Genug Übernachtungsplätze für Obdachlose / Auf dem Kahnteich ist Schlittschuhlaufen nicht erlaubt
Paderborn. Gegen den Frost hilft kein Zittern, weiß der Volksmund. Ganz warm anziehen, lautet also die Devise - vor allem in diesen Tagen, wo der Winter auch die Domstadt mit zweistelligen Minusgraden im Griff hält. Autobatterien hauchen ihr Leben aus, alte Heizungen schwächeln, Wasser gefriert in den Leitungen.
"Ganz klar, wir haben jetzt jede Menge zu tun", seufzt Paul Knocke, Innungsobermeister Heizung und Sanitär: "Die Heizungen arbeiten an ihrer Grenze und so manche fällt dann aus." Die Anlagen seien für Außentemperaturen um minus 12 Grad konzipiert - "und die haben wir jetzt". Vor allem ältere Systeme, die nicht regelmäßig gewartet werden, machten Probleme. Einen 24-Stunden-Service bietet zwar nicht jeder Betrieb an, das kann vom Kunden in der Regel aber per Anrufbeantworter in Erfahrung gebracht werden. "Es erfriert keiner, wenn die Heizung nachts mal nicht läuft", beruhigt Knocke.
Günter Lintemeier, Sozialarbeiter beim Sozialdienst Katholischer Männer (SKM), kennt sogar Menschen, die bei diesen frostigen Temperaturen im Freien schlafen: "Einzelne Obdachlose lehnen das Übernachten in Gemeinschaftsunterkünften grundsätzlich ab." Bis 17 Uhr können sie sich in der SKM-Tagesstätte aufhalten - dann geht’s zurück auf die Straße.
In der städtischen Übernachtungsstelle in der Wollmarktstraße, die abends um 18 Uhr öffnet, sind aktuell nur 9 von 30 Betten belegt. Platz gibt es also genug. Im KIM-Jugendcenter, wo junge erwachsene Drogensüchtige eine Schlafstelle bekommen, sind ebenfalls noch viele der 20 Plätze frei. "Das ist erstaunlich", sagt Günter Helling aus der KIM-Geschäftsleitung, der bereits Krisenbetten hatte bereitstellen lassen: "Wir sind jedenfalls gewappnet."
"Wenn es für obdachlose Menschen gefährlich wird, weil beispielsweise Alkohol im Spiel ist, dann greifen wir ein und bringen den Betroffenen in eine geheizte Zelle", sagt Michael Biermann, Sprecher der Paderborner Polizei. Im B.O.S.S.-Büro weiß man, dass die "Unbelehrbaren" beispielsweise in der Zentralstation nächtigen: "Da ist es wenigstens relativ lwarm."
In Sachen Straßenverkehr verzeichnet die Polizei angesichts der Kälte bislang keine größeren Probleme. Bei Schneefall wie am Freitagnachmittag seien die Autofahrer meist vorsichtig und passten auf. "Stellenweise Raureif am Morgen ist viel gefährlicher", sagt Biermann. Er appelliert an die Autofahrer, bei Frost alle Scheiben frei zu kratzen: "Rundumsicht muss sein". Sonst kann’s nicht nur gefährlich, sondern teuer werden.
Apropos Tipps. Eon Westfalen-Weser rät, kein Kellerfenster geöffnet zu lassen, um das Einfrieren von Leitungen und Wasserzählern zu vermeiden. Und der Stadtreinigungs- und Abfallentsorgungsbetrieb empfiehlt, Obst- und Gemüsereste in Papier zu wickeln, damit sie nicht in der Biotonne festfrieren.
Gefroren ist, zumindest oberflächlich, bereits der Kahnteich, der allerdings nicht mehr zum Schlittschuhlaufen freigegeben wird, seit es die Eisbahn Mönkeloh gibt. Es ist sogar verboten, dort die Kufen zu schwingen. Die Stadt will für die Pflege der Eisfläche aus Spargründen nichts mehr aufbringen, sagt Pressesprecher Jens Reinhardt. Man habe das Eis mehrmals täglich prüfen und Sicherheits-Personal bereitstellen müssen.