Paderborn. Auf dem Fußballfeld war die Schlacht geschlagen, in der Paderborner Innenstadt konnte sie am Sonntag gerade noch verhindert werden. Nur durch massiven Einsatz von Polizei, Militärpolizei und Sicherheitskräften wurden englische und deutsche Randalier voneinander getrennt. Das hatte gestern ein Nachspiel.
Angesichts von über 8.000 Menschen am Paderborner Westerntor stellt sich allerdings die Frage, ob die Polizei mit einer ausreichenden Zahl an Einsatzkräften vor Ort war. Dem Vernehmen nach sollen lediglich rund 20 Polizisten, 10 britische Militärpolizisten und einige Bundespolizisten im Einsatz gewesen sein. Der NW liegt gar die Aussage eines Feuerwehrmannes vor, dass "die Polizisten ihr Leben riskiert haben".
Dem widerspricht Polizeipressesprecher Ulrich Krawinkel. "Es waren deutlich mehr Polizisten", sagt er, ohne allerdings genaue Zahlen zu nennen. Krawinkel verweist aber auch auf einige Beamte in Zivil, die ihre uniformierten Kollegen unterstützt hätten. Sein Resümee lautet: "Der Polizeikräfteeinsatz war passend." Man sei mit den anwesenden Polizisten gut ausgekommen. "Allerdings gebe ich auch einigen Stimmen Recht, die jetzt sagen: das war knapp", gibt der Pressesprecher zu. Im Nachhinein betrachtet hätte man auch "mehr einplanen können", so Krawinkel. Dennoch sei auch gestern in der Nachbereitung ein positives Fazit gezogen worden; besonders lobte er nochmals die Zusammenarbeit mit der Militärpolizei.
Bei der 20. Britischen Panzerbrigade ist man weit weniger zufrieden mit den Ereignissen. Der neue Kommandant, Brigade-General Patrick Sanders, war dem Vernehmen nach gestern zu Gesprächen bei Bürgermeister, Landrat und Polizeiführung. Weiter war zu hören, dass die Soldaten ihre Kasernen bis Montag nicht oder nur eingeschränkt verlassen dürften.
"Wir finden diese Vorfälle sehr bedauerlich", erklärt der Pressesprecher der 1. Britischen Division, Mike Whitehurst. Er kündigte Konsequenzen an. Derzeit liefen die polizeilichen Ermittlungen. Seien die Übeltäter dann identifiziert, entscheide der Staatsanwalt über mögliche Strafen. Zudem liege es im Ermessen der jeweiligen Kommandanten vor Ort, Konsequenzen für ihre Soldaten zu ziehen.
"Zwei Dinge tolerieren wir überhaupt nicht", wird Whitehurst deutlich: Übergriffe auf Polizisten und die Armee in Verruf zu bringen. Deshalb werde das Bestmögliche getan, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.
Whitehurst betonte allerdings auch, dass zum einen nur ein kleiner Teil der Briten randaliert habe. Zudem hätte es Provokationen auch von deutscher Seite gegeben. Diese Sicht teilt Polizeipressesprecher Krawinkel, der ebenfalls daran erinnerte, dass auch etliche Deutsche beteiligt gewesen seien.