Gemeinde St. Heinrich und Kunigunde freut sich auf ihr renoviertes Gotteshaus
Paderborn-Schloß Neuhaus. Am Sonntag ist es soweit. Um 9 Uhr und um 10.30 Uhr feiert die katholische Pfarrgemeinde in Schloß Neuhaus erstmals wieder ihre Gottesdienste in ihrer angestammten Kirche St. Heinrich und Kunigunde. Wegen grundlegender und umfangreicher Renovierungsarbeiten musste die historische Barockkirche aus dem Jahre 1665 fast zehn Monate lang geschlossen bleiben.
Erstmals stellte Pfarrer Peter Scheiwe am Donnerstagvormittag zusammen mit seinem Pastoralteam, dem Kirchenvorstand, dem Gesamtpfarrgemeinderat und den beiden verantwortlichen Architekten die Umbau- und Renovierungsmaßnahmen der Öffentlichkeit vor. In der Pfarrgemeinde herrsche große Freude, berichtete Pfarrer Scheiwe, Freude darüber, dass die Arbeiten endlich fertiggestellt seien, ganz besondere Freude aber darüber, dass sie zu einem so wunderschönen Ergebnis geführt hätten.
Wo früher den Besucher dunkle und rußgeschwärzte Wände empfingen und den Kirchenraum in ein tiefes Dunkel tauchten, strahlen jetzt gelbsandige und hellblaue Pastelltöne und machen das Kirchenschiff freundlich und groß. Die Rippen in den Gewölben des Hauptschiffes sind in einem barocken Blau gehalten und mit insgesamt 1.150 goldenen Sternen verziert. Die alten Ornamente, die beim Entfernen der alten Farben zum Vorschein kamen, wurden allesamt, auch zum Teil mit Blattgold, aufwändig renoviert. 110 Gramm reines Gold sind insgesamt verarbeitet worden.
Fast das gesamte Inventar wurde restauriert. So die Orgel mit ihren 1.931 Pfeifen, von denen die kleinste einen halben Zentimeter und die größte sechs Meter misst. Die Kanzel erstrahlt wieder in ihrem klassischen "Fürstenberg-Rot". Und die Bilder des 14-teiligen Kreuzweges, die jetzt die Seitenwände des Hauptschiffes zieren und auf den hellen Wandflächen erst recht zur Geltung kommen, wurden wie auch alle anderen Kunstgegenstände genauestens untersucht und vorhandene Mängel konsequent beseitigt .
Der enorme Wert aller sakralen Kunstgegenstände habe die Planung und Ausführung nicht einfach gemacht, erklärten die beiden Architekten Leo Köhle und Eberhard Mündelein. Schließlich seien viele Kunstwerke kaum schätzbare Unikate.
Für Prof. Dr. Christoph Stiegemann, Leiter des Paderborner Diözesanmuseum und wissenschaftlicher Begleiter während der Umbauphase, ist "Heinrich und Kunigunde" Kunsthistorisch gesehen nach dem Paderborner Dom die bedeutenste Kirche im Hochstift.
Ältestes Einrichtungsstück ist der Taufstein
Ältestes Einrichtungsstück ist der Taufstein. Er wurde jetzt links neben die Altarempore gerückt und fest im Boden eingelassen. Rechts vom Altar findet nun die Rochusgruppe ihren Platz. Direkt unter dem Quinhagen-Kreuz, für dessen Verbleib sich viele Pfarrmitglieder stark gemacht hatten.
Ganz bewusst im modernen Stil habe man die Christophkapelle im Kontrast zur Historie der Hauptkirche gestaltet, sagten beide Architekten.
Die Kapelle ist über den Quinhagen auch für Rollstuhlfahrer zu erreichen, bietet Platz für 40 Gläubige und ist immer geöffnet. Fast alle sakralen Inventargegenstände wie Altar und Tabernakel stammen aus Kirchen, die mittlerweile geschlossen wurden. Im Vorraum können Kerzen angezündet werden. Der Zugang zur Hauptkirche wird durch eine breite Glastür abgetrennt und ist wegen des vorgeschriebenen beschränkten Zugangs nur zu Gottesdienstzeiten geöffnet.
Fast eine Million Euro haben die gesamten Umbau- und Renovierungsmaßnahmen gekostet. Davon muss die Schloß Neuhäuser Pfarrgemeinde ein Drittel selbst aufbringen. Zwei Drittel werden über die Kirchensteuer finanziert.
"Mitten unter uns"
Mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm feiert die Pfarrgemeinde St. Heinrich und Kunigunde unter dem Motto "Mitten unter uns" in den kommenden Wochen die Renovierung ihrer Kirche. Die Offizielle Einweihung findet am Sonntag, 3. Oktober, mit einer festlichen Eucharistiefeier statt. Junge Kirche (19. September), Kirche unterwegs (26. September), Wir Kinder machen uns auf den Weg(17. November), Erleuchtete Kirche (30. Oktober) oder Glaube und Politik im Gespräch (23. September) mit Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse sind weitere Veranstaltungen aus dem Programm. Einzelheiten erteilt gerne das Pfarrbüro der Kirchengemeinde.