Paderborn. Den 8. Oktober 2010 wird Anneliese Götze (57) nie vergessen: Aus Nachbars Garten entkommen, sprang plötzlich ein über 40 Kilogramm schwerer Rottweiler die Paderbornerin an. Er zerfleischte Wade und einen Unterarm, den anderen Unterarm brach sie sich beim Sturz. Groß das Entsetzen, als sie die Bestie wiedersah: Beschrieben als "schmusig und brav" auf der Internetseite des Tierheims Schloß Neuhaus unter der Rubrik "Tiervermittlung".
Dabei war der Rottweiler der Schrecken der Nachbarschaft, soll mindestens einen weiteren Jungen gebissen und einen Postboten angefallen haben. Der konnte sich den Angreifer nur mit Pfefferspray vom Leib halten. Nach einigem Hin und Her gab der offensichtlich überforderte Halter den jetzt zwei Jahre alten Hund ab, und zwar in die Hände eines Borchener Landwirts. Doch dann und wann tauchte der Rottweiler doch wieder bei seinem früheren Halter auf, sozusagen zu Besuch. Bis zum 8. Oktober 2010.
Danach war für beide erstmal Schluss mit lustig: Die Polizei sperrte den Hund weg, das Ordnungsamt steckte ihn ins Tierheim. Gegen den Halter, der nicht richtig auf den inzwischen nach einer Begutachtung durch den Kreisveterinär Dr. Ralf Lange vom Ordnungsamt als "bissig" eingestuften Hund aufgepasst hatte, wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Just heute muss er sich vor dem Paderborner Amtsgericht verantworten.
"Hund gehört aus dem Verkehr gezogen"
Derweil steigt Manfred Götze die Zornesröte ins Gesicht: "Immer wieder habe ich versucht, bei den Behörden heraus zu bekommen, was nun wirklich getan wird, um die Öffentlichkeit vor einem offensichtlich gefährlichen Tier zu schützen. Aber die Auskunft war bloß, dass der Hund schon in die richtigen Hände komme. Dafür werde man sorgen. Meiner Meinung nach gehört der Hund aus dem Verkehr gezogen. Muss er erst jemanden tot beißen?"
Tatsächlich gibt es nach Angaben von Kreisveterinär Dr. Lange "erstmal keinen Grund, den Hund einzuschläfern, so lange die öffentliche Sicherheit gewährleistet ist". Im Tierheim sei der Rottweiler bisher nicht auffällig geworden. Was von der stellvertretenden Vorsitzenden des Trägervereins "Tiere in Not", Sabine Glahe, bestätigt wird. "Sicher, am Anfang war er schwierig, aber jetzt hat er sich an uns gewöhnt. Wir arbeiten streng mit ihm."
Eine Arbeit, die sozusagen der "Resozialisierung" des Tieres dienen soll. Er habe eine zweite Chance verdient, meint Tierfreundin Sabine Glahe. Entsprechend wurde für den bissigen Rottweiler denn auch schon seit dem 28. Februar auf der Internetseite des Vereins ein neuer Halter gesucht.
Tierheim reagiert
Dies geschah allerdings mit Worten, die Familie Götze die Sprache verschlagen haben: Als "schmusig und brav" wurde der Hund dort beschrieben, als einer, "der schon mal im Überschwang der Freude mit seinen über 40 kg auf einen zu rennt". Als einer, der - wie es sich gehört - Hunde, Kinder, Fahrräder und Autos ignoriere - "nur Skateboardfahrer" könne er nicht leiden. Bei ihm sei "alles eine Sache des Vertrauens". Und: "In den richtigen Händen würde er bestimmt ein prima Kumpel."
Dass der Rottweiler alles andere als ein Schmusehund ist, gab Sabine Glahe im Gespräch mit der NW zwar zu. Sie meint jedoch, dass der Text von Interessenten schon verstanden werde. "Schließlich steht da, dass er bei ,Menschen, die er kennt, schmusig und brav’ ist." Soll heißen: "Nur" bei Menschen, die er kennt. Aber was ist mit den anderen? Speziell zufällig vorbeifahrenden Skateboardern? Würde er die, wenn er könnte, dann doch noch zerfleischen?
So versteht die Tierheim-Sprecherin ("wir würden diesen Hund nie verniedlichen") auf Nachfrage auch das Entsetzen der nach drei Operationen bis heute unter den Folgen der Verletzungen leidenden Frau Götze. Die hatte sich allerdings bei ihr schon vor Wochen über die Internet-Anzeige beschwert. Ihr war versprochen worden, die Anzeige von der Seite zu nehmen. Vergeblich.
Erst wenige Minuten nach dem Gespräch der NW mit Sabine Glahe nahm das Tierheim die Anzeige dann endlich aus dem Netz.
Der von Herrn Götze, in der Neuen Westfälischen eingestellte Bericht entspricht in keinster Weise der Realität. Der Rottweiler hat mehrere Verhaltenstests mit Bravour bestanden. Es wurde Ihm sogar eine hohe Reizschwelle bescheinigt. Am 22.03.2011 hat die Ehefrau ausgesagt, daß nicht der Rottweiler der Beisser war. Herr Götze ist Pädagoge, muß man Angst haben um die Ihm anvertrauten Kinder? Die Neue Westfälisch betitele ich als (...). Das ich keinem empfehlen würde.