Paderborn. Paul T. (Name geändert) wirkt irgendwie sympathisch mit seinem runden Gesicht. Dem etwas fülligen Krankenpfleger traut man zu, dass er sich sorgfältig und liebevoll um die ihm anvertrauten Menschen kümmert. Doch der 28-Jährige hat seine Anstellung in einem Bad Lippspringer Pflegeheim (Kreis Paderborn) skrupellos ausgenutzt.
Denn Paul T. hat dort drei ältere, hilflose Frauen sexuell missbraucht. Mittwoch wurde der Willebadessener zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.
Seit 2008 hatte sich der 28-Jährige in einem Pflegeheim insgesamt elf Mal an drei älteren Frauen sexuell vergangen. Seine Opfer waren aufgrund schwerer Erkrankungen völlig hilf- und wehrlos. Doch im Dezember 2010 wehrte sich eine 72-Jährige und verständigte ihre Angehörigen.
In den sofort einsetzenden Ermittlungen gab der Familienvater, der einer Baptistengemeinde angehört, dann recht bald nicht nur diesen Fall zu, sondern gestand noch weitere sexuelle Übergriffe auf die 72-Jährige sowie auf zwei andere Patientinnen (66 und 86 Jahre).
Ein Verhalten, das Paul T. auch Mittwoch in der zu großen Teilen auf Antrag seiner Verteidigerin Ulrike von Schnakenburg nicht öffentlichen Verhandlung an den Tag legte. Freimütig bekannte sich der 28-Jährige zu den Vorwürfen und beantwortete genau Fragen nach der Genese seiner Persönlichkeit, die unauffällig verlief – ganz im Gegensatz zu seiner sexuellen Entwicklung. In dem baptistischen Umfeld habe Paul T. "die Tabuisierung vieler sexueller Dinge" erleben müssen, was eine "Nichterfüllung sexueller Bedürfnisse zur Folge hatte", fasste Staatsanwalt Dietmar Sauerland in seinem Plädoyer zusammen.
Aus Frustration habe der junge Mann die ihm anvertrauten älteren, hilflosen Frauen zu den Opfern seines sexuellen Begehrens gemacht – und das sei keineswegs die Folge einer psychischen Erkrankung oder Auffälligkeit, folgte der Staatsanwalt den Ausführungen von zwei Gutachtern. "Paul T. ist für sein Verhalten voll verantwortlich."
"Es war ein Albtraum, aus dem meine Mandantin nicht erwachen konnte", schilderte Nebenklagevertreterin Anja Brauckmann die Qualen der 72-Jährigen, die im Verlauf von sieben Monaten insgesamt acht Mal von Paul T. vergewaltigt worden war. "Sie konnte sich nicht wirklich wehren gegen das, was mit ihr geschah." Aus Scham habe die Seniorin lange geschwiegen. 5.000 Euro Schmerzensgeld sprach das Gericht der 72-Jährigen zu. Sie wird jetzt in einem anderen Pflegeheim betreut, denn in der Lippspringer Einrichtung hatte sie zu sehr mit den Erinnerungen an die sexuellen Übergriffe zu kämpfen.