Paderborn. "Meine Name ist Hase und ich weiß von nichts"heißt es für die Paderborner Bürger, wenn es um die Kaninchenjagd im Stadtgebiet geht. Auf Friedhöfen, Sportplätzen und in Kleingartensiedlungen wird scharf geschossen, wenn es darum geht, die Nager-Plage in Schach zu halten. Wann und wo ein Jäger in Paderborn zur Kaninchenjagd aufbricht, erfahren Anwohner und Spaziergänger oft erst, wenn es in ihrer unmittelbaren Nähe ordentlich knallt.
Was hoppelt denn da?
Kaninchen sind zum Abschuss freigegeben – Hasen jedoch nicht. In großen Kolonien leben Kaninchen zusammen. Im Gegensatz dazu sind Hasen echte Einzelgänger. Auch vom Körperbau unterscheiden sich die Tiere. Groß und schlank ist der Feldhase, der als flinker Langstreckenläufer vor seinen Feinden fliehen kann. Das Wildkaninchen hat einen eher rundlichen und gedrungenen Körperbau und ist als Kurzstreckenläufer bekannt. Beine und Ohren sind bei ihm kürzer als beim Hasen.
Völlig überrumpelt fühlten sich auch Michaela Wecker und Karsten Prior, als sie mit ihren beiden Beagles zum gemeinsamen Abendspaziergang in der Nähe des Rothesportplatzes aufbrachen. "Wir erkannten mindestens vier Jäger in Uniform, die sich, ausgestattet mit Gewehren, am Überlaufbecken des Rothebachs zusammengefunden hatten. Einer von ihnen trug schon ein totes Kaninchen mit sich", erzählt Wecker verärgert.
Der Rothesportplatz gehört zum Paderborner Stadtgebiet "Heide" und zählt als Wohnsiedlung innerhalb der Kernstadt zu einem sogenannten befriedeten Gebiet. Die Jagd ist innerhalb dieser Flächen nur in Ausnahmefällen und mit Sondererlaubnis gestattet.
Schrot ist erlaubt
"30 Jäger verfügen im Stadtgebiet Paderborn über eine dieser Sondergenehmigungen. Ihre Aufgabe ist die Schädlingsbekämpfung", erklärt Heiner Bühlbecker von der unteren Jagdbehörde des Kreises Paderborns. Selbstständig teilen die Jäger die Bezirke untereinander in verschiedene Zuständigkeitsbereiche auf.
"Wildkaninchen dürfen das ganze Jahr über gejagt werden. Ausgenommen ist die Aufzuchtzeit der Tiere", sagt Bühlbecker. Und ist diese vorüber, darf mit Schrot scharf geschossen werden. "Niemand darf gefährdet werden, das hat oberste Priorität. In Schussrichtung muss die Fläche frei und menschenleer sein. Sollten die Jäger sich nicht an diese wichtige Vorgabe halten, verlieren sie ihren Jagdschein", betont Bühlbecker.
"Als die Schüsse durch die Luft peitschten, hab ich die Polizei angerufen. Es waren viele mit ihren Hunden unterwegs, auch Jogger und Kinder spielen dort im Dickicht oft verstecken. Während ich mit der Polizei telefoniert habe, hat es immer wieder geknallt", erzählt Wecker. Maßlos ärgerte sich die junge Frau dann auch über die Antwort der Ordnungshüter. Diese teilten ihr mit: "Die Jagd sei angemeldet und die Jäger müssten lediglich die Richtung im Auge behalten, in die sie schießen."
Auftraggeber ist die Stadt Paderborn
"Die Polizei weiß über die Aktivitäten der Jäger Bescheid, und solange sie im Besitz der Sondererlaubnis sind, ist es legal auf die Kaninchen zu schießen", erklärt Ulrich Krawinkel, von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde Paderborn. Auftraggeber der wilden Kaninchenjagd ist die Stadt Paderborn. "Im letzten Jahr waren die Untertunnelungen im Bereich von Sportplätzen durch Kaninchen so stark, dass Verletzungsgefahr bestand. Die Tunnel hätten beim Betreten einbrechen können. Wo und wie so ein Bau verläuft, sieht ja auch niemand von außen", erklärt Detlev Bielefeld, vom Amt für Grünflächen, warum die Stadt die Jagd freigegeben hat.
Für Michaela Wecker und ihren Lebensgefährten hat das Erlebnis beim Feierabendspaziergang einen bitteren Beigeschmack. "Mir ist egal, wenn im Wald gejagt wird, dort gibt es wenigstens Hinweisschilder. Ich hab es in Paderborn immer für pure Entspannung gehalten, sicher und gemütlich mit meinen Hunden spazieren gehen zu können, aber jetzt wurde ich eines besseren belehrt", resümiert sie.