahr öffentlich debattiert wurde. Damals ging es darum, wie die Uni die Netbooks finanziere und, möglicherweise, so wurde spekuliert, locke die Uni junge Leute mit Technik, die mit deren eigenen Studiengebühren finanziert würden. Zusätzlich hieß es, dass sich manche Studierende in höheren Semestern über das Gratis-Netbook für die Erstsemester aufregten.

"Ich wusste schon, dass es große Diskussionen gab", sagt Carla Löhr (20). Zugleich sei es sicher auch für die ärgerlich, die bereits studierten und leer ausgingen. Es sei halt immer gut für diejenigen, mit denen eine Aktion starte. Löhr hat zwar schon einen Laptop, "aber das kleine Netbook ist doch praktischer".

Kathrin Westen kann die Aufregung einerseits verstehen – und dass Studierende mangelnde Transparenz bei den Sponsoren ebenso bemängelt haben wie den Umstand, dass nur Erstsemester ein kostenloses Netbook in die Hand gedrückt bekommen. Dennoch nimmt es die 19-Jährige – sie ist aus Schwalmtal nach Paderborn gezogen, um hier Grundschullehrerin zu werden – gerne mit.

Zurückhaltende PR

Anders als im Wintersemester, als die Hochschule die Netbooks offensiv fürs Marketing nutzte, entschied sich die Uni-Leitung diesmal für die defensivere Variante. Man habe sich bewusst zurückgehalten, so Sprecher Tibor Szolnoki. Die genaue Zahl derer, die diesmal ein Netbook bekommen – alle die erstmals ein grundständiges Studium" aufnehmen, wie es offiziell heißt – ist noch unklar. "Wir gehen von 400 aus", so Szolnoki.

Erst vor 14 Tagen informierte die Uni darüber, dass der Versuch ein Jahr laufe und auch die aktuellen Einsteiger die technische Studienhilfe erhalten.

Was Alina Sliwa zugleich erfreut und etwas ärgert. Ich habe mir gerade vor drei Wochen ein Notebook gekauft", sagt die 20-Jährige. "Da stand es noch nicht auf der Homepage." In der WG der fürs Grundschullehramtsstudium aus Duisburg nach Paderborn gezogenen Sliwa gibt es nun bereits drei Netbooks. "Zwei Mitbewohner haben es schon Wintersemester bekommen", sagt sie.

Zur Lockkraft des Netbooks wird es demnächst eine Studie geben. Doch wohl niemand hat sich nur von dem mehr als 300 Euro teuren Rechner für die Tasche ködern lassen. "Ich wäre nicht traurig gewesen, wenn es das nicht gegeben hätte", sagt Marten Denicken (23). "Ich wäre auch sonst hierher gekommen." Allerdings wohnt er auch im Ortsteil Elsen – da war Paderborn ein naheliegender Studienort fürs Grundschullehramt.


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Kommentare
Ich habs mir auf nem alten DOS-Rechner beigebracht.

Nachtrag zur Datenlotsen-Spende: Die von Plato - erst auf Nachfrage - öffentlich genannte Summe von 9999 Euro ist völlig unglaubwürdig. Diese unrunden Preise (1,99 etc.) kommen aus der Supermarktwelt, wo eine Ware für 9,99 Euro billiger wirken soll als 10 Euro. Funktioniert aber alles nur, weil der Preis öffentlich und groß angepriesen wird. Eine nichtöffentliche Spende mit so einem derartigen ungeraden Preis macht also überhaupt keinen Sinn und ist sehr ungewöhnlich.

@Theo: Sie können, um ein altes Sprichwort zu nutzen, nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Die von Ihnen vorgeschlagenen Computer für Kinder aus sozial(?) schwachen Familien werden wohl kaum über Studiengebühren finanziert wie diese NetBooks für Erstsemester. @Martin: Word!

Ich kann Martin nur zustimmen, das ganze riecht in vielerlei Hinsicht anrüchig. Zum ersten wären da die Geldquellen, die sogenannten Sponsoren. Wenn ein Vertragspartner wie Datenlotsen "uneigennützig" spendet, und auf der anderen Seite ein Produkt abliefert, welches erhebliche Probleme verursacht und möglicherweise nicht vertragsgemäß ist, was dann finanzielle Rückforderungen ermöglichen würde, dann riecht das nach einem sogenannten Kick-back Geschäft. Aber grundsätzlich gesagt, ist es von der Hochschulleitung und diversen Professoren ziemlich anrüchig, mit angeblichen finanziellen Problemen der Uni hausieren zu gehen, um dadurch Studiengebühren und öffentliche Mittel abzugreifen, während viele der Probleme nicht durch Geld lösen lassen. Bestes Beispiel: Bachelor-Master-Murks.

Wer nimmt in der heutige Mitnahemgesellschaft kein kostenloses Notebook wenn er eines bekommt? Aber mal ganz ehrlich - welcher Student fängt ohne vorhandenen Compueter schon ein Studium an bzw. kommt durchs Abitur? Ich finde man sollte Studenten nicht alles hinterher tragen! Computer für Jugendliche aus benachteiligten Erlternhäusern wären sicher sinnvoller.



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