Paderborn. Die Party war so riesig wie nie zuvor. 8.000 Menschen feierten am Westerntor Viertelfinaleinzug der Deutschen Fußballnationalmannschaft. Überschattet wurde der Jubel allerdings von Gewaltausbrüchen deutscher und englischer Anhänger.
Der erste deutsche Fan stand um 17.50 Uhr auf dem Westerntor. Binnen fünf Minuten war die Kreuzung so dicht, dass der Verkehr zum Stillstand kam. Nichts ging mehr. Nach und nach trudelten immer mehr Fangruppen ein, vorwiegend im schwarz-rot-goldenen Dress. Hinsetzten, aufstehen, jubeln – und das alles im Kollektiv.
Doch auch die Anhängerschaft der Unterlegenen marschierte zur Paderborner Fanmeile. Auf einer Ampel sitzend hielt ein Engländer seine Fahne, das St.-Georgs-Kreuz, in die Höhe und erntete den Spott der Sieger.
18.15 Uhr machte sich ein Teil der Masse auf den Weg zum Bahnhof und kletterte sogar auf das Bahnhofsdach. Sie bekamen nicht mit, dass die Stimmung am Westerntorbrunnen kippte. Dort hatte sich eine Traube Engländer eingefunden und zunächst stimmgewaltig den Platz im und am Brunnen eingenommen.
Dann flogen die ersten Getränkedosen, die ein Hersteller vermutlich mit Werbegedanken großzügig und kostenlos nach dem Spiel in der Fußgängerzone verteilt hatte. 18.35 Uhr wurden Flaschen zu Wurfgeschossen.
Die Polizei rückte mit Helmen an, um sich selbst zu schützen. Verstärkt wurden die Einsatzkräfte durch Kollegen der Bundespolizei und mit einer Diensthundestaffel. 18.52 Uhr gelang schließlich mit Hilfe der englischen Militärpolizei und einigen Dolmetschern, die englischen Randalierer von den deutschen zu trennen.
Knapp zwanzig Minuten später drängte die Polizei ungefähr 50 englische Anhänger mit körperlicher Gewalt und dem Einsatz von Pfefferspray durch die Fußgängerzone in die Innenstadt. Vor dem Cineplex-Kino standen sich beide Parteien wieder gegenüber – getrennt durch die Polizei. Einzelne Schläger-Gruppen machten sich auf zum Königsplatz, wo es ständig zu Zwischenfällen mit den Beamten kam. Wie viele Randalierer festgenommen wurden, stand bis zum Redaktionsschluss nicht fest.
Die Verletzungen durch die kaputten Glasflaschen hielten sich zum Glück in Grenzen. Die Rettungskräfte beschrieben die Prellungen und Schnittwunden als eher harmlos. Eine Person musste mit einem stark blutenden Fuß per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden.
Viele Fans bekamen von den unrühmlichen Geschehnissen nur am Rande etwas mit. Sie lagen sich auch nach den Übergriffen noch in den Armen und bejubelten den Sieg der deutschen Fußballer. Bis 20 Uhr war der Verkehr auf dem Westerntor lahmgelegt.