Kreis Paderborn. Groß angekündigt waren sie – die landesweiten Geschwindigkeitskontrollen durch die Polizei. Doch Hauptkommissar und Kontrollstellenleiter Helmut Flottmeyer musste am Freitag immer wieder Lkw-Fahrer und Autofahrer am Kontrollpunkt an der Bundesstraße 64 zwischen Schwaney und Buke mit der Polizeikelle herauswinken, weil sie zu schnell unterwegs waren.
Erst am Donnerstag war ein 53-Jähriger etwas weiter Richtung Paderborn auf der B 64 tödlich verunglückt (die NW berichtete). Nach Angaben des Leitenden Polizeidirektors Andreas Krummrey war es bereits der dritte Verkehrstote in diesem Jahr. 2011 waren 15 Menschen auf den Straßen im Kreisgebiet zu Tode gekommen.
Die Zahl steigt, wenn auch im Vergleich zum Landesdurchschnitt geringer. "Unsere Mischung aus Prävention und Repression fruchtet", ist Polizeisprecher Ulrich Krawinkel überzeugt. Andreas Krummrey möchte mit der Aktion ein Zeichen setzen. Überhöhte Geschwindigkeit sei auf den Straßen Todesursache Nummer eins. "Die B 64 verleitet trotz des gelungenen Rückbaus zum Rasen und ist unser Sorgenkind", sagt der Polizeichef. Man wolle, dass alle Menschen sicher nach Hause kämen.
Mit den Beamten machte am Freitag auch ein Lkw-Fahrer einer Spedition aus Buke Bekanntschaft. Mit seinem 38 Tonner war er mit 75 Kilometer in der Stunde geblitzt worden – erlaubt sind für seinen "Brummi" nur 60. Der Mann aus Diemelstadt ist mit einem Verwarnungsgeld von 25 Euro dabei. "Das hier ist meine Standardstrecke und ich war schon kurz vor dem Ziel", ärgert sich der Fahrer. Von den landesweitenKontrollen hatte er morgens im Radio erfahren. Auch der Fahrer eines Lieferwagens wusste Bescheid. Erwischt hatte es den Ortsunkundigen einer Düsseldorfer Firma trotzdem.
"Der Tempomat war auf 100 eingestellt, doch hier ist trotz gerader Strecke ein Tempolimit", zeigte sich der junge Mann aus dem niedersächsischen Bad Gandersheim überrascht. Neben 100 Euro Bußgeld bekommt er einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderdatei. Statt der vorgeschriebenen 70 Kilometer in der Stunde waren es nach Abzug der Toleranz 95.Nach Angaben von Andreas Krummrey waren die meisten Temposünder durchaus einsichtig. Manche hätten sich sogar entschuldigt. Den Vorwurf einiger, dass bei der Kälte die eingesetzten Messgeräte nicht richtig funktionierten, verwiesen die Beamten ins Reich der Fabel.
40 Polizisten waren von Freitag früh bis zum frühen Samstagmorgen zusammen mit der Bereitschaftspolizei und Überwachungsteams von Stadt und Kreis an rund 20 Messstellen zu verschiedenen Zeiten im Einsatz. Bis zu drei Stunden mussten sie vor Ort den Verkehr überwachen. Heißer Kaffee in einer Thermoskanne half über das ganz große Zittern hinweg.
Ulrich Krawinkel kündigt etwas mehr Kontrollen in der Fläche an. Früher habe man sich auf schutzwürdige Zonen wie Kindergärten und Schulen konzentriert. Auch Radfahrer und Fußgänger müssen mit Kontrollen rechnen. Dabei geht es vor allem um das richtige Verhalten..
Positives Zwischenfazit
In der Zeit von 9.30 Uhr bis 14 Uhr haben die Polizeibeamten am Freitag 4.666 Fahrzeuge kontrolliert. Dabei registrierten sie 52 Geschwindigkeitsverstöße. Die Quote liegt bei rund einem Prozent. "Sie liegt unter den sonstigen Werten", so Polizeisprecher Ulrich Krawinkel. Ausreißer war ein Autofahrer auf der Bundesstraße 64 in Höhe der Ausfahrt nach Neuenbeken. Er war statt der erlaubten 70 mit 110 Stundenkilometern unterwegs gewesen. Dem Temposünder drohen ein Bußgeld von 320 Euro, drei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei und ein Fahrverbot von einem Monat.(ag)