Mehrheitlich positives Echo auf das Angebot zur Rekommunalisierung von Eon Westfalen Weser
Paderborn. "Im Grunde fühlen wir uns als Stadtwerke." Das sagte Henning Probst, Vorstandsvorsitzender von Eon Westfalen Weser schon vor genau drei Jahren, zum 100. Geburtstag des Paderborner Vorgänger-Unternehmens von Eon, der Pesag. Bald könnten, was bisher niemand so schnell für möglich gehalten hätte, die betriebswirtschaftlichen Fakten mit seinem Gefühl tatsächlich überein stimmen.
Überrascht zeigten sich gestern Paderborns Kommunalpolitiker, nachdem sie am Morgen die Tageszeitung studiert hatten: Die Neue Westfälische berichtete vom Angebot der Eon Energie AG an 35 Kommunen, ihren 63-Prozent-Anteil an Eon Westfalen Weser zusätzlich zu den ohnehin schon 37 kommunalen Prozent zu übernehmen. Davon hatte in Paderborn nur einer gewusst: Bürgermeister Heinz Paus war mit Herfords Bürgermeister Bruno Wollbrink nach eigener Auskunft erst vor zehnTagen mit dem Angebot konfrontiert worden. Beide Städte halten mit zusammen 21,2 Prozent den größten kommunalen Anteil. In einem abgestuften Verfahren, so Paus, habe man geplant, gestern Kommunen, Eon-Mitarbeiter, Öffentlichkeit und Kommunalpolitiker zu informieren. Eine Strategie, die durch die Veröffentlichungen durchkreuzt wurde, was wiederum manchen der Beteiligten vor den Kopf stieß.
Markus Mertens, CDU-Fraktionsvorsitzender, begrüßte wie Landrat Manfred Müller – der Kreis hat zwei Prozent Anteile – grundsätzlich die Aufnahme von Sondierungsgesprächen zur Rekommunalisierung. Aber: "Das Angebot muss genauestens auf den Prüfstand." Ohne eine enge Partnerschaft in der Region gehe es nicht, um das Beste dabei heraus zu holen. Mertens: "Ein solcher Prozess kann auch Chancen bieten. Gute Beratung von außen ist aber unerlässlich."
Franz-Josef Henze, Fraktionschef der SPD, die sich schon vor Jahren für eine Rekommunalisierung der Energieversorgung eingesetzt hatte, nannte das Angebot "verlockend". Man müsse aber genau prüfen, was die Netze heute wert seien. Bei FDP-Sprecher Karsten Grabenstroer, Koalitionspartner der CDU im Rat, klang angesichts des klammen Haushalts wenig Begeisterung mit: "Wenn es heißt, wir sollten die Chance entschlossen nutzen – was sollen wir da sonst machen?" Auch Dr. Klaus Schröder (Grüne) mochte sich noch nicht auf eine eindeutige Meinung festlegen. "Das ist schon eine abrupte Wende von Eon", kommentierte er. Positiv überrascht reagierte indessen die Demokratische Initiative (DIP). Fraktionsvorsitzender Reinhard Borgmeier: "Schneller als erwartet ergibt sich die Möglichkeit, einen strategischen Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Der Rat sollte sich umgehend mit dem Thema beschäftigen. Ein erster Schritt sollte die Kündigung des Wasservertrages mit Eon sein, damit es nicht in die Verhandlungen einbezogen wird." Hartmut Hüttemann, als Fraktionschef der Freien Bürgerinitiative (FBI) schon seit dem Verkauf der Stadtwerke an die Pesag vor über zehn Jahren ein erklärter Gegner der Privatisierung, nannte die eingeschlagenen Richtung richtig. Es sei allerdings die Frage, ob man die Herausforderung finanziell stemmen könne. Hüttemann: "Wenn wir schon früher mit der Rekommunalisierung begonnen hätten, dann wären wir jetzt besser dafür aufgestellt."
Auch die Mitarbeiter von Eon Westfalen Weser (500 in Paderborn) erfuhren die Neuigkeit aus den Medien. "Das fand mancher nicht so gut," so Betriebsratsvorsitzender Norbert Kienast. Der Vorschlag wecke aber keine zusätzliche Unruhe. Das Netzgebiet wie schon diskutiert in seine früheren Teile zu zerlegen, biete wohl kaum wirtschaftliche Vorteile. Kienast: "Aber wenn es sein muss, kriegen wir auch das hin."