Paderborn. Die gute Nachricht zuerst: Eines der drei an EHEC erkrankten Kinder der Grundschule Altenbeken ist wieder zuhause. Insgesamt wurde mittlerweile bei 18 von 30 Ganztagsschulkindern der potenziell gefährliche Subtyp des Erregers festgestellt. Fünf Stuhlproben waren negativ, bei sieben stehen die Ergebnisse noch aus. Von den 175 in der Essensausgabe tätigen Erwachsenen waren die ersten 19 Proben negativ. Montag startet der Massentest: Fast 1.000 Kotproben werden untersucht.
Ein "Riesenkraftakt" sei die Organisation für die Stuhlanalyse von 500 Schul- und Kindergartenkindern, 300 Senioren und 175 Essensausgebern, sagt Michaela Pitz, Sprecherin des Kreises Paderborn. Untersucht wird überall dort, wo der Lippspringer Caterer geliefert hat. Zuerst sind Kindergärten und Schulen dran, deren Vertreter im Gesundheitsamt informiert werden. Über die Einrichtungen werden die kleinen durchsichtigen Teströhrchen direkt an die Eltern verteilt, zusammen mit einem Fragebogen über die Nahrungsaufnahme. In einem frankierten Umschlag sollen Eltern die Stuhlproben ihres Kindes dann selbst direkt ans Labor schicken.
"Damit niemand übersehen wird, gleichen wir die Labor-Rückläufe mit Namenslisten ab", betont Pitz. Obgleich man versuche, freie Laborkapazitäten zu rekrutieren, um das Procedere zu beschleunigen, werden die Untersuchungen wohl ein bis zwei Wochen dauern.
Essen des Caterers im Verdacht
Während das Robert-Koch-Institut als EHEC-Quelle unverändert eine verunreinigte Essenscharge des Caterers vermutet, kann sich Sandra Schröder, Juniorchefin der Bad Lippspringer Fleischerei, auch den umgekehrten Infektionsweg vorstellen, zumal es in ihrem Betrieb nicht zu einem größeren Ausbruch gekommen sei: "Wir nehmen teilweise Essensreste und benutztes Geschirr zurück, auch als Altenbeken." Der Familienbetrieb darf trotz "kompletter Desinfektion" und "einwandfrei" getesteten Essensproben nun doch nicht wie geplant am Montag wieder öffnen.
"Es gibt ein Arbeitsverbot für unsere Belegschaft. Von jedem Mitarbeiter werden zwei weitere Stuhlproben untersucht", erläutert Sandra Schröder die jüngste Auflage des Gesundheitsamtes. "Dabei könnten wir nach Auffassung der Behörden und des Gissel-Instituts für Bakteriologie und Hygiene aus Sehnde ab heute den kompletten Betrieb direkt wieder aufnehmen." Weil Schröder aber kein Fremdpersonal einsetzen will, wird voraussichtlich erst Ende nächster Woche wieder produziert, die Belieferung der Kunden übernehmen weiterhin Dritte. "Der wirtschaftliche Schaden ist enorm, aber uns bleibt nichts anderes übrig", sagt Schröder, die ihre Kunden per Netzwerk Facebook auf dem laufenden hält: "Den Rücken stärkt uns die Kundschaft."
"Die deutliche Mehrheit der Eltern ist sehr besonnen", beschreibt Bürgermeister Hans Jürgen Wessler die Lage an den Altenbekener Schulen. Die betroffene Grundschule bleibt bis inklusive Dienstag geschlossen. In Buke waren am Mittwoch nur sechs von 76 Kindern in den Kindergarten gekommen, weil ein Kind an Durchfall litt. Da der Darmkeim durch Schmierinfektion übertragen werde, könne sich jeder durch Toilettenhygiene und gründliches Händewaschen vor dem Essen schützen, rät Wessler. Bis auf eine "intensivere Desinfektion" der Toilettenanlagen sind so für das große Viaduktfest am Wochenende auch keine Vorsichtsmaßnahmen geplant. "Der Erreger fliegt nicht durch die Luft", warnt auch Gesundheitsamtsleiter Dr. Georg Alles vor einer Panikmache.
150 Mittagessen aus einer Großküche in NRW
In Bad Lippspringe, wo bereits einige Eltern die Informationspolitik der Einrichtungen monierten, erklärte Fachbereichsleiterin Gabriele Lange im Schulausschuss, dass es entgegen aller Gerüchte weder in einem Kindergarten noch in einer Schule Krankheitsfälle im Zusammenhang mit EHEC gebe.
Indes weist der Malteser Menüdienst in Paderborn darauf hin, dass seine täglich 150 Mittagessen aus einer Großküche in Nordrhein-Westfalen stammen. Die Auslieferer kämen mit den Menüs nicht in Kontakt.