Paderborner Kastrationspflicht für Katzen dient vielen anderen Kommunen als Vorbild
Paderborn. Kleine Orte machen es Paderborn nach, größere ebenso. Sogar die Landeshauptstadt Düsseldorf hat sich das Paderborner Modell zum Vorbild genommen und eine Kastrationspflicht für frei laufende Katzen eingeführt. "Wir haben damit bundesweit für Aufsehen gesorgt", sagt Ordnungsamtsleiter Udo Olschewski. Er ist mittlerweile ein gefragter Experte, wenn es um diesen Weg zur Eindämmung einer weiter ausufernden Katzenpopulation geht.
Eigentlich, so sagt er, könne gar nicht von einem Paderborner Modell gesprochen werden. "Wir nutzen nur die Möglichkeiten des Ordnungsrechtes aus." Eine ungehinderte Vermehrung frei laufender Katzen sorge für eine zunehmende Verbreitung von Krankheiten unter diesen Tieren, für immer mehr herrenlose Katzen, für überquellende Tierheime und für immer mehr Katzenelend. Diese Entwicklung werde von der Stadt "als Gefahr" festgestellt. Olschewski: ,,Und wir reagieren auf diese Gefahr mit unserer ordnungsbehördlichen Verordnung."
Katzenhalter, die ihren Vierbeinern Auslauf ins Freie gewähren, müssen nach dieser Verordnung Tiere, die älter als fünf Monate sind, von einem Tierarzt kastrieren und durch eine Tätowierung oder einen Mikrochip kennzeichnen lassen. Als Katzenhalter gilt auch, wer regelmäßig freilaufende Katzen füttert.
Das frühere SPD-Ratsmitglied Kornelia Welz hatte die Pflicht zur Katzen-Kastration 2008 im Rathaus politisch auf den Weg gebracht. "Noch haben wir kein Bußgeld verhängt", sagte Olschewski gestern bei der Vorstellung des neuen Faltblattes "Kastration ist Pflicht". Das Jahr eins nach der Neufassung der Verordnung sei ein "Info-Jahr" gewesen, um die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren. Bald aber will sein Amt, sollten Problempunkte einer übermäßigen Katzen-Vermehrung im Stadtgebiet bekannt werden, "mit den Möglichkeiten des Ordnungsrechtes" tätig werden. Ein Bußgeld werde ganz sicher über den Kosten einer Kastration liegen, kündigte Olschweski an. Für die verlangt ein Tierarzt etwa 50 Euro bei einem Kater und rund 100 Euro bei einer Katzendame.
Das Paderborner Vorgehen mit der Kastrationspflicht sei "ein guter und der derzeit einzig gangbare Weg" zum Umgang mit einem Problem, von dem alle Städte und Gemeinden betroffen seien, sagte Dr. Ralf Lang, Amtstierarzt des Kreises. Die Regelung sei im Sinne des inzwischen als Staatssziel im Grundgesetz verankerten Tierschutzes und werde nachdrücklich von Tierschutzvereinen unterstützt. Sie zeigt Wirkung. Heimischen Tierärzte melden nach Langs Angaben steigende Zahlen von Katzen-Kastrationen.
John F. Pyka von der "Aktion Tier" für NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz berichtete auf der gestrigen Pressekonferenz der Stadt, dass mittlerweile auf vielen Internetseiten deutscher Tierschutzvereine der Button "Paderborn überzeugt" aufblinkt. Wer ihn anklicke, lande bei der Paderborner Kastrationsverordnung. Jens Reinhardt, Pressesprecher der Stadt, nahm diesen Hinweis auch mit einer Prise Humor zur Kenntnis: "Wir überzeugen eben auf vielfältige Art und Weise. . ."