Paderborn (mira). Durch die Satellitentechnik eines Navigationssystems ist jetzt ein Geschäftsbetrug in großem Stil aufgeflogen. Im Zuge einer Firmenübernahme haben die angeblichen neuen Inhaber einer Paderborner Speditonsfirma nach Polizeiangaben den laufenden Betrieb ausschließlich zu kriminellen Zwecken übernommen. Die neuen "Gesellschafter" nutzten die vorhandene Logistik, um europaweit ungedeckte Warenkreditgeschäfte mit Fleischwaren im Wert von mehreren 100.000 Euro durchzuführen. Der Betrug flog auf, als die Überwachung eines Navigationssystems andeutete, dass eine Lieferung nicht an ihrem Ziel angekommen war.
In erster Linie handelten die Betrüger mit Fleischwaren. Sie bestellten ganze Lastzugladungen bei Fleischlieferanten in Europa, ohne die Rechnungen zu begleichen. Meistens wurden die Lastwagen in Paderborn entladen. Dazu hatten die Täter Kühlcontainer, Gabelstapler sowie weitere Gerätschaften auf Kredit bestellt und zum Speditionshof in einem Paderborner Gewerbegebiet liefern lassen. Die Fleischwaren wurden von hier an kleinere Unternehmen gegen Bargeld verkauft.
Mitte April hatte ein Transportdienstleister die Spedition als
Subunternehmen beauftragt, einen Lastzug mit Fleisch nach Frankreich zu fahren. Dass diese Lieferung allerdings nicht am Ziel ankam, sondern in Paderborn landete, fiel durch die GPS-Überwachung des Kühlanhängers auf. Mit der Satellitentechnik konnte festgestellt werden, dass der Anhänger in Paderborn entladen worden war. Der Auftraggeber entsandte sofort einen Mitarbeiter zu der festgestellten Position. Hier stieß der Beauftragte auf die verlassene Spedition. Das für Frankreich bestimmte Fleisch war ebenso verschwunden wie die Speditionsbetreiber.
Der betrogene Spediteur wandte sich sofort an die Paderborner Polizei. Nachdem festgestellt worden war, dass die Fleischvorräte nicht gekühlt waren, legten die Ordnungsbehörden den kriminellen Betrieb still und versiegelten die Geschäftsräume. Die Betrügerbande war zunächst untergetaucht.
Inzwischen hat die Paderborner Kripo bislang 40 weitere Geschädigte ermittelt. Es fiel auf, dass die Bande nicht nur mit Fleisch gehandelt hat, sondern auch Ölprodukte, Schokolade und Käse betrügerisch erlangt und weiterverkauft hat. Auf Bestellung waren den Tätern auch Autos, Elektronikartikel sowie weitere Konsumgüter geliefert worden. Eine Begleichung der Rechnungen blieb allerdings in allen Fällen aus. Der wirtschaftliche Schaden liegt bei etwa 500.000 Euro. Bei den Vertragsverhandlungen waren die Tatverdächtigen selbst gegenüber dem Notar unter falschen Namen aufgetreten und hatten gefälschte Identitätspapiere vorgelegt.
Außerdem blieben nach der Firmenübernahme die Lohnzahlungen der Speditionsfahrer aus.
Die ursprüngliche Betreiberin der Paderborner Spedition mit 14 Beschäftigen hatte Anfang des Jahres einen Käufer für das Unternehmen samt bestehender Logistik und Fahrzeugpark gesucht.
Zwei Tatverdächtige, ein Mann (37) aus Wuppertal und eine Frau (31) aus Köln, sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft. In Thüringen hatten die Betrüger bereits eine erneute Geschäftsübernahme vorbereitet. Die Ermittlungen in dieser Wirtschaftsstrafsache dauern derzeit an.

















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