Hauptschule am Niesenteich wird sukzessive aufgelöst / Container sollen Platzprobleme lösen
Paderborn. Was für ein knappes Ergebnis: Ausschließlich – und ausgerechnet – mit den Stimmen der CDU hat der Schulausschuss gestern Abend die dritte Paderborner Gesamtschule am Standort Niesenteich auf den Weg gebracht. Und hat damit gleichzeitig die Auflösung der dortigen Hauptschule beschlossen. Während FDP und Freie Bürger Initiative (FBI) dagegen votierten, enthielten sich SPD, Grüne und DIP der Stimme. Ob es schon 2011 losgeht, ist offen.
"Wir mussten uns öffnen, bekanntlich wird mit den Füßen abgestimmt", erläuterte Markus Mertens, schulpolitischer Sprecher der CDU, während vor den Fenstern Schüler vom Niesenteich protestierten. Allerdings modifizierten die Christdemokraten, bislang keine bekennenden Gesamtschul-Fans, den Vorschlag der Stadtverwaltung: Zum einen wird die Nummer 3 nur vier statt sechs Züge haben, zum anderen bleibt die Realschule am Niesenteich erhalten, weil ihr die CDU "eine Chance geben will". An Hauptschulen jedoch sinke trotz "sehr guter Arbeit" generell die Akzeptanz in der Elternschaft. Angesichts der demografischen Entwicklung sowie neuer Schulangebote im Kreis reiche Vierzügigkeit aus.
Mit beiden Veränderungen konnten sich SPD, Grüne und DIP allerdings nicht so ganz anfreunden. Sie votierten für eine sechszügige Gesamtschule im kompletten Schulzentrum, ohne dabei, wie Roswitha Köllner (DIP) betonte, die Arbeit von Haupt- und Realschule abqualifizieren zu wollen: "Die Schulpolitik ist im Umbruch".
"Der Standort ist alternativlos. Eine Veränderung ohne Neubau muss auf Kosten einer oder mehrerer Schulen gehen", betonte Vera Esders (Grüne). Dabei hätten einige Schulen bisher von Ablehnungen in Elsen gelebt und wären sonst wohl nicht mehr existent.
"Eine Option auf Sechszügigkeit ist entscheidend für uns, damit das Vorhaben nicht auf halbem Wege stehen bleibt", betonte Martin Pantke für die SPD. Auch für eine funktionierende Oberstufe seien sechs Züge wichtig. Wie SPD und DIP sehen auch die Grünen ein Nebeneinander von Real- und Gesamtschule "kritisch". Vera Esders befürchtet zudem, dass eine vierzügige Gesamtschule, im Gesetz nur als "Notfall" vorgesehen", nicht genehmigt werden könnte. "In der Tat werden wir eine ordentliche Begründung schreiben müssen", bestätigte Schuldezernent Wolfgang Walter, dass "Hürden zu nehmen sind". Voraussetzung seien u. a. heterogene Schülerleistungen .
Während die FBI zwar grundsätzlich eine Gesamtschule will, aber nicht am Niesenteich, kritisierte Christian Rörig (FDP) die Aufgabe der "funktionierenden Hauptschule" und prophezeite: "Auch die Realschule wird irgendwann geschluckt."
Der Schuldezernent machte deutlich, dass die Räume an der Hauptschule allein – selbst bei Leerstand – nicht ausreichen: Etwa 1.500 bis 1800 Quadratmeter Platz muss neu geschaffen werden. Die CDU schlägt dafür Container vor. Das kostet, so Walter, jährlich je nach Qualität 180.000 bis 250.000 Euro.
Derweil herrscht an der Hauptschule Untergangsstimmung: Heute Abend um 19 Uhr lädt die Schulpfegschaft zur Mahnwache auf den Schulhof.