Schloß Holte-Stukenbrock. CDU und Stalag: Bei dieser Kombination gehen die Oppositionspolitiker im Stadtrat stets in Habtachtstellung. Zu lange haben die Christdemokraten der Dokumentationsstätte, in der ehrenamtlich die Geschehnisse im Kriegsgefangenenlager in der Senne aufgearbeitet werden, ihre Unterstützung verweigert. Inzwischen hat die CDU umgedacht, aber die Opposition wittert noch immer Ungemach, wie die jüngste Debatte im Kulturausschuss zeigte.
Je 2.500 Euro werden der Dokumentationsstätte Stalag 326 in diesem und im nächsten Jahr überwiesen, damit zunächst einmal die Grundkosten finanziert sind. Das ist das Ergebnis eines Kompromissvorschlages, den der Grüne Matthias Altemeier nüchtern formuliert hatte, nachdem die Emotionen wieder einmal hochgekocht waren.
Michael Brechmann hatte zuvor für die CDU erklärt, zunächst einmal nur für 2011 2.500 Euro zuzusagen, danach solle auf der Basis des Entwicklungskonzeptes, das der Förderverein der Dokumentationsstätte vorlegen soll, über die finanzielle Förderung entschieden werden. Das wertete die Opposition als angekündigten Rückzug aus der Finanzierung. Heinz-Wilhelm Tzschentke (SPD) war "erschüttert", Thorsten Baumgart (FDP) "schockiert". Roswitha Irmer (CSB-FWG) mahnte, die Aufarbeitung der Geschichte sei "eine Verantwortung, der wir uns stellen müssen". Und Fridolin Burger (Bündnis 90/Die Grünen) kritisierte die finanzielle Unverhältnismäßigkeit: Einerseits würde pro Jahr ein 7.000-Zuschuss für den Weihnachtsmarkt gebilligt (siehe Bericht unten), andererseits Planungssicherheit im Wert von jährlich 2.500 Euro verweigert. Ein Vergleich, der Hans Schäfer (CDU) missfiel, weshalb er ein "Unverschämt" in den Sitzungssaal bellte. Bürgermeister Hubert Erichlandwehr bemühte sich die Wogen zu glätten: Niemand wolle die Förderung auf Null oder 750 Euro wie früher zurückfahren. Und sein Parteifreund Christian Hayk (CDU) erklärte den Umgang mit dem problematischen Thema so: "Bei uns dauert es halt ein bisschen länger – aber es kommt."
Manfred Büngener vom Förderverein der Dokumentationsstätte dürfte wohl ein Stein vom Herzen gefallen sein, dass sich die CDU letztlich auf die Planungssicherheit für zunächst zwei Jahre und die Zusage einer dauerhaften Finanzierungsbeteiligung eingelassen hat. Er hatte zuvor die Diskussion um die Schilderung des zähen Ringens ums liebe Geld ergänzen dürfen. Europa, Bund und Land fördern nach aufwendigstem Papierkram – wenn überhaupt –nur projektbezogen, nicht aber Strom und Heizung. "Und wir müssen überall unsere finanzielle Grundsicherung nachweisen." Büngener berichtete auch, dass die Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter aus Alters- und Gesundheitsgründen weiter schrumpft und Führungen oft gegen Entgelt von Studenten übernommen werden. Insgesamt konnten die Politiker (auch nach dem Besuch in der Dokumentationsstätte im Sommer) einen Eindruck davon bekommen, was im Förderverein geleistet wird. Michael Brechmann kritisierte indes, dass man aus der Dokumentationsstätte viel mehr machen könne. Er sei noch nicht zufrieden.