Paderborn. Die Augen sind müde, doch die Lippen umspielt ein Lächeln. "In der Fastenzeit", sagt Fikret Rastoder, "schärfen sich die Sinne". Gelassener sei der bosnischstämmige Versicherungskaufmann muslimischen Glaubens in diesen Tagen, sagt er über sich. Es ist früher Abend am neunten Tag des Ramadan. Rastoder sitzt mit Dutzenden Männern, Frauen und Kindern im Islamischen Zentrum Paderborn. Er hat seit knapp 24 Stunden weder getrunken noch gespeist.
Etwa 4.000 Muslime leben im Kreis Paderborn. Die meisten von ihnen, so schätzt Emin Özel, der Sprecher des Rates der Paderborner Muslime, beachten die Vorschriften des heiligen Monats Ramadan und üben sich im Verzicht. Während einige Gläubige Urlaub nehmen, arbeiten andere wie gewohnt weiter. Sie schrauben Autoteile zusammen, kreieren Werbeslogans und addieren Zahlenreihen am Computer – alles mit leerem Magen. Ihre letzte Mahlzeit haben die meisten um kurz vor dem Sonnenaufgang um 4.25 Uhr zu sich genommen, andere warten noch länger auf einen Bissen zu essen und einen Schluck zu trinken. Reda Salem kennt einen Trick, wenn Durst und Appetit zu stark werden: "Dann nehme ich eine kalte Dusche."
Der aus Ägypten stammende Geschäftsführer eines Dienstleistungsbüros fastet mit Freude. Doch jetzt, um 21.09 Uhr, zum Sonnenuntergang, läuft ihm beim Anblick des frischen Brotes das Wasser im Mund zusammen. Die Tische im Islamischen Zentrum sind reich gedeckt: Datteln und Salat, eine kräftige Nudelsuppe und gewürzte Kartoffelecken stehen bereit. Gleich werden sich die etwa 60 Männer und ihre Söhne an die Tafeln setzen und das Fasten brechen, wie sie sagen. Zuvor jedoch ruft der Muezzin zum Abendgebet. Die Männer schreiten in den rechten, die Frauen in den linken Andachtsraum.
Jeder Moslem verantworte allein sein Verhalten
Schwangere und stillende Frauen, kranke und alte Menschen sowie Kinder und Reisende sind vom Fastenmonat Ramadan befreit. Zudem bestehen Ausnahmen für schwer arbeitende Menschen. Da die letzte Gruppendefinition viel Interpretationsspielraum lässt, hat ein Gläubiger generell für jeden Tag zu zahlen, an dem er tagsüber trinkt, isst, raucht oder auch Sex hat. "Er oder sie muss in diesem Fall bedürftigen Mitmenschen eine Mahlzeit finanzieren", sagt Sohail Ahmed aus Pakistan. Jeder Moslem verantworte allein sein Verhalten im Ramadan.
Inzwischen hat der Imam sein Abendgebet beendet. Die Männer und Frauen verlassen ihre Gebetsräume und setzen sich in separaten Speisesälen an die gedeckten Tafeln. "Grundsätzlich stehen die Türen zwischen den Herren- und den Damenzimmern offen", sagt Ilknur Ölmez. Tatsächlich bleibt man unter sich, "da es sein kann, dass manche Frauen zum Essen ihre Kopftücher abnehmen", sagt Özel und schiebt sich eine Dattel in den trockenen Mund.Jeden Abend bereitet eine andere Gastgeberfamilie das Essen vor. Die Ölmez’ können an diesem Dienstag nur schätzen, wie viele Gerichte sie kochen müssen. Denn jeder ist eingeladen, das Fastenbrechen zu zelebrieren – ganz gleich, ob er Muslim oder Christ ist, ob er fastet oder seine gewohnten Mahlzeiten zu sich nimmt. "Im Ramadan", sagt Özel, " stehen die Türen jeder Moschee offen."
Erste Fastenzeit mit zwölf Jahren
Die Männer haben ihr Mahl beendet und sitzen etwas müde um die Tische herum. "Mit der Menge sollte man vorsichtig sein", sagt Schlosser Murat Güven, der Vorsitzende des Islamischen Zentrums.
"Wenn ich zu viel oder zu schnell esse, bläht sich mein Magen unangenehm auf." Die Frauen sind beim Tee angelangt, den sie wie die Männer aus kleinen Gläsern mit viel Zucker trinken. "Ich erinnere mich noch lebhaft an meine erste Fastenzeit", sagt Kinderkrankenschwester Ölmez. Damals war sie zwölf Jahre alt – und neugierig auf die traditionellen muslimischen Gepflogenheiten.
Özel verzichtete erstmals mit elf auf Speis’ und Trank nach Sonnenaufgang; damals noch in der Türkei. Glaubensbruder Güven begann im selben Alter – und hat manchmal geschummelt, wie er lächelnd verrät. "Allerdings so, dass es mein Vater nicht gemerkt hat." Böse wäre er nicht gewesen. Kinder werden vor der Pubertät behutsam an Ramadan herangeführt. "Mein siebenjähriger Sohn fastet bis zum Mittag", sagt Gastgeberin Ölmez, "das muss reichen."
Der Weg zu wahrer Nächstenliebe
Fikret Rastoder aus Bosnien isst selbst nach Sonnenuntergang kaum etwas. Er will abnehmen. Mehr noch strebt er danach, die Begierden zu zügeln, das Ego zu kontrollieren, sich in Geduld, Selbstdisziplin und Demut zu üben. "Du fühlst den Hunger", sagt Rastoder, "und erahnst, wie es denen geht, die wirklich hungern." Im Anschluss an die Fastenzeit zahlen gläubige Muslime die sogenannte Armensteuer, als Brücke zwischen Arm und Reich auf dem Pfad der Spiritualität. Ramadan sei die Zeit der Wiedererkennung des barmherzigen Gottes, heißt es – und der Weg zu wahrer Nächstenliebe.
P.S. @Patriot: Abgesehen vom Internet, welches Sie ja hier genauso nutzen (oder haben Sie Ihre Kommentare via Beam-Funktion geschaltet?): Ich hätte Ihnen meine Meinung auch persönlich ins Gesicht gesagt, hätte die Diskussion auf der Straße statt gefunden! Jederzeit. Ich hätte da kein Problem mit. Warum auch?! Und sicherlich würden es alle Anderen hier genauso tun. Da vergeht Ihnen nun aber das süffisante (nicht schüffisante) Lächeln oder? In diesem Sinne sage ich: non, je ne regrette rien ce que j'ai dit. C'était mon opinion! Finit! (Sicherlich müssen Sie jetzt die Übersetzungsmaschine anwerfen und ich vermute, sie wird Ihnen einen konfusen Satz ausspucken. Ich halte nix von solchen Übersetzungsmaschinen. Kein Wunder, eine Übersetzungsmaschine kann eben nicht mit den Kenntnissen einer Fremdsprachenspezialistin mithalten.)