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27.07.2011
PADERBORN
Denkmalschutz für Libori im Visier
Schausteller sehen sich als Erben Jahrhunderte alter Tradition
VON HANS-HERMANN IGGES

Nach dem Frühstück vor dem Karussel | FOTO: HANS-HERMANN IGGES

Paderborn. Was haben chinesische Akupunktur, argentinischer Tango, mediterrane Küche und Libori gemeinsam? Im Moment noch nichts. Aber in nicht allzu ferner Zukunft könnte auch Libori – als eines der zehn größten deutschen Volksfeste – mit Tango und Tapas sich auf der Unesco-Liste des immateriellen Welterbes wiederfinden. Und müsste dann besonderen gesetzlichen Schutz genießen – in welcher Form auch immer.


Die Schausteller vom Liboriberg scheinen damit der Umsetzung ihrer vor einem Jahr zum Liborifest bei der traditionellen Einladung zum Frühstück durch den Paderborner Direktvertreter im Bundestag, Dr. Carsten Linnemann (CDU), erhoben Forderung ein Stück näher. Sehen sie sich doch als Vertreter einer Zunft, die ein Jarhunderte altes Kulturgut pflegt – das deutsche Volksfest. Einer durch Familienunternehmen geprägte Zunft, die sich nach eigenen Angaben durch wirtschaftliche Krisen und behördliche Auflagen aber auch immer mehr in ihrem Fortbestand bedroht fühlt.

Linnemann jedenfalls meldete gestern bei der 19. Auflage des Schaustellerfrühstücks Fortschritt bei den Bemühungen von Bundestagsabgeordneten quer durch die Fraktionen zur Ratifizierung der Unesco-Konvention zum immateriellen Kulturerbe. Die nämlich hat Deutschland – anders als 134 Länder dieser Erde – noch nicht unterschrieben. Erst musste nämlich eine Machbarkeitsstudie der Bundesländer her. "Wenn wir uns nächstes Jahr hier wieder treffen, dürfte die Resolution ratifiziert sein", so der Abgeordnete. "Und dann werden wir darüber reden, wie man die Volksfeste darin aufnehmen kann."

Unmut angesichts erhöhter Standgebühren

Zum Schaustellerfrühstück gehörte jedoch auch – wie immer – die Manöverkritik: Bürgermeister Heinz Paus lobte, dass der Aufbau der Kirmes prima geklappt habe. Und war sich mit Landrat Manfred Müller einig, dass man ein Familienfest wie Libori auch angesichts von Love-Parade-Katastrophe oder Amoklauf von Oslo zwar nie absolut sicher bekomme. Dennoch sei insbesondere durch Optimierung von Flucht- und Einsatzwegen für diesmal noch ein weiteres Plus an Sicherheit erreicht worden. Müller wusste als Leiter der Kreispolizeibehörde denn auch nur von einem "normalen Einsatzgeschehen wie an anderen Wochenenden auch" zum Libori-Auftakt zu berichten.
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Über schlechte Geschäfte in der Saison bis Libori – wie sonst häufiger – klagten die Schausteller trotz gewisser Einbusßen an Regentagen zwar nicht. Allerdings machte man seinen Unmut angesichts der erhöhter Standgebühren deutlich. Die erst im Vorjahr erhöhten Tarife hatte die Stadt ab dieser Saison nochmals angehoben, um den Etat für die Volksfeste auszugleichen. Hans-Otto Bröckling, Sprecher der Paderborner Schausteller: "Für Veranstaltungen wie Hochstift à la carte hat man 40.000 Euro übrig. Für Libori, das allen Geschäften in der Stadt, vom Einzelhandel bis zum Taxigewerbe, Umsätze beschert, nicht. Das ist nicht richtig." Bürgermeister Heinz Paus plädierte angesichts dieser Kritik dafür, die Feste nicht gegeneinander auszuspielen, erinnerte an den gesetzlichen Auftrag, Kosten deckend zu arbeiten sowie daran, dass man das bis dato aufgelaufene Defizit nicht in die neue Gebühreordnung mit einbezogen habe. Allerdings räumte er ein, "den Rat der Schausteller bei der Gestaltung von Satzungsfragen" in Zukunft stärker miteinzubeziehen.

Ungleiches Biergeschäft

Robert Petter, als Schausteller aus Paderborn erstmals auch mit einem Bierausschank auf dem Liboriberg, kommt sich "gelinde gesagt für blöd verkauft vor". Denn:

Für seinen Ausschank zahlt er laut Satzung je Quadratmeter 62 Euro Standgebühr – insgesamt laut Petter rund 5.000 Euro für neun Tage Libori. Seine Nachbarn mit einer "Biergarten"-Lizenz kommen deutlich billiger davon: Hier kostet jeder Quadratmeter gut 21 Euro.

"Die Standgelder sind absolut satzungskonform, aber ungerecht", steht ihm Bethel Thelen, stellvertretender Vorsitzender des Paderborner Schaustellerverbandes, bei und bittet um "Überarbeitung". "Die Grenzen sind doch fließend", sagt er.

Was auch in der Satzung steht: "Schankzelte" kosten nur 4,30 Euro pro Quadratmeter.



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