Paderborn. Ob Laptop unter dem Arm oder dicke Aktenordner in der Tasche – die Verteidiger Martin Lindemann, Thomas Sprute, Lothar Hinz und Benedikt Klein waren gut gewappnet für den Prozessauftakt im Fall des gewaltsamen Übergriffs auf den Erzbischof Mor Julius Hanna Aydin. Bestens hatte das Quartett auch seine des versuchten Mordes angeklagten Mandanten vorbereitet. Denn die zeigten sich geständig. Fragen blieben nach dem ersten Verhandlungstag dennoch offen.
Dass sie am frühen Morgen des 15. April 2010 im Warburger Kloster St. Jakob von Sarug das Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland überfallen hatten, gaben der Informatikstudent Dinesh V., der aus der Türkei stammende Gökhan C. (beide 23) und der in Wiesbaden lebende Syrer Fadi M. (36) freimütig zu. Aber der gefesselte, geknebelte und mit Schlägen malträtierte Aydin habe sich nicht in Lebensgefahr befunden, beteuerten sie unisono.
Während sich die beiden Jüngeren als unwissende Mitläufer präsentierten – der Student will aus Freundschaft, Gökhan C. einer möglichen Beute wegen mitgemacht haben –, stand Fadi M. dazu, der Spiritus Rector der Tat gewesen zu sein. Aber eines beteuerte er: "Ich bin nicht dahingegangen wegen Geld." Ihm sei es um die Wahrheit gegangen, sagte der 36-Jährige. Denn seiner Ansicht nach ist Bischof Mor Julius Hanna Aydin ein unehrlicher Mensch, der der Kirche gespendetes Geld ins Ausland geschafft und dort Immobilien gekauft hat. Um das zu belegen, habe er am 15. April in dem Zimmer Aydins nach Beweisen fahnden wollen, sagte Fadi M. Aber auch das Gespräch habe er gesucht. Doch der Geistliche "ließ mir keine Chance".
Dem Erzbischof den Bart abgeschnitten
Unumwunden gab der 36-Jährige zu, dem Erzbischof den Bart abgeschnitten zu haben. Aus Ärger darüber, die gewünschten Beweise nicht gefunden zu haben, aber auch um diesen äußerlich zu diskreditieren. "Ich schnitt ihm den Bart ab, weil Aydin nicht zur Kirche passt", bekannte Fadi M., zeigte sich aber sonst sehr diskret.
Im vollen Ornat | FOTO: MARC KÖPPELMANN
Von wem er die Schlüssel für die Klostertüren erhalten hatte und welche Rolle der ehemalige Diözesanratsvorsitzende Aslan K. spielte, mit dem der Bischof gewaltige Differenzen gehabt haben soll, dazu wollte der 36-Jährige kein Wörtchen sagen.
Ungeklärt ist zudem der Verbleib von 39.000 Euro. Laut Anklage ist dieses erkleckliche Sümmchen in den bewegten Stunden des 15. April aus dem bischöflichen Zimmer verschwunden. Doch die drei Angeklagten beteuerten einmütig, keinen Cent gefunden zu haben. Lediglich drei Kreuze will Fadi M. mitgenommen haben – als Pfand, um eventuell mit dem ungeliebten Bischof zu verhandeln.
Er ging unverrichteter Dinge nach Hause
Vielleicht wird Erzbischof Aydin im Zeugenstand am zweiten Prozesstag Licht ins Dunkel bringen. Am Freitagnachmittag jedenfalls ging der Geistliche unverrichteter Dinge nach Hause. Schließlich hatte die Vernehmung der Angeklagten bis in den Nachmittag angedauert.