Gelungene Premiere der Liegerad-Europameisterschaften in Paderborn trotz weniger Zuschauer
Paderborn. So ein Liegerad macht eigentlich einen gemütlichen Eindruck. Der Fahrer liegt entspannt, trampelt vor sich hin und schaut sich dabei die Landschaft an. Doch der Schein trügt. Bei der Liegerad-Europameisterschaft am Wochenende wurde ordentlich Tempo gemacht, so dass manch ein Teilnehmer aus Deutschland und den Benelux-Ländern aufpassen musste, nicht aus der Kurve zu fliegen.
Aber da gibt es zur Not ja immer noch die beiden Bremsen. Im Sander Bruch war zum Auftakt am Samstag bei schönem Wetter und fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit beim 200-Meter-Sprint und bei den Rennen über 50 und 100 Kilometer auf einem rund 6,4 Kilometer langen Rundkurs Tempo machen angesagt.
Einerlei, ob vollverkleidet, teil verkleidet oder unverkleidet – Liegeräder sind so bunt wie das Leben und – nicht selten von der Marke Eigenbau. Ein Fahrer hat sogar einen Rückspiegel an seine Brille geklebt.
Heinz und Ulrich Bentlage sitzen zu zweit in einem ganz ungewöhnlichen Gefährt. Die Konstruktion der beiden Brüder aus dem Emsland nennt sich Rücken-an-Rücken-Tandem. "Da kann man zwischendurch mal ein bisschen quatschen", ist Ulrich Bentlage kurz vor dem Start gut gelaunt.
Das ist vor dem 100-Kilometer-Rennen auch Daniel Fenn. Der Mann aus Bad Kissingen hat am Vormittag mit einer Spitzengeschwindigkeit von 82,68 Kilometern pro Stunde den 200-Meter-Sprint gewonnen. "Ich habe die Markierungen vertauscht und mich zu früh hängen lassen", ärgerte sich der 34-Jährige nachher. Nach seinen Angaben ist sein für eine Firma entwickeltes gelbes Serienfahrzeug das schnellste der Welt.
Am Rande der Strecke schaut sich auch Marcus Endberg das rasante Treiben an. Der Bad Lippspringer hat zwar sein Liegerad mitgebracht. Das 50-Kilometer-Rennen ist auch für Alltagsradler.
Eine Teilnahme traut er er sich aber noch nicht zu. Er liegt erst seit ein paar Monaten in seinem Rad. Ein Bandscheibenvorfall hatte Endberg 2008 zum Abstieg von den Rennrädern gezwungen. Die will er jetzt verkaufen. "Das Fahren ist sehr entspannt und komfortabel, schont den Rücken und man kommt schnell mit Gleichgesinnten ins Gespräch", sieht sich der 41-Jährige trotz der niedrigen Fahrposition als vollwertiger Verkehrsteilnehmer.
Zusammen mit ein paar Helfern war Armin Mommen von der veranstaltenden Aktionsgemeinschaft "Radfahren in Paderborn & OWL" die vergangenen beiden Tage im Dauereinsatz. Denn auch gestern fanden zum Teil bei Regen noch Rennen statt – dieses Mal auf ein paar abgesperrten Strecken in der Innenstadt.
Dass er bei so viele Stress nicht selbst mitfahren konnte, fand der 47-Jährige Sander nicht tragisch. Eher schon das geringe Zuschauerinteresse. "Es ist traurig, dass die Bevölkerung so wenig Notiz davon nimmt", sagte er. Das war gestern in Paderborn nicht anders. Dennoch möchte er die Liegerad-Weltmeisterschaft in den nächsten Jahren nach Paderborn holen.
Vielleicht geht es dann etwas entspannter zu. In Sande musste die Polizei nach seinen Angaben Verwarngelder aussprechen, weil einige Anlieger sich nicht an die Straßensperrungen gehalten hatten. Sonst sei aber die Resonanz durchaus positiv gewesen.
An den Informationsständen am Samstag rund ums Fahrrad vor der Herz-Jesu-Kirche war es entspannt. Einige Passanten blieben vor so manchem Liegerad erstaunt stehen. Jens Knollmann hatte für Interessenten sein Fahrzeug mitgebracht. "Gebrauchte gibt es schon ab 750 Euro. Nach oben ist preislich keine Grenze gesetzt. Da kommen schnell 4.500 Euro zusammen", erklärte er. Liegeräder seien zumeist aus Aluminium. Beim Kauf sollte auf Leichtigkeit, einen angenehmen Sitz und vor allem auf eine gute Belüftung des Rückens geachtet werden, so Knollmann.