Paderborn. Wenn ganz normale Frauen ein minutenlanges, ohrenbetäubendes Kreischen von sich geben und sich nicht mehr auf ihren Stühlen halten können, nach zerrissenen Achselhemden grapschen, als wären es 100-Euro-Scheine und geradezu darum betteln, auf die Bühne gezogen zu werden – dann kann das nur eins bedeuten: Die Chippendales sind in der Stadt.
Mit dem Wort Ausnahmezustand lässt sich wohl am besten beschreiben, was am Freitag Abend in der Paderhalle los war. Schuld daran waren zehn braungebrannte, durchtrainierte Männer, die dem ausschließlich weiblichen Publikum mit ihren Gesangs-, Tanz-, Show- und Stripeinlagen ordentlich einheizten.
Über mangelnde Abwechslung konnten sich die Anwesenden nicht beschweren, bemühten sich die Chippendales doch, im Laufe ihres zweieinhalbstündigen Auftritts jede nur erdenkliche Frauenfantasie zu befriedigen. Mal kamen sie als Bauarbeiter, Feuerwehrmänner oder Formel 1-Fahrer verkleidet auf die Bühne, mal schlüpften sie in ein Vampir-, Arzt- oder Polizisten-Outfit – natürlich mit dem Ziel, sämtliche Kleidungsstücke so elegant und schnell wie möglich wieder los zu werden, was das Publikum mit ausgelassenen Jubelschreien belohnte.
Bis auf die Unterwäsche strippen
Unangefochtener Star des Abends war Blondschopf Billy Jeffrey. Mit seinen blauen Augen hatte es der 1,82-Meter-Mann den Frauen dermaßen angetan, dass er nur die Handschuhe seines schneeweißen Marineoffizier-Kostüms ausziehen musste, um sie in Ekstase zu versetzen. Als er sich schließlich zu Enrique Iglesias' Schmacht-Ballade "Hero" mit den Fingern durch die Haare fuhr, war es endgültig um das Publikum geschehen. Die im Hintergrund an die Wand projizierte Freiheitsstatue mit brennender Fackel machte den amerikanischen Traum perfekt.
Schade war allerdings, dass der erste Teil der Show im Großen und Ganzen aus solchen eintönigen Einlagen bestand: Rauf auf die Bühne, im Rhythmus der Musik tanzen und bis auf die Unterwäsche strippen, runter von der Bühne. Gelegentlich kamen zwar von den Chippendales ausgewählte Frauen dazu, die ihnen dabei behilflich sein durften oder angetanzt wurden. Und hin und wieder wurden auch die bereits erwähnten Achselhemden ins Publikum geworfen oder die Jungs hüpften in den Saal, um ihre begeisterten Fans zu umarmen und zu küssen.
Wirklich unterhaltsam wurde es aber trotzdem erst nach der 20-minütigen Pause, denn ab diesem Zeitpunkt brachten die Chippendales echte Partystimmung und wirklich witzige Programmpunkte auf die Bühne – was sicher auch an den spritzigen Frauen aus dem Publikum lag, die dabei mitmachen durften. Da war zum Beispiel eine etwas ältere Dame, die entgegen der Erwartung aller nicht die geringsten Hemmungen hatte, mit einem Chippendale auf Tuchfühlung zu gehen. Oder die Herzblatt-ähnliche Kuppelshow "Chipp-Shot", in deren Rahmen drei Frauen um die Wette tanzen und Kondome über Bananen ziehen mussten, um einen Tanz mit dem geheimnisvollen Chippendale hinter der Schattenwand zu gewinnen.
Groupies haben gute Chancen auf einen Chippendale
Für wahre Begeisterungsstürme sorgte schließlich das Mini-Konzert der Chippendale-Band, die die Paderhalle mit ihren live gesungenen Bon Jovi-Covern "Livin' on a prayer" und "It's my life" endgültig zum Kochen brachte. Anschließend stürmten die Jungs ein letztes Mal den Saal, um mit ihren Fans zu "Paparazzi" von Lady Gaga und "Party Rock Anthem" von LMFAO zu feiern, bevor sie sich mit einer Cowboy-Strip-Nummer verabschiedeten.
Bis zum äußersten gingen sie dabei allerdings nicht. Aber vielleicht hatte der ein oder andere Groupie zu späterer Stunde trotzdem noch die Gelegenheit, einen Chippendale in voller Pracht zu bewundern. Schließlich machten die Jungs keinen Hehl daraus, dass sie ab Mitternacht im Capitol Musiktheater sein und sich über Gesellschaft freuen würden.