Paderborn. Eigentlich hätte ein kleines Fest gefeiert werden können: Seit 20 Jahren ist die Volkshochschule Mieterin am Rathausplatz 7. Tausende von Paderbornern haben in den beiden Jahrzehnten die in der zweiten Etage gelegenen Vortrags- und Seminarräume genutzt. Doch an ein VHS-Fest in diesen Räumen denkt niemand mehr. Vielmehr heißt es, Abschied zu nehmen.
Die Volksbank als Besitzerin des einstigen jüdischen Kaufhauses Steinberg & Grünebaum hat Eigenbedarf angemeldet. Die VHS zieht in ein neues Miet-Domizil am Marienplatz 11a. Dort stehen - ebenfalls in der zweiten Etage - sieben Vortrags- und Seminarräume zur Verfügung, in den zwischen 10 und 70 Personen Platz finden. Petra Hensel-Stolz, die Leiterin der VHS: "Wir sind froh, dass wir in zentraler Lage bleiben. Und da wir über einen Raum mehr verfügen als am Rathausplatz, können künftig sogar noch mehr Kurse in der City anbieten."
Der größ-te Vortragsraum ist allerdings ein wenig kleiner als das Foyer der bisherigen VHS-Etage am Rathausplatz 7, das bei großem Besucherandrang als Vortragssaal genutzt werden konnte. Die Geschäftsstelle der Volkshochschule bleibt am Kamp 43. Vorerst.
Ebenfalls vom Rathausplatz 7 zum Marienplatz 11 a, und zwar in die Räume über der VHS, zieht die Verwaltung der Stadtbibliothek, die damit noch näher an die Kinderbibliothek heranrückt. Der Mietvertrag der Stadt für den Rathausplatz 7 läuft zum Jahresende aus.
Die Volksbank habe keinen aus Sicht der Stadt ausreichenden Zeitraum für eine Anschlussvermietung anbieten können, sagte Jens Reinhardt, Pressesprecher der Stadt, auf Anfrage der NW. Da sowohl für die Kursräume der VHS als auch für die Bibliotheksverwaltung zentrumsnah Ersatz gesucht werden musste, fiel die Entscheidung für den Marienplatz 11 a. In den dortigen Räumen waren zuletzt zwei Sozialbezirke des Stadtjugendamtes untergebracht.
Kleinere Umbauarbeiten, um die zweite Etage für VHS-Zwecke herzurichten, sind abgeschlossen, Technik und Mobilar der beiden Kursräume für elektronische Datenverarbeitung bereits umgezogen. Die Nutzung der neuen Räume beginnt mit dem Kursprogramm des Herbstsemesters am 13. September. "Am 6. Oktober werden wir an unserer neuen Adresse mit einem Tag der offenen Tür die neue Fachsparte VHS-Business vorstellen", kündigte Petra Hensel-Stolz an. Sie ist ganz auf den Weiterbildungsbedarf von Unternehmen und Beschäftigten ausgerichtet.
Die neue Adresse Marienplatz 11 a ist nicht ganz so leicht zu finden wie der Rathausplatz 7. Das Gebäude liegt an der ehemaligen Levermannschen Gasse, die parallel zur nahen Jühengasse den Marienplatz mit der Rathauspassage verbindet. Der kleine Platz, in den die Gasse mündet und an dem sich der neue Zugang zur VHS befindet, trägt inoffiziell die Bezeichnung "Friedensplatz", denn hier grüßt von einer Hauswand der 2005 vom Paderborner Künstler Herman Reichold gemalte Friedensengel.
Wie lange die Volkshochschule an ihrer neuen Adresse bleibt, ist offen. Der Rat hat im Mai den Ankauf des Geländes Stadelhof 8 beschlossen, zu dem drei historische Gebäude gehören. Dort wollte ein Investor vor vier Jahren ein edles Innenstadt-Wohnprojekt samt Tiefgarage realisieren. Doch Auflagen des Denkmalschutzes ließen ihn von diesen Plänen abrücken.
Mit der Zielvorgabe, hier auf Dauer das seit vielen Jahren und mit zahlreichen Standort-Varianten diskutierte Paderborner Haus der Weiterbildung zu etablieren, gelang es der Stadt, beim Land einen stattlichen Zuschuss aus Städtebauförderungsmitteln locker zu machen. Damit konnte der 835.000 Euro teure Ankauf des 2.000 Quadratmeter großen Areals am Stadelhof finanziert werden.
Quartier der Weiterbildung
Das Institut für Religionspädagogik und Medienarbeit des Erzbistums (IRUM, früher Medienzentrum) ist direkter Nachbar des von der Stadt erworbenen Geländes am Stadelhof. Hier den zentralen Standort der Volkshochschule anzusiedeln, würde nach Einschätzung von VHS-Leiterin Petra Hensel-Stolz dieses gesamte Quartier der östlichen Innenstadt "enorm aufwerten". Mit dem IRUM und weiteren Weiterbildungs-Nachbarn (Liborianum, Meinwerkinstitut, Katholische Bildungsstätte) könnte eine gemeinsame und ökonomisch höchst sinnvolle Nutzung von Räumen vereinbart werden. Im Handlungskonzept Innenstadt sind für die "Umnutzung Stadelhof zur Volkshochschule" Kosten von 3,9 Millionen Euro angegeben. Der angepeilte Realisierungszeitraum liegt keineswegs in weiter Ferne: "2010 bis 2012."