Paderborn (JS). Auch wenn im Saal 205 des Landgerichts Paderborn jeden Donnerstag und Freitag fast 30 Frauen und Männer mit dem so genannten PFT-Umweltskandal beschäftigt sind, ist eine Lösung des Falles noch in weiter Ferne. Schließlich gestaltet sich die Anhörung der Zeugen als äußerst aufwändig.
Am Freitag beendete die 2. Große Strafkammer die viele Stunden währende Vernehmung eines belgischen Umweltinspektors – aber nur vorläufig. Denn der Experte, der 2006 und 2007 die Ermittlungen im Nachbarland begleitet hatte, werde nochmals zu diversen Komplexen gehört werden müssen, kündigte das Gericht an. Stoff zum Nachdenken hat der Umweltinspektor den Prozessbeteiligten doch bereits reichlich mit auf den Weg gegeben.
Anscheinend hat die flämische Firma Orinso, über die die Borchener GWU Klärschlämme bezog, für die unterschiedlichsten Unternehmen die Entsorgung der anfallenden Abfälle organisiert. Unter ihnen war die belgische Dependance der Degussa ebenso wie Kosmetikherstellerin Estèe Lauder, Latexproduzent Artilat oder Hygieneartikelerzeuger Kimberly-Clark.
Eine Aufsicht, die die Begleitpapiere der Abfalltransporte innerhalb Belgiens kontrolliere, werde erst seit April 2006 durch die Umweltinspektion durchgeführt, klärte der flämische Beamte auf. Damals habe man einen "schlampigen Umgang" mit den europaweit gültigen Codes festgestellt, mit denen die Abfälle als "verwertbar" oder als "zu beseitigen" klassifiziert werden.
Dass die perfluorierten Tenside, die in Nordrhein-Westfalen Äcker, Bäche und Flüsse verunreinigten, aus Belgien stammten, dafür habe er keine Beweise gefunden, teilte der flämische Umweltinspektor mit. Und er habe auch keine Kenntnisse über ihren Ursprung, beantwortete er eine Kernfrage des siebten Verhandlungstages und brachte damit die Vorsitzende Margret Manthey zum Schmunzeln. "Das hätte mich auch verwundert", sagte diese. Das herauszubekommen sei schließlich die Aufgabe des Gerichts.
















