Die Ska- und Raggae-Band Irie Révoltés sind die Publikumslieblinge beim AStA-Sommerfestival - noch vor Culcha Candela
Paderborn. Culcha Candela blicken von der Hauptbühne des AStA-Sommerfestivals auf eine singende Masse. Junge Menschen tanzen und toben am Donnerstagabend um kurz vor zehn auf dem Uni-Campus zu dem Sound des Berliner Dancehall-Ensembles. Selbst auf Bäumen und Bierbuden feiern die Musikfans.
In Uniformen, aufgestellt in Reih und Glied, präsentiert sich die Combo den Paderbornern. Salutierend, mit einer Hand am Hut, um dann hüpfend, springend und ausgelassen die Bühne zur Party-Zentrale zu erklären. Neben aktuellen Hits wie "Berlin City Girl" spielten Culcha Candela ältere Songs von Alben, die sie lange vor ihrem großen Durchbruch herausbrachten.
Mitgebracht aus der Hauptstadt hatten die sechs Sänger eine Bühnen-Performance, bei der neben ausgeklügelter Choreographie und Lichtshow zusätzliche Tänzer dem Publikum einheizten. Sarah Schütt aus Paderborn ist das erste Mal auf dem AStA-Sommerfestival und ganz begeistert von der Stimmung und der Atmosphäre: "Culcha Candela machen eine tolle Show."
Besonders die kleinen Zwischeneinlagen lassen manchen Puls schneller schlagen. So entledigen sich die Berliner ihren steifen Uniformen in einem heißen Striptease, der vor allem die weiblichen Fans zum Jubeln bringt.
Etwas weniger Publikum, etwas weniger Starallüren, dafür aber etwas mehr Nähe: Der Braunschweiger Musiker Axel Bosse spielt mit Band zur gleichen Zeit auf Bühne zwei und punktet vor allem mit kleinen Publikumsansprachen. "Ich bin oft in Paderborn", so der Musiker, "mein Onkel hat hier einen Reiterhof, auf dem ich mir schon drei Mal das Handgelenk beim Reiten gebrochen habe."
Bosses Metier sind eher die besinnlichen Gefilde - auch wenn er des Rockens durchaus mächtig ist. "Wenn ihr auch so gern reitet, dann zeigt es mir und wedelt wie ich mit den Armen." Zum Repertoire des Norddeutschen gehören an diesem Abend vor allem Songs seines aktuellen Albums "Wartesaal".
Überraschender Publikumsliebling ist die Reggae- und Ska-Band Irie Révoltés. Während des Auftritts der Heidelberger muss das Security-Personal die Absperrung stabilisieren, weil die Zuschauer auf der anderen Seite gern näher an den Musikern wären.
Irie Révoltés spielen zwei Zugaben und werben am Ende für die Trinkwasser-Initiative Viva con Agua: "Werft alle eure Pfand-Becher auf die Bühne, wir spenden den Pfand an Viva con Agua", sagt der Sänger. Als lustiges Spiel bietet er sein Gesäß als Zielscheibe an. Nach der Show nimmt sich die Band Zeit für Autogramme und Fotos mit Fans.
Um zwölf Uhr Mitternacht marschieren einige der 14.000 Festivalbesucher von den Open-Air-Bühnen in die Innenbereiche der Universität. In Hörsälen und Seminarräumen feiern sie zu DJ-Musik bis in die frühen Morgenstunden weiter.
Pils und Beinbruch
Während auf dem Uni-Campus bereits die ersten Kapellen angespielt haben, glühten zahlreiche junge Menschen außerhalb des Geländes vor – teilweise mit bösen Nachwehen. Der Rettungsdienst der Feuerwehr addierte am Donnerstagabend 18 Einsätze.
Der Vogeliusweg geriet zum Hotspot der Einstimmung auf das Festival. Mehr als 100 Jugendliche und Heranwachsende trafen sich am Studentenheim mit Bier, Schnaps und Grillfleisch. Andere tranken preiswert auf Parkplätzen nahe der Uni.
Dabei hatten einige Feiernde schon am frühen Abend so stark die Koordination verloren, dass sie in Glasscherben traten und sich Schnittwunden zuzogen. Ein junger Mann brach sich ein Bein, ein anderer trug ein Schädel-Hirn-Trauma davon und eine junge Frau litt sogar unter Herz-Rhythmus-Störungen.
"Das war die unruhigste Uni-Party der vergangenen zehn Jahre", so Ralf Schmitz, Leiter der Paderborner Feuerwehr, die mit 30 Männern und Frauen vor Ort war. 14 Einsatzkräfte vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) leisteten zudem Erste Hilfe.
Schmitz ist dennoch der Ansicht, dass sich das Sicherheitskonzept bewährt hat. "Wir mussten die Kapazitäten erschöpfen, kontrollierten aber stets die Lage."