Schloß Holte-Stukenbrock (bm). So einzigartig wie die Menschen, so sollte jede Hochzeit sein. Das findet die neue Standesbeamtin der Stadtverwaltung Karin Buschmann. Heute traut sie ihr erstes Ehepaar im Rathaus und löst damit den Standesbeamten Gerd Fiekens ab, der nach 29 Jahren als Standesbeamter und circa 2.800 Trauungen in den Ruhestand geht.
"Die Trauansprache ist gut vorbereitet", sagt die 40-Jährige gestern. "Jetzt kann es losgehen." Sie sieht sich generell gut gerüstet. Seit September wird sie bereits eingearbeitet. Erst von Fiekens, dann von ihrer KolleginYvonne Biermann, die Paare seit sieben Jahren in Schloß Holte-Stukenbrock traut. Zwei Seminare standen auch auf dem Einarbeitungsplan. Eines an der Akademie für Personenstandswesen in Osnabrück, ein weiteres in Münster. "Das war besonders interessant", berichtet Buschmann. "Verehrtes Brautpaar" – diesen Titel trug das Seminar, in dem sich alles um kreative und individuelle Traureden drehte.
Was in ihrer ersten Traurede stehen wird, will sie nicht verraten. Ihre eigene Freude daran, mit der deutschen Sprache umzugehen, sie in kreative Formen zu bringen und damit besonders glückliche Augenblicke festzuhalten, mache ihr besonders viel Spaß und werde sicherlich auch den Brautpaaren Freude bringen. "Diesen Mix aus Kreativität und Verwaltungsarbeit bringt kaum ein anderer Beruf in der Stadtverwaltung mit sich", sagt sie und bereut die Entscheidung nicht, sich für den abwechslungsreichen Posten beworben zu haben. Diesem gingen seit ihrem Wechsel zur Stadtverwaltung vor zehn Jahren ein Posten im Tiefbauamt und später die Beschäftigung für die Arbeitsvermittlung GT aktiv voraus.
Zum jetzigen Arbeitsalltag gehören jedoch nicht nur die durchschnittlich circa 130 Trauungen, die jährlich auf sie und ihre Kollegin zukommen. Sie zeichnet auch Sterbeurkunden gegen, kümmert sich um das Friedhofswesen in der Stadt und stellt bei Bedarf die Rufbereitschaft für das Ordnungsamt. "Rein theoretisch gehören auch Geburten zu unserem Arbeitsgebiet", erzählt sie. Da es aber kein Krankenhaus in der Stadt gäbe und Hausgeburten nur selten vorkämen, sei in dieser Hinsicht nicht viel Arbeit zu verzeichnen.
Trotzdem sei in jedem ihrer Tätigkeitsfelder Exaktheit gefragt. Vor allem bei Trauungen. "Da müssen alle Formalitäten passen", berichtet sie. Mal eben etwas durchzustreichen und dann zu verbessern, gehe nicht. Diesen Tipp hat ihr Fiekens mit auf den Weg gegeben. "Und den werde ich auch stets beachten."
Vor allem bei ausländischen Trauungen müsse alles stimmen. Hier spielt seit einigen Jahren nämlich ausländisches Recht mit hinein. "Wenn jedoch alles stimmt, kann sofort geheiratet werden." Erst Ende Dezember ließ sich ein Paar von einem auf den anderen Tag trauen. Erfolgreich könne die Hochzeit dann auch werden. "Miteinander zu sprechen ist das Rezept für eine gute Ehe", rät sie gerne.