Salzkotten (JS). Wenn in der Salzkottener Liboriusschule das Präventions-Theaterstück "Mein Körper gehört mir" ansteht, bleibt in den Klassenzimmern so mancher Stuhl leer. Denn die Mitglieder der baptistischen Gemeinde sind besorgt um das Seelenheil ihrer Kinder. So sehr, dass jetzt zwei Mütter dafür ins Gefängnis gingen.
Acht Tage hinter Gittern nehmen die Frauen auf sich, statt ein Bußgeld in Höhe von 120 Euro zu zahlen, wie es vom Amtsgericht Paderborn im Mai 2008 verhängt worden war – ausdrücklich mit Blick auf die in Deutschland geltende Schulpflicht. In einer offenen und liberalen Gesellschaft habe man sich an die Gesetze zu halten, schrieb damals der Amtsrichter den Eltern ins Stammbuch, die sich bei ihrem Unterrichtsboykott auf ihre Glaubensrechte bezogen und das Theaterstück als "schädlich und unnötig" eingeschätzt hatten.
Bei dem Beschluss der Erzwingungshaft sei Rücksicht auf die Bedingungen in den betreffenden Familien genommen worden, in denen acht beziehungsweise sechs Kinder leben, sagte gestern Oberstaatsanwalt Burkhard Dannewald. "Die Sachbearbeiter haben sich zuvor erkundigt, ob die Versorgung der Kinder gewährleistet ist."
"Normales Verfahren in einer Bußgeldsache"
In der Ermittlungsbehörde wie auch im Kreishaus Paderborn weist man jeden ideologischen Impetus zurück. Auch bei diesem Fall handele es sich letztlich um ein "normales Verfahren". Wie in jeder anderen Bußgeldsache auch werde bei Nicht-Zahlung die Ersatzhaft verhängt.Dass das harte Durchgreifen die Mitglieder der baptistischen Gemeinde zum Einlenken bewegen wird, ist unwahrscheinlich. Im Kreis Paderborn stehen 60 weitere Verfahren zur Bearbeitung an. Auch in diesen Fällen hielten die Eltern ihre Kinder von der Schule fern, als Theaterstücke wie Hans Christian Andersens Schneekönigin oder Sexualkundeunterricht auf dem Stundenplan standen. Doch die Aktenberge vermögen die Obrigkeit nicht zu erschüttern. "Wir wollen die Schulpflicht gewährt wissen", sagt Kreis-Presseprecherin Michaela Pitz. "Und die werden wir im Rahmen unsere Möglichkeiten durchsetzen."




















