Der Pauline-von-Mallinckrodt-Preis geht in diesem Jahr an das Projekt "Hand in Hand"
Paderborn. Stille. Dann schnellen die Arme hoch. Und eine Sekunde später kommt auch der Jubel. Thomas Bachhuber ist begeistert. Er und seine Freunde können einen weiteren Sieg verbuchen. Aber dieser Sieg ist anders als alle anderen Siege.
Denn heute haben nicht die Profi-Kicker ihres geliebten SC-Paderborn die Nase vorn – sondern sie selbst. Sie, das sind die 100 Mitglieder der Fan-Gemeinschaft "Hand in Hand", Fans mit und ohne Behinderung, die sich seit drei Jahren im Stadion treffen, um den SC Paderborn anzufeuern. Auf dem Caritas-Tag gewannen sie am Wochenende den mit 5.000 Euro dotierten Pauline-von-Mallinckrodt-Preis.
Passend zum diesjährigen Motto der Preisverleihung "Kein Mensch ist perfekt. Behinderte Menschen: Menschen wie du und ich", hatten sich im Vorfeld 17 Projekte aus dem Erzbistum beworben, die sich der Inklusion von Menschen mit Behinderungen verschrieben haben. Das war wohl keine leichte Entscheidung für die Jury. Die Kicker-Fans setzten sich durch.
Der große Traum von St. Pauli kann endlich wahr werden
In ihrer Laudatio sprach sich Dr. Simone Bell-D’Avis, in der deutschen Bischofskonferenz zuständig für die Seelsorge bei Menschen mit Behinderung, für eine Neubewertung des Lebens aus. "Der Herr über Leben und Tod ist Gott. Dabei ist es egal, wie vermeintlich perfekt oder imperfekt unser Leben sein mag". Sie selbst habe für sich persönlich erkannt, dass ein Schwangerschaftsabbruch aufgrund einer möglichen Behinderung ihres eigenen Kindes nicht in Frage gekommen sei.
Bell-D’Avis rief dazu auf, weitere Anstrengungen zu unternehmen, um Menschen mit Behinderung besser am Alltagsleben teilhaben zu lassen. Weihbischof Manfred Grothe lobte alle 17 eingereichten Projekte. "Sie bezeugen in eindrucksvoller Weise, wie ein offenherziges und unverkrampftes Miteinander aussehen kann."
Für die 100 Mitglieder von "Hand in Hand" begann das Miteinander im Jahr 2009 mit einem Ausflug ins Stadion. Der Besuch eines Heimspiels hatte Mitarbeiter und Bewohner der Caritas Wohn- und Werkstätten in Schloß Neuhaus so begeistert, dass sofort eine Verlängerung geplant wurde. Mittlerweile wissen die Mitglieder von "Hand in Hand" gar nicht mehr genau, wie oft sie schon im Stadion waren. Aber an den Besuch im Berliner Olympia-Stadion kann sich Thomas Bachhuber, der den Preis gemeinsam mit Jutta Welter stellvertretend für alle Mitglieder entgegennahm, noch ganz genau erinnern. Solch ein Auswärtsspiel würden er und seine Freunde gern noch einmal sehen. Ihr Traum: Der Besuch des Spiels gegen St. Pauli in Hamburg. Den könnten sie nun – dank des Preisgeldes – finanzieren. Oder vom Gewinn werden neue Dauerkarten bezahlt. Über die Verwendung des Preisgeldes möchten die Fans nun beraten. "Hand in Hand" teilt sich den Preis mit dem Schützenfest für Menschen mit Behinderung der Briloner St. Erhard-Schützenbruderschaft.
Ein Preis für das Ehrenamt
Mit dem Pauline-von Mallinckrodt-Preis fördert die Caritas-Stiftung ehrenamtliche Caritas-Initiativen im Erzbistum, die sich in besonderer Weise um die aktuelle Jahreskampagne des Wohlfahrtsverbands in Deutschland verdient gemacht haben. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt der Kampagne auf der gesellschaftlichen Integration von Menschen mit Behinderung. Der Preis ist nach der Gründerin der Blindenvorsorge in Paderborn und des Ordens der Schwestern der christlichen Liebe, Pauline von Mallinckrodt, benannt.