Paderborn.Die Entscheidung über die Errichtung einer dritten Gesamtschule in Paderborn sei von Anfang mit zahlreichen schwierigen Fragen verbunden: Welcher Standort? Sollen Schulen geopfert werden? Welche finanziellen Mittel werden benötigt und können überhaupt aufgebracht werden? Werden im Falle einer dritten Gesamtschule die Anmeldezahlen auch in fünf oder zehn Jahren ausreichend sein? Diese Fragen listet FDP-Fraktionsvorsitzende Monika Walter in einer Presseerklärung zur Haltung der FDP zur 3. Gesamtschule auf.
Schon in der Schulausschusssitzung am 4. November 2010, als der Standort Niesenteich beschlossen wurde, habe sich schnell abgezeichnet, dass nicht nur die dortige Hauptschule, sondern auch die Realschule in die Planungen zur Errichtung einer dritten Gesamtschule mit einbezogen würde.
"Insofern überrascht der jetzt gemachte Vorschlag nicht, dass neben der Hauptschule auch die Realschule am Standort Niesenteich aufgegeben werden soll. Doch während noch vor Monaten die Niesenteich-Realschule offensichtlich ganz selbstverständlich ,mit in den Topf’ (Zitat einer anderen Fraktion) gegeben werden sollte, schlossen sich jetzt weitere Fraktionen der Haltung der FDP an, die im November als einzige Fraktion gegen die radikale Aufgabe der vorhandenen Schulen gestimmt hatte.
Der vorliegende Beschluss berücksichtigt den viel beschworenen Elternwillen und die Tatsache, dass die Realschulen nicht mit derselben schwindenden Akzeptanz zu kämpfen haben wie zahlreiche Hauptschulen, auch wenn diese gute Arbeit leisten", betont Monika Walter.
Aus Sicht der FDP habe es sich gelohnt, "immer wieder darauf zu bestehen, dass keine funktionierende Schule für eine weitere Gesamtschule geopfert werden darf". So sei schließlich im Rahmen der interfraktionellen Gespräche eine Kompromisslösung erarbeitet worden, nämlich die Niesenteich-Realschule, wenn auch unter anderem Namen, am Kilian-Standort weiterzuführen.
"Dass bei dieser Variante allerdings mit der Kilian-Hauptschule eine weitere Hauptschule aufgegeben werden muss, macht das Dilemma der gesamten Gesamtschuldiskussion mehr als deutlich. Da nun die am 7. Juli zu entscheidende Beschlussvorlage der Verwaltung wenigstens die Weiterführung der Niesenteich-Realschule beinhaltet und die insgesamt anfallenden Kosten für diese Gesamtschulvariante deutlich unter der 10 Millionen Euro teuren Containerlösung liegen werden, wird sich die FDP-Fraktion in diesem konkreten Fall nicht ausdrücklich gegen die Errichtung einer dritten Gesamtschule aussprechen", kündigt die Fraktionschefin an.
Zustimmen könne die FDP aber auch nicht, und zwar aus verschiedenen Gründen: "Angesichts des demographischen Wandels ist es ungewiss, ob die Anmeldezahlen auch in den nächsten fünf oder zehn Jahren für drei Gesamtschulen im Stadtgebiet ausreichen werden. Außerdem wäre gerade im Fall der Gesamtschulfrage eine stärkere Einbindung des Kreises in seiner vernetzenden Funktion wünschenswert bzw. notwendig gewesen.
Ein weiteres Gegenargument liegt im ,Verdrängungscharakter’ der Gesamtschule, die eine vielfältige Schullandschaft mit entsprechenden Wahlmöglichkeiten zu vereinheitlichen droht", listet Monika Walter auf.
Wie die FDP sich die künftige Paderborner Schullandschaft vorstellt, will sie konkret nach den Sommerferien im Rahmen des zu behandelnden Schulentwicklungsplans darstellen.
















