Podiumsdiskussion zum 30. Geburtstag der Paderborner Initiative gegen Arbeitslosigkeit
Paderborn. Jubiläen, die eigentlich keinen Grund zum Feiern bieten, sind selten. Das dreißigjährige Bestehen der "Paderborner Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit Pigal e.V." ist eines dieser wenigen.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge beging der Verein sein Jubiläum. Lachend, weil es ihm gelungen ist, trotz Sparmaßnahmen 30 Jahre durchzuhalten. Weinend, weil es ihm nicht gelungen ist, seine Arbeit überflüssig zu machen.
Seit 1981 betreute Pigal rund 4.000 Langzeitarbeitslose. Die gemeinnützige Initiative bietet neben Schuldner- und Insolvenzberatung sechsmonatige Brückenjobs für Arbeitslosengeld II-Empfänger. Doch Monika Többe-Schukalla, Professorin an der Katholischen Hochschule, reicht das noch lange nicht: "Die Betroffenen werden in prekäre Arbeitsverhältnisse vermittelt. Leih- und Zeitarbeit bieten weder Aufstiegsmöglichkeiten noch Schutz vor Altersarmut." Ein Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit durch Teilzeitarbeit könne nicht das Ziel des Vereins sein, so Többe-Schukalla.
DGB-Regionalchefin Astrid Bartols stimmte in die Kritik ein. "Die Zunahme von Leiharbeit und schlechten Löhnen ist ein Skandal. Wir verkommen zu einer Gesellschaft, die Menschen in unsicheren Verhältnissen leben lässt", prangerte sie an. Daher ihr Appell an Arbeitsagentur und Jobcenter Paderborn: "Keine Leiharbeitsvermittlung unter einer bestimmten Lohnuntergrenze!"
CDU-Bundestagsabgeordneter Dr. Carsten Linnemann hält die Arbeit des Vereins auch weiterhin für unverzichtbar. Viele Langzeitarbeitslose seien momentan nicht in eine Regelbeschäftigung vermittelbar.
Die Integration in den ersten Arbeitsmarkt schaffe Stabilität und stärke das Selbstwertgefühl. Linnemann lobte die gute Zusammenarbeit der beteiligten Einrichtungen vor Ort und sicherte seine Unterstützung auch für die kommenden Jahre zu. Hans Werner Gailus, Geschäftsführer des Jobcenters blickte vorsichtig optimistisch in die Zukunft: "Wir gehen davon aus, dass die Förderprojekte im nächsten Jahr zumindest auf gleichem Niveau bleiben."
Ein ernüchterndes Resümee der jahrelangen Arbeit zog Günter Bitterberg, ehemaliger AWO-Kreisvorsitzender: "Das Ergebnis ist recht bescheiden." Der Verein benötige dringend staatliche Hilfe, um gute Projekte zu stemmen. "Nur so können wir unser Ziel, uns selbst überflüssig zu machen, auch erreichen", sagte Bitterberg mit einem ungewissen Blick in die Zukunft - nicht nur für Pigal.