Paus beschwert sich beim Drei-Hasen-Präsidenten über den Umgang mit seinem Grußwort
Paderborn. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Über den Geschmack von Witzen erst recht. Heinz Paus jedenfalls kann über einen vermeintlichen Jux überhaupt nicht lachen. Der wurde vom Karnevalsverein "Drei Hasen" im Sessionsheft "Karneval in Paderborn 2012" ohne sein Wissen just auf die Seite platziert, auf der sich das Grußwort des Bürgermeisters an die "lieben Karnevalsfreunde" befindet.
Neben dem offiziellen Paus-Porträt zeigt die Heftseite ein weiteres Foto, das Weiberfastnacht 2011 beim Rathaus-Sturm der Narren "geschossen" wurde. Auf dem Foto steht Paus neben einer Dame im weißen Mieder. Jeder der Beiden hält ein gut geleertes Bierglas in der rechten Hand. "Das Bild erweckt doch den Eindruck, als ob der Bürgermeister der Frau gerade den darunter stehenden Witz erzählt", meint Jens Reinhardt, der Pressesprecher der Stadt. Der nicht gerade frauenfreundliche Witz darunter – das sei "eine Zote", die Reinhardt "weit unterhalb der Gürtellinie" verortet. Wobei ein Bauchnabel, um den es in jenem Witz geht, eigentlich durchaus oberhalb der Gürtellinie angesiedelt ist.
Gerne habe er auch für das Programmheft 2012 ein Grußwort geschrieben, ließ Paus gestern den Präsidenten der "Drei Hasen", Markus Schniederjann, wissen. "Umso mehr war ich jedoch irritiert, als ich dann die tatsächliche Aufmachung meines Grußwortes sah, die um ein weiteres Foto und einen rot hervorgehobenen, mehr als unpassenden Witz ergänzt war", empörte sich Paus in einem Schreiben an den Hasen-Boss. Wäre ihm dies im Vorhinein so bekannt gewesen, "hätte ich die Freigabe für den Druck nicht erteilt". Paus kündigt an: "Sie werden Verständnis dafür haben, dass ich mich von der Aufmachung meines Grußwortes ausdrücklich öffentlich distanzieren werde." Und fordert von Schniederjann, "mir zukünftig in derartigen Fällen die endgültige Druckversion zur Freigabe vorzulegen".
Bei Paderborns närrischer Konkurrenz ist Paus dergleichen noch nicht widerfahren. Die Heimatbühne kürte ihn 2010 zum Träger ihres "Ordens ohne Namen für einen guten Namen". Der Ex-Detmolder Paus nahm die Auszeichnung seinerzeit im Kostüm eines lippischen Schützen in Empfang.
Für das von Paus abgemahnte Sessionsheft der "Drei Hasen" zeichnet presserechtlich nicht Markus Schniederjann, sondern Antje Heider, als "Presse-Senatorin" Mitglied des erweiteren Hasen-Vorstandes, verantwortlich. Es soll in einer Auflage von etwa 5.000 Exemplaren im Vorfeld der Karnevalsparade (18. Februar) unter das närrische Volk gebracht werden. Schniederjann erklärte auf Anfrage der NW, er habe das Heft, ,,das erstmals von den Frauen unseres Vereins gemacht wurde", bislang nur "überflogen" und sich wegen eines Brandes in seinem Büro aus der Arbeit an dieser Publikation Heft heraushalten müssen. Zwischen dem Paus-Foto mit der Närrin und dem Witz darunter einen Zusammenhang herzustellen, sei "doch ein wenig an den Haaren herbei gezogen", befand der vom Bürgermeister gescholtene Ober-Narr. Mit den Witzen hätten die Frauen das Sessionsheft "nur ein bisschen auflockern wollen".
"Die Karnevalsparade in Paderborn ist eine exzellente Visitenkarte für unsere Stadt Paderborn", schreibt Schniederjann in seinem eigenen – allerdings nicht mit irgendwelchen Witzen garnierten – Grußwort. Die Parade stehe für Toleranz, Weltoffenheit und Lebensfreude.
Weitere, allerdings eher"stubenreine" Witze finden sich eingestreut auf anderen Seiten des Hasen-Heftes. Der Humor des Landtagsabgeordneten Daniel Sieveke und des Bundestagsabgeordneten Carsten Linnemann, die ebenfalls mit Grußworten vertreten sind, wird allerdings nicht wie bei Paus durch halbseidene Einsprengsel auf die Probe gestellt. Sieveke wünscht den Paderbornern "eine Auszeit von den Sorgen des Alltags", Linnemann den "Hasianern" die Fähigkeit, "dem realen und nicht immer einfachen Leben mit einer großen Portion Humor zu begegnen".
Präsident Schniederjann erhofft sich laut seinem Grußwort eine Karnevalssession "mit vielen neuen Erkenntnissen": Eine verleitet ihn vielleicht schon vor Anbruch der tollen Tage zu der Einsicht, dass vermeintliche Gags einer Grußwortseite auch in närrischen Zeiten einer genaueren Prüfung des Jux-Gehaltes unterzogen werden sollten. . .