Schloß Holte-Stukenbrock. "So fundiert arbeitet keine andere Gedenkstätte auf dem Kriegsgefangenen Sektor." Werner Busch ist stolz auf dem von ihm mitgegründeten Förderverein, der die Geschehnisse im Kriegsgefangenenlager in Stukenbrock-Senne aufarbeitet. Nach dürren Jahren ist nun offenbar der Durchbruch geglückt.
Von Historikern längst anerkannt und gewürdigt, haben sich inzwischen Politiker aller Parteien angeschlossen und dafür gesorgt, dass der Förderverein der Dokumentationsstätte Stalag 326 keine finanzielle Sorgen mehr hat. Spenden fließen, die Europäische Union hat Geld in Aussicht gestellt, und Vorstandsmitglied Manfred Büngener ist optimistisch, dass sich auch Land und Bund an der Finanzierung wichtiger Projekte beteiligen will.
Zum Beispiel daran, die Erinnerungen Überlebender in Bild und Ton festzuhalten. 58 Männer, die die Tortur in Stukenbrock-Senne überstanden haben, sind dem Fördervereinsvorsitzenden, Historiker Oliver Nickel, bekannt. Er hat sie alle angeschrieben, "einige erinnern sich noch sehr gut". Ein ukrainischer Historiker-Kollege wäre bereit, die Interviews vor Ort zu führen und mit der Videokamera aufzuzeichnen. Allerdings nicht umsonst. Das gilt auch für die Recherche im Staatlichen Archiv der Russischen Föderation in Moskau. Mehrere tausend Dokumente liegen dort noch. Es drängt Oliver Nickel, sie auswerten zu können. Aber: Die Reise will erst einmal finanziert werden.
Ein anderes wichtiges Projekt bezahlt die Familie-Osthushenrich-Stiftung: das Lernportal im neuen Internetauftritt. Letzterer wird in der nächsten Woche freigeschaltet. Am Lernportal, aus dem sich Schüler und Lehrer Material herunterladen können, wird gearbeitet. "Wir sind derzeit die einzige Gedenkstätte", sagt Oliver Nickel nicht ohne stolz, "die das bieten wird."
Und auch die Ausstellung in dem historischen Gebäude auf dem ehemaligen Lagergelände an der Lippstädter Straße wird nach 15 Jahren komplett überarbeitet. Denn dokumentiert werden soll in etwa zwei Jahren auch die Besonderheit des Ortes in den Nachkriegsjahren. Heute befindet sich auf dem Gelände die Polizeischule, davor war dort das Sozialwerk Stukenbrock - vorübergehende Heimat vieler Flüchtlinge und Übersiedler.
Zwischen Sozialwerk und Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 im April 1945 durch die Amerikaner nutzen das Gelände für einige Jahre die Briten: als Internierungslager für Deutsche. "Auch wenn immer wieder die Gerüchte kursieren, dort wären nur Unschuldige inhaftiert gewesen", betont Oliver Nickel, Spruchkammerakten aus Koblenz würden etwas anderes beweisen. "Im Internierungslager Eselheide waren viele Nazi-Größen." Ein Kapitel, das der Historiker unbedingt aufarbeiten will.
Viel Arbeit für die wenigen aktiven Ehrenamtlichen vom Förderverein, die immer öfter auch Angehörige von verstorbenen Kriegsgefangenen betreuen. Die Ehrenamtlichen können jetzt auf Unterstützung hoffen. Fünf Interessierte haben sich auf einen Aufruf gemeldet, wollen mitarbeiten. Nickel, Büngener und Ehrenvorsitzender Busch hoffen, dass die Neuen auch Führungen durch die Ausstellung übernehmen werden. Denn das Interesse daran wächst, wie im vergangenen Jahr auch die erste öffentliche Führung bewies. Gerechnet hatte Nickel mit einer Handvoll Besucher, gekommen sind mehr als 100. Deshalb sollen in Zukunft pro Jahr zwei bis drei solcher öffentlichen Führungen angeboten werden.