Paderborn. Da, wo heute Paderborns vielleicht bekannteste Currywurst bruzzelt, führt von der Königstraße eine großzügige, bis zu 30 Meter breite Freitreppe hinauf zum Königsplatz, lädt zum Verweilen ein, dient als Treffpunkt. Die Rampe zwischen Klingenthal und Kaufhof ist vergessen, die Königstraße zwischen Western- und Marienstraße ein neuer Teil der Fußgängerzone.
Paderborner Zukunftsvision für das Jahr 2030? Oder für 2050? Hans-Peter Rohler weiß es nicht so genau. Noch nicht. Aber eines weiß der 47-jährige Landschaftsarchitekt seit Dienstag Abend ganz sicher: Sein Kasseler Büro "Foundation 5 +" und das niederländische Partnerbüro Von Hosper international (Haarlem) sind die Gewinner des Gestaltungswettbewerbes Königsplätze.
Einstimmig erkannte die Jury (Vorsitz: Professorin Christl Drey, Köln) dem Kasseler Büro den ersten Preis zu. Er ist mit 35.000 Euro dotiert. Acht Stunden begutachteten die Juroren die Vorschläge, mit denen sich zehn der zum Wettbewerb eingeladenen 15 Büros aus ganz Deutschland beteiligt hatten.
Ein Clou der mit Platz 1 prämierten Arbeit: In sechs oder sieben Metern Höhe überspannt ein Netz aus Stahlseilen den großen und kleinen Königsplatz. Schattengewebe, die an einigen Stellen des Netzes gespannt sind, betonen die Platzsituation, und an vielen Knoten des Netzes vermitteln sanfte, filigrane Lichtpunkte beim Blick nach oben das Bild eines Sternenhimmels über Paderborn.
Da Paderborner, wenn sie sich Gedanken über den Königsplatz machen, "ein Stück betriebsblind" seien, habe man bewusst auf Visionen "von außen gesetzt", sagte Ferdinand Klingenthal, der Vorsitzende der Standortgemeinschaft Königsplätze. Sein Verein hatte den von Stadt und Land unterstützten Wettbewerb ausgelobt.
In einem gut besuchten öffentlichen Forum im Audimax der Theologen Fakultät wurden gestern die Ergebnisse vorgestellt. Dass die Vision von "Foundation 5+" nun eins zu eins umgesetzt wird, erwartet Klingenthal nicht. Was realisiert werden kann, müsse nun mit allen Beteiligten gründlich erörtert werden. "Die Kärrnerarbeit geht jetzt erst los."
Paderborns neue Baudezernentin Claudia Warnecke zur Arbeit der Jury: "Es war eine schwierige Aufgabe." Die Technische Beigeordnete will die Ergebnisse des Wettbewerbs am 12. Juli zum Thema im Ausschuss für Bauen, Planen und Umwelt machen. Warnecke betrachtet es als spannendes Vorhaben, benachbarte Stadträume ganz unterschiedlichen Charakters, für die der Königsplatz zu einer Art Drehscheibe werden könne, miteinander zu verbinden, zum Beispiel Paderquellgebiet und Einkaufszone.
Ferdinand Klingenthal betrachtet das Projekt Königsplätze als außergewöhnlich anspruchsvoll. "Es gibt in Deutschland derzeit im Städtebau nichts Komplizierteres als dieses." Erklärtes Ziel sei es, über die Umgestaltung der Königsplätze auch mehr Verkaufsfläche zu schaffen, um fehlende Sortimente in die City zu holen. Ausnahmslos haben daher alle Wettbewerbsarbeiten zugunsten von Handelsflächen Abschied von der heutigen Zentralstation genommen.
Bürgermeister Heinz Paus sprach vom "spannenden Ergebnis" eines interessanten Prozesses zur Weiterentwicklung der Innenstadt. "Wir sind einen erheblichen Schritt weiter", meinte Jörg Faltin, der Wettbewerbskoordinator aus Düsseldorf. Nun könne eine weitere Stufe der Konkretisierung beginnen. Er lobte die "Angemessenheit und Schlichtheit", mit der die Arbeit des ersten Preisträgers beide Königsplatz-Ebenen über das einfache Gestaltmittel des Sternenhimmels aufwerte. Dem langfristigen Rückbau vieler Stege und Rampen soll die Rücknahme der Verkehre aus der Königstraße folgen. Zu- und Ausfahrt der Tiefgarage Königsplatz sollen langfristig über die Westernmauer direkten Anschluss an den Innenring erhalten.