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06.01.2012
Künstliche Augenlinsen für Afrika
Bielefelder Augenärztin Alexandra Planert behandelt in Ghana ehrenamtlich
VON SUSANNE BARTH

Mit einfachsten Mitteln | FOTO: NW

Paderborn/Oyoko. Schwere Infektionen, grauer und grüner Star: Meist sind die Erkrankungen, die die Augenärztin Alexandra Planert behandelt, weit fortgeschritten. Denn die Bielefelder Ärztin arbeitet nicht nur in Deutschland, sondern behandelt auch afrikanische Patienten. Für den Internationalen Verband Westfälischer Kinderdörfer Paderborn (IVWK) reiste sie für zehn Tage in die Steinhagen-Woerden-Augenklinik nach Ghana.

Sobald es sich herumspricht, dass die "German Doctors" da sind, pilgern hunderte Ghanaer in die Augenklinik nach Oyoko nahe der Millionenstadt Kumasi. Denn einen Augenarzt, der sich permanent um die Krankheiten der Afrikaner kümmert, gibt es dort nicht. So ist die Klinik auf die Ärzteteams aus Deutschland angewiesen, die mehrmals im Jahr für ein paar Tage vor Ort sind.

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Künstliche Augenlinsen und medizinische Instrumente hatte das Ärzteteam, bestehend aus Alexandra Planert aus Bielefeld, Karsten Paust aus Bonn und Hans-Christian Brüggemann aus Bergisch-Gladbach, im Gepäck, als es zusammen in die Augenklinik nach Ghana reiste – ehrenamtlich und auf eigene Kosten. "Viele Patienten, die zu uns kommen, sehen praktisch nichts mehr", sagt Planert. Sie sind im Alltagsleben eingeschränkt, müssen geführt werden, können keinen Beruf mehr ausüben. "Die Familienstrukturen brechen auseinander", sagt die Ärztin. "Und ein Land wie Ghana ist nicht darauf vorbereitet, diejenigen, die Erblinden, sozial aufzufangen."

Wichtige Geräte fehlen

In der Augenklinik, die durch das Bürgerkomitee Steinhagen und zahlreiche Spenden 1989 entstand, ist das Arbeiten anders als in Deutschland. Wichtige Geräte fehlen. So wird die häufigste Augenkrankheit, der Graue Star, in Ghana nicht mithilfe eines Ultraschallgeräts behandelt.

Paust muss jedes Mal einen großen Schnitt machen, um die eingetrübte Linse zu entfernen. In Deutschland operiert er schonender, doch High-Tech-Medizin gibt es hier nicht. Trotzdem fällt die Bilanz positiv aus: "50 Patienten konnten wir das Augenlicht wiedergeben. Nach der Operation sind sie wieder in der Lage, tägliche Dinge selbst zu verrichten. Sie können Essen zubereiten und sogar wieder auf dem Feld arbeiten."

Obwohl die Ärzte ehrenamtlich nach Ghana reisen, ist die Behandlung nicht kostenlos. Dennoch versuchen die Ärzte laut Dieter Halle, Ehrenvorsitzender des Bürgerkomitees Steinhagen, alle Patienten zu behandeln, "ob mit oder ohne Geld". Für die armen Patienten gibt es einen Hilfsfonds.

"Alle sollen eine Chance haben"

Das ist für Halle, der das Projekt mit 37 Ehrenamtlichen aus Deutschland und den Niederlanden aufgebaut hat, das Wichtigste: "Alle sollen eine Chance haben." Die Einnahmen aus der Klinik werden für das benachbarte Kinderdorf gebraucht. Dort leben mehr als 50 Kinder zusammen und brauchen Essen, medizinische Versorgung und eine Schulbildung.Morgens um 8 Uhr geht es in der Augenklinik los – der letzte Patient geht erst in der Nacht. Sind die "German Doctors" wieder in der Heimat, erhalten Augenpfleger den Betrieb in Oyoko am Leben. Sie verordnen Brillen, erstellen Diagnosen und verabreichen Medikamente. Es ist eine große Hilfe, ersetzt aber nicht die Ärzte. Planerts Motivation, in Afrika zu arbeiten, ist, dass sie Menschen helfen kann. "Ich hab in meinem Leben viel Glück gehabt, und etwas davon möchte ich in andere Regionen bringen."

14 Stunden am Tag unentgeltlich im Einsatz

Vor wenigen Tagen brach ein neunköpfiges medizinisches Team aus Ostwestfalen und dem Münsterland zu einem ehrenamtlichen chirurgischen Einsatz im Norden der Philippinen auf. Das Benefizprojekt steht unter der Leitung von Intensivarzt und Anästhesist Edgardo Navarro. Der Mediziner arbeitet nach seinem Eintritt in die Altersteilzeit weiter an seinem angestammten Arbeitsplatz auf der Intensivstation im Sankt-Vinzenz-Hospital in Rheda-Wiedenbrück für die finanzielle Ausstattung seiner Navarro-Mallari-Stiftung.

Navarro ist gebürtiger Filippo. Er kennt sein Land und die medizinische Infrastruktur. Der Einsatzort des OWL-Teams liegt in der Provinz Benguet auf der Hauptinsel Luzon. Dort warten mehr als 100 Patienten. Sie gehören zu den Ärmsten: Menschen, die ohne den humanitären Einsatz nicht operiert werden könnten. Für sie gibt es keine Krankenkassen und staatlichen oder karitativen Stellen, die den finanziellen Aufwand derartiger operativer Eingriffe abfedern würden. Navarro leistet aus Mitteln seiner Stiftung und weiterer Geldspenden einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung der Operationsmaterialien. Das St.-Elisabeth-Hospital Gütersloh machte das Verbrauchsmaterial für die Operationen mit einer umfangreichen Sachspende komplett.

Die Mitarbeiter des Einsatzes tragen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Flüge selbst. An sechs Operationstagen stehen sie jeweils oft 12 bis 14 Stunden unentgeltlich im Einsatz.



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