Schloß Holte-Stukenbrock (guh). Wer die Dokumentationsstätte des Stalag betritt, wird hautnah dem Grauen ausgesetzt. Fotos ausgemergelter Körper, Dokumente von Nazi-Repressalien. Auch die Schüler des Gymnasiums beschäftigen sich mit diesem schrecklichen Kapitel deutscher Geschichte. Doch sie tun noch mehr. Neun Schüler und eine Schülerin haben in 27 Arbeitsstunden das Modell einer Baracke gebaut. Und Oliver Nickel, Leiter der Dokumentationsstätte, ist gestern bei der Übergabe begeistert: "Das ist fantastisch. Das Modell wirkt ausgesprochen realitätsnah."
Die Projektwoche des Gymnasiums hatte kein Motto. Die beiden Geschichtslehrer Thomas Schimmer und Christian Schwarz wollten einen lokalgeschichtlichen Bezug. "Wir wollten mehr machen, als nur die Dokumentationsstätte zu besichtigen", sagt Schimmer. Schnell war in dem Vorgespräch die Idee des 1:20-Modells geboren, "denn wir hatten vor, als Dienstleister für die Dokumentationsstätte auftreten".
"Wir haben vor Jahren bei einem Modellbauer angefragt, was das kosten würde", sagt Nickel. "Damals lag der Preis bei 5.000 Euro." "Wir machen’s für die Hälfte", wirft einer der Schüler ein. Geld bekommen sie zwar keines, aber neben dem Modell wird ein Gruppenfoto platziert und es wird kurz auf die Enstehungsgeschichte des Modells eingegangen. Und die ist durchaus ungewöhnlich, denn beide Lehrer haben eigentlich keine Ahnung vom Modellbau. "Von der Dokustätte haben wir Konstruktionspläne und Fotos bekommen", sagt Schimmer. Nickel ergänzt: "Das sind Pläne von Reichsarbeitsdienstbaracken, die in vielen Kriegsgefangenen- und Konzentrationslagern aufgebaut wurden. Diese Baracken kamen hier allerdings erst 1941 zum Einsatz. In dem Vorlager vegetierten die Menschen in Erdhöhlen und Laubhütten dahin."
Bei der Auswahl der Materialien kam der Zufall zu Hilfe. Einem der Schüler waren die Rührstäbchen einer Fast-Food-Kette aufgefallen. "Die konnten wir gut als Bretter verwenden", sagt Schwarz. Die Fensterreihen bestehen aus Streichhölzern, die Scheiben aus Overhead-Folie. Das Dach des Modells ist aus Schleifpapier, die Schornsteine aus Aluröhrchen und die Abdeckungen sind Maschinenschrauben. "Die Arbeit hat so viel Spaß gemacht, weil sich jeder auf das Ergebnis gefreut hat", sagen mehrere Schüler übereinstimmend. Besonders auffällig ist die Bemalung. "So muss es ausgesehen haben", sagt Nickel.
Die Baracke steht in völligem Gegensatz zum alten Modell, dass schon mal als schwedisches Sommerhäuschen bezeichnet wurde, weil es rot angestrichen ist. "Nicht zu unrecht", sagt Nickel. "Das neue Modell ist um Klassen besser."