Paderborn. Bei der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold ist man mit dem Geschäftsjahr 2011 laut Vorstandschef Dr. Ulrich Bittihn "mehr als zufrieden". Entsprechend können die 98.400 Mitglieder der Genossenschaft – 3.000 mehr als vor einem Jahr – mit 5,5 Prozent Dividende auf ihre Anteile rechnen. 2010 hatte es wegen besonders guter Erträge noch eine um einen Prozentpunkt höhere Sonder-Dividende gegeben. Klar sei aber schon jetzt, dass der Neubau der Zentrale in Paderborn der Rentabilität nicht geschadet habe, so Dr. Bittihn.
Die größte ostwestfälisch-lippische Genossenschaftsbank gab gestern vor Medienvertretern ihre Bilanzsumme für 2011 mit "fast 4 Milliarden Euro" an. Das entspreche einem Wachstum von 5 Prozent. Man rechne mit 11,1 Millionen Euro Gewinn , 800.000 Euro weniger als im Vorjahr. Etwa ein Prozent der Bilanzsumme mache die Übernahme des regionalen Privat- und Firmenkundengeschäfts der Bankverein Werther AG mit Niederlassungen in Werther und Bielefeld (7.000 Kunden) aus. Die Summe der Kundeneinlagen sei um 3,7 Prozent auf 3 Milliarden Euro gewachsen, die der Kundenkredite sogar um 6 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Bankchef Bittihn stolz: "Das heißt, dass wir für die Refinanzierung bis auf das klassische Förderkreditgeschäft keinen Euro Fremdkapital aufnehmen. Unsere Erträge schöpfen wir allein aus der Realwirtschaft und nicht aus Spekulationsgeschäften."
Besonders stark, nämlich um 10 Prozent habe die Summe der Kredite an mittelständische Unternehmen zugelegt, während das Kreditgeschäft mit Privaten ein Volumen von einer Milliarde Euro (plus 3,7 Prozent) erreicht habe. Allein 187 neue mittelständische Kunden seien im letzten Jahr gewonnen worden. Dr. Ulrich Bittihn: "Der Mittelstand und die Privatkunden tragen uns."
Dass derzeit mit 146 Millionen Euro nur drei Millionen Euro weniger an Kreditzusagen offen seien, deutete Bittihn als gutes Konjunktursignal: "Die Auftragsbücher der Wirtschaft sind voll." Entsprechend setzt man bei der Volksbank – nicht zuletzt mit Blick auf Spitzencluster-Projekte und die Zukunftsmeile Fürstenallee (wir berichteten) – auf eine weiterhin positive Entwicklung der Region OWL. Bittihn: "Wenn es der Region gut geht, dann geht es auch der Bank gut."
Perspektivisch sieht die Volksbank für ihr traditionelles, in der Fläche präsentes und durch zahlreiche persönliche Kontakte in der Region verwurzeltes, genossenschaftliches Geschäftsmodell beste Chancen. Man wachse, weil große Privatbanken sich eher zurückzögen und ihre Kunden weniger intensiv betreuten. So habe man auch im Bereich "Private Banking" das Volumen der betreuten Einlagen und Wertpapiere um acht Prozent auf 1,22 Milliarden Euro steigern können. Dr. Bittihn: "Äußerungen von Privatbanken, wonach Mittelständler mit einem Jahresumsatz unter 50 Millionen Euro bei einer Genossenschaftsbank besser aufgehoben seien, halten wir für ein Kompliment." Allerdings halte er es durchaus für eine Wettbewerbsverzerrung, wenn "staatlich gestützte Institute Marktpreisführer bei Einlagen" seien.
Ein besonderer Finanzierungsschwerpunkt habe im letzten Jahr wiederum bei erneuerbaren Energien gelegen. Der Gesamtbestand der Kredite liege hier mit 278 Millionen Euro nun um 42 Prozent höher als vor einem Jahr. In Zukunft setze man in seiner Beratung verstärkt auch auf das neue Themenfeld "Energieeffizienz".
Dem Bedürfnis vieler Kunden nach sicheren Anlagen entsprechend habe man 2011 nicht nur eine wiederum hohe Nachfrage nach Immobilien und Baugeld bzw. Mitteln für eine Modernisierung verzeichnet. 2011 sei auch ein Rekordjahr im Bauspargeschäft gewesen. Die neue abgeschlossene Bausparsumme sei um 14 Prozent auf 164 Millionen Euro gestiegen. Insgesamt besäßen die Volksbank-Kunden 45.300 Bausparverträge. Außerdem seien 11.600 neue Vorsorgeverträge abgeschlossen worden – die Hälfte davon als Banksparplan. Auch 3.652 neue Lebensversicherungen seien unter den Dächern der Volksbank abgeschlossen worden (plus 26 Prozent).