In der Unfallchirurgie herrscht derzeit Hochbetrieb / Hände, Arme und Beine in Gips
Schloß Holte-Stukenbrock. "Schmerzen ohne Ende, die empfehle ich keinem", klagt Dorothee Uthe, der einfach zum Heulen zumute ist. Die Stukenbrockerin gehört zu den zahlreichen Glatteis-Opfern dieses Winters. Mit dem heftigen Tauwetter und damit einhergehenden spiegelglatten Flächen ist diese Zahl gestern noch einmal kräftig hochgeschnellt.
In der Praxis von Zaher Hassan finden sich bereits am frühen Morgen fünf Patienten mit Handgelenk-, Fuß- und Schulterbrüchen ein. Bis zum Abend sind es Pi......, die in den kommenden Wochen, womöglich Monaten, in ihrer Bewegungsfähigkeit deutlich eingeschränkt sein werden.
"Seit Anfang Dezember ist die Zahl deutlich angestiegen", bestätigt Zaher Hassan. Der Chirurg und Unfallchirurg hat in dieser Zeit und insbesondere gestern viele schwere Verletzungen diagnostiziert und behandelt. So wie die von Dorothee Uthe. Nichts gebrochen ist bei ihr, dafür wird sie in den kommenden sechs Wochen mit den äußerst unangenehmen Folgen eines Kreuzband- und Innenbandrisses zu tun haben. Die Mutter einer 14-jährigen Tochter gehört zur großen Gruppe derjenigen, die es beim Skifahren in den Ferien hart getroffen hat.
Am Silvestermorgen ist die 46-Jährige im österreichischen Urlaubsort auf einer Eisplatte ausgerutscht. "Ich habe im Fallen schon geschrien", erzählt Uthe vom Moment, als sie bereits vor dem Aufprall Furchtbares ahnte. Mann und Tochter konnten weiter die Hänge mit ihren Skiern hinunter sausen, "ich habe im Zimmer im Bett gelegen. Vielleicht haben mir vorher einfach zu viele Ski heil gewünscht", zeigt Uthe Galgenhumor. Seit dem Sturz fühlt sich ihr Knie wie Pudding an, weil die Stabilität fehlt. In anderthalb Monaten wird operiert.
"Mindestens 120 Patienten mit Brüchen, Prellungen und Zerrungen waren aufgrund der Wetterlage seit Anfang Dezember zur Behandlung hier", nennt Zaher Hassan Zahlen. Der Mediziner betont: "Auch das Schneeräumen vor dem Haus ist nicht zu verachten." Auch da habe es zahlreiche Stürze und Verletzungen gegeben. Mit unangenehmen Folgen nicht zuletzt für diejenigen, die die Bürgersteige nicht ordnungsgemäß freigehalten haben. "Ich weiß von acht oder neun Klagen, die laufen, das ist einen Menge." Im vorigen Winter sei diese Zahl geringer gewesen.
"Sprunggelenk, Kniegelenk, Handgelenk und Schulter, in dieser Reihenfolge", zählt der 46-Jährige die häufigsten Verletzungen auf. Quer durch alle Generationen, momentan allerdings nicht so häufig bei Kindern. "Das wird vermutlich zunehmen, sobald die Schule wieder anfängt." Von einer deutlichen Zunahme der Fälle berichtet auch der Notdienstbeauftragte Dr. Hendrik Pleuger. "Gerade dort, wo es spiegelglatt war, haben sich einige gehörig hingelegt." Nicht alle kommen in eine Praxis vor Ort. "Viele gehen direkt ins Krankenhaus." Deshalb kann auch der Leiter der Kreisleitstelle keine konkreten Schnee- und Glatteisopferzahlen nennen. Wenn der Rettungswagen ausrücke, sei die Ursache eines Sturzes nicht immer klar. "Bei diese Wetterlage spielt oft auch der Kreislauf nicht mit", informiert Harald Horstkötter. Er weiß aber, "dass die Ambulanzen gerade um Silvester herum so voll waren, wie noch nie".