Thorsten Klahold lässt in einer Fabrikhalle am Vorderflöß amerikanische Musikclub-Atmosphäre aufkommen
Bad Lippspringe. Den Stil seines zukünftigen Musikclubs verkörpert Thorsten Klahold ein Stück weit persönlich: Schlägermütze über glatt nach hinten gegelten Haaren, schwarz umrandete Brille und breit ausgestellte Koteletten. In seinem "Johnny’s" im Bad Lippspringer Industriegebiet Vorderflöß will er im neuen Jahr die 1950er und 60er Jahre aufleben lassen – mit handgemachter Musik in einer stilechten Atmosphäre.
Die Fabrikhalle hat der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann (Klahold Ledertrends/Südring) schon vor einigen Jahren erworben. Mieter haben sich hier erfolglos mit Discos für Briten und "Russen" versucht. Der 38-jährige Unternehmer nennt seinen Start ein "Hobby und Experiment", in das er investiert. "Meine Frau und ich sind früher zu Konzerten gezogen", sagt der Vater eines vierjährigen Sohnes: "Mit dem geht das nicht mehr, also holen wir die Musik zu uns."
Die Bands hat der Bad Lippspringer für ein dreiviertel Jahr im voraus selbst verpflichtet. Er kennt die Musiker selbst von der Bühne oder lernt sie über Freunden kennen. Sie kommen aus Paderborn, wie zur Eröffnung am Samstag, 7. Januar, "Poundshot" (Power-Rock) und "54 Nailhead" (Hardbilly Rock’n’Roll). Oder haben "noch nie in der Region gespielt", so Klahold. Einmal im Monat, in der Regel am ersten Samstag, soll das "Johnny’s" all jenen Fans von 18-70 Jahren eine Heimat geben, für die gute Musik mit Gitarre, Bass und Schlagzeug handgemacht ist.
Den 300 Quadratmeter großen Raum dafür hat der Unternehmer entsprechend ausstaffiert. Im Rücken der Bühne steht eine Wand in der Klinker-Optik US-amerikanischer Clubs. Die Seitenwände zieren Blechschilder, die Marken erzeugt haben. Großformatige Portraits zeigen Helden der Rock’n’Roll-Geschichte. Wer nicht im Hauptraum an Ölfässern sein Bier trinken will, kann sich in einen abgetrennten Clubraum zurückziehen und aus Cadillac-Sofas durch Glasscheiben die Musiker auf der Bühne im Blickfeld behalten – und das Publikum. "Hier kann auch Lindy Hop getanzt werden", sagt Klahold. Nach den Live-Auftritten beginnt die After-Show-Party.
"Wir möchten den weißen Fleck auf dieser musikalischen Landkarte tilgen", sagt der 50er-Jahre-Fan über seinen Anspruch. Das Geld, das er in Ausstattung und Technik investiert hat, wollten Klahold und seine Frau Kristina (30) ursprünglich in einen schicken US-Oldtimer stecken. Nun riskieren die beiden etwas. "Nach 12 Monaten machen wir einen Strich drunter", umreißt der Chef die Perspektive: "Wenn die Zahl schwarz ist, geht es weiter – bei Rot war es ein schönes Jahr."