Kreis Paderborn. "Nicht sehen können trennt von den Dingen, nicht hören können von den Menschen", zitierte Landrat Manfred Müller den Philosophen Immanuel Kant. Und erklärte, das Trennende habe Irmgard Kleinemeier nie zugelassen. Für ihr langjähriges Engagement im sozialen Bereich überreichte er der Paderbornerin in einer Feierstunde im Kreishaus die vom Bundespräsidenten verliehene Verdienstmedaille der Bundesrepublik.
Ihre eigene, eingeschränkte Sinneswahrnehmung habe Irmgard Kleinemeier stets als Herausforderung angenommen, anderen Betroffenen zu helfen und dafür zu sorgen, dass sie aktiv am öffentlichen Leben teilnehmen können, stellte der Landrat heraus.
Seit 1992 ist Irmgard Kleinemeier als Montiererin bei der Firma Phoenix Contact in Blomberg beschäftigt. Von 1994 bis April 2010 gehörte sie dem Betriebsrat an. Darüber wirkte sie acht Jahre in der Schwerbehindertenvertretung des Unternehmens. Für diese Aufgabe wurde sie freigestellt.
Da Irmgard Kleinemeier die Gebärdensprache beherrscht, wurde und wird sie oft von anderen Mitarbeitern der Firma, die durch eine Hörbehinderung beeinträchtigt sind, um Hilfe gebeten.
Während ihrer Freizeit engagierte sich Irmgard Kleinemeier im sportlichen Bereich. Über 20 Jahre war sie in verschiedenen Vereinen ehrenamtlich als Übungsleiterin tätig, gab mehrere Jahre Sportunterricht für Frauen und leitete Mutter-Kind-Turngruppen. Seit 1990 betreut sie das Sportangebot für gehörlose Frauen und bietet verschiedene Sportdisziplinen wie Gymnastik, Tanz, Bowling, Golf und Schwimmen an.
Mit einigen Gehörlosengruppen trainierte sie für die Bühne: So gestaltete sie von 1995 bis 2001 verschiedene Aufführungen mit der Frauengruppe "Raupe", einer Selbsthilfegruppe des Vereins für Hörgeschädigtenhilfe Paderborn. Die Sportlerinnen zogen aus diesen öffentlichen Auftritten viel Selbstvertrauen und die Motivation, eigene Talente zu entdecken und zu fördern.
Von 2000 bis 2003 war Kleinemeier im Vorstand des Vereins tätig. Seit 2010 ist sie Beiratsmitglied und Beiratssprecherin für die Selbsthilfegruppe des Vereins. Darüber hinaus organisierte und leitete sie Reisen für Gehörlose nach Helgoland, Mallorca oder an die Türkische Riviera.
Irmgard Kleinemeier ist zudem Ansprechpartnerin bei Veranstaltungen mit gehörlosen Frauen in der Katholischen Bildungsstätte, hilft bei der Organisation von Kursen und als Dolmetscherin in der Gebärdensprache. Kleinemeier pflegte zudem ihren kürzlich verstorbenen Ehemann und stand ihm während seiner Erkrankung jahrelang zur Seite.
"Sie haben sich vorbildlich dem Leben gestellt und Verantwortung übernommen", betonte Landrat Müller, der ihr die Ordensinsignien überreichte. Müller übermittelte der Geehrten Glückwünsche der Ministerpräsidentin, der Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport und der Detmolder Regierungspräsidentin.
Für die musikalische Umrahmung der Feier sorgten die Geigerinnen Maren Grewe und Luzie Sophie Probst von der Kreismusikschule.