Motivationstraining an Schulen: Christian Bischoff polarisiert am Goerdeler-Gymnasium
Paderborn. "In jedem von Euch steckt grenzenloses Potenzial!", ruft der Mann auf der Bühne den Oberstufenschülern in der Aula des Goerdeler-Gymnasiums zu. Gut zu hören, so kurz vor der Reifeprüfung. Doch ohne Fleiß kein Preis, weiß der Typ mit dem roten Stirnband: "Strengt Euch an, um etwas zu erreichen. Sucht den Erfolg. Er befindet sich überall in Eurer Umgebung."
Der Coach kommt – nicht nur in Wirtschaftsunternehmen, sondern mittlerweile immer öfter auch an die Schulen im Lande. Allein Christoph Bischoff, 36-jähriger Persönlichkeits- und Motivationstrainer, absolvierte in den letzten Jahren bundesweit Auftritte an mehreren hundert Schulen. Nachdem er bereits an den beiden Gymnasien Schloß Neuhaus und Delbrück Gastspiele gegeben hatte, beauftragte ihn jetzt das Goerdeler-Gymnasium.
"Neben der fachlichen Ausbildung wollen wir den Schülerinnen und Schülern auch Persönlichkeitsbildung vermitteln. Und wer könnte das besser als solch ein bekannter und renommierter Fachmann", sagt Schulleiterin Helga Lazar gegenüber der NW. In einer Abendveranstaltung werden auch Eltern und Kollegium gecoacht, so dass die gesamte Schulgemeinde einbezogen sei.
Bei diesem Training, so Lazar, stünden die Schülerinnen und Schüler mit ihren Wünschen im Mittelpunkt: "Und genau sie wollen wir ja stärken". Aus Treffen mit anderen Schulleitern weiß Helga Lazar, dass solche Veranstaltungen schon mal an den Kosten scheitern: "Das hat seinen Preis." Am Goerdeler zahlte jeder Schüler für die Schulveranstaltung am Vormittag 3,50 Euro, der Förderverein des Gymnasiums gab noch Geld dazu.
In getrennten Veranstaltungen klärt Christian Bischof nun Mittel- und Oberstufenschüler darüber auf, wie sie ihr Leben eigenverantwortlich gestalten können, wie sie Erfolg, Glück und Erfüllung erreichen.
Wie wichtig dabei Selbstdisziplin ist sowie die Bereitschaft, "das Beste zu geben", aber auch Selbstvertrauen und das Formulieren persönlicher Ziele. "Deine eigene innere Einstellung ist der entscheidende Faktor, wie sich Dein Leben entwickelt – es sind nicht Deine Eltern oder Lehrer."
Der Coach verkündet zwar keine neuen Erkenntnisse mit mit Sätzen wie "Dein größter Erfolgsmotor ist der Kopf." Oder: "Folge Deinem Herzen und höre auf Deine innere Stimme." Und doch kommt er bei vielen Schülerinnen und Schüler gut an. Vielleicht, weil es darum geht, welche Werte und Regeln im Leben wichtig sind. Weil der Trainer betont, dass es nur mit Spaß immer weiter vorangeht. Und weil er die Jugendlichen bestärkt, ihren "inneren Riesen" zu finden: "Du bist gut so wie Du bist!" So denken Erfolgsmenschen, sagt Bischoff. Die Schüler machen seine Spielchen, Übungen und Wettbewerbe mit, formulieren konzentriert eigene Ziele. "Was Ihr Euch selbst vorstellen könnt, das könnt Ihr auch erreichen. So funktioniert das Leben nach dem Abitur", ermuntert der Coach.
Alle Schüler kann der Buchautor am Goerdeler allerdings nicht überzeugen. "Ich brauche das nicht", sagt ein Zwölftklässler und berichtet von "Skepsis in der Oberstufe über diese Pflichtveranstaltung". Unruhe ist die Folge, der Bischoff flott ein Ende macht: "Wer nicht offen ist, kann auch nichts mitnehmen und geht darum am besten."
"Das ist schon ein bisschen enttäuschend", reagiert Schulleiterin Lazar, nachdem etwa 70 Schüler die Aula verlassen haben. Bereits im Juli hätten Lehrer- und Schulkonferenz dieses Event vereinbart, doch erst jetzt sei kurzfristig Kritik von Schülern und einigen Eltern aufgekommen. Als "freiwilliges" Angebot sei dieses Coaching nicht machbar gewesen, erläuterte Lazar: "Das wäre nicht zu kalkulieren."
"Solche Veranstaltungen sind eine gute Ergänzung für Schüler", findet Bernhard Gödde, Leiter des Gymnasiums Schloß Neuhaus. Dort werden solche Events möglichst regelmäßig angeboten, wenn’s die Finanzen erlauben.
"Wir zahlen das aus den Zinsen unseres dotierten Schulpreises, Schüler müssen nicht bezahlen" und der Förderverein hilft auch, verrät Gödde, der unter anderen bereits dreimal den Gedächtnistrainer Gregor Staub für die gesamte Schülerschaft im Hause hatte.
Aber auch die Lese- und Motivationstrainer seien "immer toll angekommen". Solch ein Coaching ist auch heutzutage "kein Muss", stellt Gödde klar: "Aber ab und zu ist so ein kleines Bonbon schon schön."