Paderborn. Zufriedene Gesichter im Paderborner Jobcenter kurz vor Weihnachten: Gestern bedankten sich Geschäftsführer Hans-Werner Gailus und Stellvertreter Hermann-Josef Bentler beim Paderborner CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Carsten Linnemann für sein politisches Wirken. Das nämlich macht den Einsatz von Langzeitarbeitslosen im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes nun attraktiver.
Denn: Ab 1. Januar sind Langzeitarbeitslose, die sich für sechs bis 24 Monate zu einer Tätigkeit im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes entscheiden, damit nicht nur sozialversicherungspflichtig beschäftigt und krankenversichert, sondern dürfen von den monatlich 330 Euro Taschengeld, die sie von ihrer Einsatzstelle bekommen, immerhin 175 Euro zusätzlich zu den Leistungen vom Jobcenter behalten. Bisher blieben nur 60 Euro zusätzlich für die 30 bis 40 Stunden Arbeit pro Woche übrig - finanziell nicht unbedingt ein Anreiz.
Von Anfang an hatte man sich beim Paderborner Jobcenter dafür ausgesprochen, Langzeitarbeitslosen als Bundesfreiwilligen neue Chancen auf einen dauerhaften Job zu ermöglichen - denn immerhin sind die Träger von Freiwilligenstellen dazu verpflichtet, den Zivildienst-Nachfolgern auch theoretische Zusatzqualifikationen zu vermitteln. Als Carsten Linnemann, der im Sozialausschuss des Bundestages sitzt, im Frühling jedoch den Vorschlag machte, im Rahmen des neuen Bundesfreiwilligendienstes auch Arbeitsmöglichkeiten für Hartz-IV-Bezieher zu schaffen, da hagelte es zunächst Kritik. "Viele wollten mich damals offenbar falsch verstehen, indem eine Art Zwangsarbeit daraus gemacht wurde," so der Bundestagsabgeordnete gestern. "Die Freiwilligkeit stand aber nie in Frage."
Schon 18 ehemals Langzeitarbeitslose hat das Jobcenter Paderborn aktuell in den Freiwilligendienst vermittelt. Darunter als eine der ersten die Paderbornerin Ellen Gudowius (32): Als Hausfrau und Mutter hatte sie bisher keine Gelegenheit, eine Ausbildung zu machen. Seit 1. Juli ist sie für neun Monate im Haus Pauline von Mallinckrodt in der Altenpflege beschäftigt. Für die Zeit danach hat sie dort sogar schon die Zusage auf einen regulären Ausbildungsplatz mit guten Aussichten auf dauerhafte Beschäftigung danach - für Jobcenter-Chef Hans-Werner Gailus ein Paradebeispiel. Er schätzt das Potenzial im Kreis Paderborn auf 50 bis 70 Personen, die so eine Chance aus der Arbeitslosigkeit zu kommen, erhalten könnten. Er hofft auch auf mehr Stellen in Bereichen wie der Landschaftspflege, wo eher einfache Tätigkeiten gefragt sind.
Dr. Carsten Linnemann: "Jetzt kommt es darauf an, die Möglichkeiten bekannter zu machen. Bundesweit könnten so mittelfristig 5.000 Langzeitarbeitslose ihre Chance bekommen." Jobcenter bundesweit sähen sich die Entwicklung in Paderborn genau an, so Hermann-Josef Bentler gestern. Alle Mitarbeiter in Paderborn seien inzwischen fit für konkrete Beratungsgespräche mit Interessenten.