Büren. Eine flexible Arbeitswelt, in den Job eingebundene Frauen und vereinsamte Senioren – durch den demographischen Wandel bleibt die klassische Familie und ein gutes nachbarschaftliches Bezieh-ungsgepflecht gerade in den Städten zunehmend auf der Strecke. Gerade die mittlere Generation steht aus Zeitgründen den Jungen und Alten kaum noch zur Verfügung.
Hans-Werner Kley aus Ahden ist angetreten, das zumindest für das Bürener Stadtgebiet zu ändern. In rund vier Wochen möchte der Ruheständler den Verein Bürgerhilfe Büren ins Leben rufen. Rund 40 Interessierte waren am Donnerstagabend in den großen Ratssaal gekommen, um seinen Plänen zu lauschen. Ein Fernsehbericht über eine Seniorengenossenschaft in Süddeutschland hatte Kley auf die Idee gebracht. "So etwas ist auch für Büren lohnenswert", berichtet der Ideengeber.
In Büren soll es neben Senioren aber auch um Jugendliche und junge Familien gehen. Der Ahdener möchte "alle, die bereits Hilfe leisten an einen Tisch bringen". Hans-Werner Kley denkt an niederschwellige Angebote wie die Begleitung von Senioren zu Behörden, Hausaufgabenbetreuung, Schriftverkehr mit Behörden, Betreuung von Kindern und Tieren oder das Hüten eines Hauses.
"Wir wollen keinesfalls zu bestehenden, sozialen, freiwilligen – insbesondere ehrenamtlichen Tätigkeiten – in Konkurrenz treten – sondern verstehen uns als Ergänzung zu bestehenden und etablierten Angeboten", betont der Elektroingenieur.
Wie eine erfolgreiche Bürgerhilfe aussehen kann, erläuterten der Vorsitzende Jürgen Damm und Elke Persch-Eyckmans von der "Wir-für-uns-Bürgerhilfe" im nordhessischen Bad Arolsen. Vor über zehn Jahren als Verein gegründet, hat die Hilfe mittlerweile 250 Mitglieder. Rund 100 davon sind aktiv. Die Mitglieder helfen sich untereinander. "Für ihre Einsätze bekommen sie pro Stunde zwei Zeitpunkte gutgeschrieben", erläuterte Damm.
Wer keine Punkte erworben habe und Hilfe in Anspruch nehme, zahle pro Stunde zwei Euro in die Vereinskasse. Mitglieder zahlten einen Jahresbeitrag von zwölf Euro. Sponsoren gibt es nicht. Lediglich eine Anschubfinanzierung von 2.000 Euro stand zur Verfügung.
"Aus dem Netzwerk entwickelten sich weitere Initiativen. Sie sollten in Büren versuchen, von Beginn an auch Schulen mit ins Boot zu holen", schlug Damm vor. Auch Vereine können beispielsweise als Mitglieder beitreten. Hier sah ein Vertreter des Sozialverbandes VdK ein Problem. "Das könnte schwierig werden, weil dafür unsere Satzung geändert werden müsste", lauteten seine Bedenken.
In Büren rechnen die Verantwortlichen mit einer hohen Resonanz, zumindest was die Nachfrageseite betrifft. "Wir scheinen damit den Nerv getroffen zu haben. Auch der Bürgermeister steht hinter den Plänen", betonte Bürgerdienste-Abteilungsleiterin Antje Degener. Bürgerstiftungs-Vorsitzende Bärbel Olfermann hofft, dass durch die Bürgerhilfe in Büren "das Beziehungsgeflecht untereinander dichter wird und uns einander näher bringt".
Ideengeber Kley möchte "alle besser miteinander vernetzen und sich gegenseitig die Bälle zuspielen". Für die Helfer soll eine Unfallversicherung und eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden.